
75 000 Teilnehmer werden zum Turnfest in Frankfurt erwartet. 2005 in Berlin (Foto) waren es über 100 000
19. Juni 2008 Begleitet von heftiger Kritik aus Teilen der Opposition, haben CDU, Grüne, SPD und FDP gestern den neuen Kostenplan für das Deutsche Turnfest 2009 genehmigt. Die zusätzliche Vorlage war nötig geworden, weil sich herausgestellt hatte, dass der bisher genehmigte städtische Beitrag von 5,14 Millionen Euro bei weitem nicht ausreicht, um das Turnfest zu finanzieren.
Das neue Papier aus dem Sportdezernat beziffert die Kosten für die weltgrößte Breitensportveranstaltung nunmehr auf rund 24,1 Millionen Euro. Das Turnfest, zu dem rund 75 000 Teilnehmer erwartet werden, findet vom 30. Mai bis zum 5. Juni 2009 statt. Um zu klären, wer die Verantwortung für das Finanzdebakel trägt, befasst sich seit Anfang Juni ein Akteneinsichtsausschuss mit dem Vorgang.
Zusätzliche Kosten absehbar: Kritik an Petra Roth und Kämmerer Uwe Becker
Vor der Abstimmung im Haupt- und Finanzausschuss der Stadtverordnetenversammlung gestern hatte der Fraktionsvorsitzende der BFF, Wolfgang Hübner, beantragt, erst nach der Sommerpause über die Vorlage zu entscheiden. Die bisherige Akteneinsicht lege nahe, dass man sich diese Vorlage noch einmal genau ansehen muss“. Die Dokumente belegten, dass die Kosten des Turnfests schon vor Vertragsschluss mit dem Deutschen Turner-Bund (DTB) im Januar 2007 fast um das Dreifache gestiegen waren“.
Sowohl Oberbürgermeisterin Petra Roth als auch der damalige Sportdezernent und heutige Kämmerer Uwe Becker (beide CDU), die den Vertrag für die Stadt unterzeichnet hatten, müssen davon Kenntnis gehabt haben“, sagte Hübner. Schon damals hätte eine neue, kostenkorrekte Vorlage erstellt werden müssen. Dies sei nicht passiert. Verantwortlich ist die jetzige Koalition.“
Keine zusätzlichen Schulden geplant
Eine Vertagung der Entscheidung wurde vom CDU-Fraktionsvorsitzenden Markus Frank mit der Begründung abgelehnt, der Magistrat müsse beim Abschluss von Verträgen zum Turnfest sofort handeln dürfen. Hübner entgegnete, es gebe keinen Grund zur Hektik, weil laut Vorlage das für 2008 eingeplante Geld ausreichend“ sei, um die für dieses Jahr zu erwartenden Kosten zu decken.
Der Vorsitzende der FAG-Fraktion, Rainer Rahn, warf Sportdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) vor, eine Reihe offener Fragen“ in der Vorlage nicht zu beantworten. So sei eine Zuordnung der einzelnen Kostenpunkte zu den vertraglich mit dem DTB vereinbarten Leistungen nicht erkennbar“. Als Beispiel nannte Rahn den Betrag von 500 000 Euro, die an das städtische Presse- und Informationsamt gehen sollen; dies sei vom DTB überhaupt nicht verlangt worden. Dafür fänden sich etwa für die im Vertrag zugesicherte Bereitstellung von 150 Hallen keine Kostenansätze“ in der Vorlage: Sonst wird auch jeder Dachziegel namentlich genannt.“
Hübner forderte, das Geld für die 18,9 Millionen Euro Mehrkosten anderswo einzusparen. Dasselbe fordere die schwarz-grüne Koalition doch sonst auch von anderen. Frank äußerte, die Kosten würden, ohne zusätzliche Schulden zu machen“, im Etat 2009 gebucht. Die neue Vorlage bezeichnete er als gut und transparent“. Klaus Oesterling begründete die Zustimmung seiner SPD-Fraktion damit, dass die Sportdezernentin versprochen habe, möglichst unter den Planzahlen zu bleiben und in einem halben Jahr eine aktualisierte Kostenrechnung vorzulegen. Wir erwarten, dass der Magistrat den Kostenrahmen einhält.“
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/dpa