Frankfurt-Hausen

Heftiger Streit um Moscheebau

Von Bernd Günther

„Stadionatmosphäre”: Zwischenrufe unterbrachen die Debatte

„Stadionatmosphäre”: Zwischenrufe unterbrachen die Debatte

19. September 2007 Der Hazrat-Fatima-Moscheenverein wird demnächst einen offiziellen Bauantrag für den von ihm geplanten Moschee- und Gemeindekomplex an der Straße Am Industriehof in Hausen stellen. Das bekräftigte der Sprecher des Vereins, Ünal Kaymakci, am Dienstag in der zu dem umstrittenen Vorhaben einberufenen Sondersitzung des Ortsbeirats 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen).

Kaymakci bekräftigte am Ende der mit Bürgern und Ortsvertretern im Veranstaltungszentrum Brotfabrik geführten Debatte: „Hausen braucht diese Moschee.“ Er sehe sich bestärkt in der Auffassung, dass nur durch den Bau des islamischen Gotteshauses die „tief verwurzelten Vorurteile“ gegenüber der Religion und die „Unkenntnis“ des Gemeindelebens der Muslime abzubauen seien.

Angst vor einem „Muslimen-Getto“

In der vorausgegangenen mehr als dreistündige Diskussion war abermals offenbar geworden, dass viele Bürger Vorbehalte gegenüber dem Moscheebau hegen und dass im Ortsbezirk die Gräben zwischen Gegnern und Befürwortern des Projektes immer tiefer werden. Die Stimmung in dem mit rund 300 Besuchern überfüllten Sitzungssaal war zeitweise sehr gereizt, Ortsvorsteher Christian Wernet (CDU), der von einer wenig dienlichen „Stadionatmosphäre“ sprach, musste die Bürger ob ihrer Zwischenrufe mehrfach zur Zurückhaltung aufrufen. Aber auch Kaymakci, der Jurist ist und rhetorisch versiert auf Fragen antwortete, ließ sich zu einigen polemischen Bemerkungen hinreißen: Er frage sich, sagte er beispielsweise, „wer Angst haben muss, angesichts der negativen Energie, die von rechts gegen das Bauvorhaben kommt“ – um im Nachsatz klar zu stellen, dass er die rechte Saalseite gemeint habe.

Horst Weißbarth, der Sprecher der Bürgerinitiative Hausen, hob indes hervor, dass der Protest nicht gegen die Religionsfreiheit gerichtet sei. Eine dritte Moschee in Hausen – mit allen ihren Begleiterscheinungen – könne der Stadtteil jedoch aus dem Gleichgewicht bringen. „Wir wollen keine Kreuzberger Verhältnisse“, sagte Weißbarth mit Verweis auf den überwiegend von türkischen Bürgern bewohnten Berliner Stadtteil. Es sei zu befürchten, dass in Hausen ein „Muslimen-Getto“ entstehe und sich die alteingesessene deutsche Bevölkerung zurückziehen werde.

Ungeachtet des Hinweises des Moscheenvereins, dass lediglich 15 Prozent der gläubigen Mitglieder im Ortsbezirk von Hausen wohnten, und der Beteuerungen von Kaymakci, dass das Gemeindezentrum für jedermann offen stehen werde, äußerten viele Bürger die Sorge, dass sich im Umfeld der Moschee die soziale Struktur nachhaltig ändern werde. Ein Mann wies etwa darauf hin, dass an der Hausener Grundschule seines Kindes, die Lehrer bei Schulfahrten schon von sich aus zusicherten, dass die Schüler kein Schweinefleisch zu Essen bekommen würden. Andere Teilnehmer der Diskussion kritisierten beispielsweise die Rolle der Frau im Islam und deren Unvereinbarkeit mit dem Grundgesetz.

Einladung zum „Tag der offenen Moschee“

Integrationsdezernent Jean-Claude Diallo sah sich dem Vorwurf ausgesetzt, dass der in Frankfurt scheinbar vollzogene Integrationsprozess nun an der Frage des Moscheebauts zu scheitern drohe. Einige Bürger nannten die bisher geführte Diskussion „beschämend“, Diallo er mahnte die Gegner des Moscheebaus zu einem „respektvolleren Umgang miteinander“. Wolfgang Hübner, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Römer, stellte hingegen in Frage, dass der Dialog, zu dem Diallo aufrufe, ergebnisoffen sei – „sonst müsse der Bau noch verhindert werden können.“

Dass dies auf der Basis des Baurechts möglich sei, wollte Werner Buch vom Stadtplanungsamt jedoch nicht in Aussicht stellen. Das von dem Moscheenverein erworbene Grundstück sei als Mischgebiet ausgewiesen und somit eine soziale, kulturelle oder kirchliche Nutzung möglich. Dies könne allenfalls untersagt werden, wenn eine Nutzung ein begrenztes Gebiet zu dominieren drohe – das sei hier aber nicht der Fall. Das neue Gotteshaus wäre zwar das dritte im Umkreis von 400 Metern, der Standort zähle jedoch gar nicht zu Hausen, sondern zum benachbarten Stadtteil Industriehof.

Dieser verfüge noch über keine Moschee und sei durch die vierspurige Straße Am Industriehof von der Wohnbebauung Hausens getrennt. Auf den Hinweis von Buch, dass die Stadt schon seit Monaten mit dem Moscheenverein im Gespräch sei, reagierte Ralf Sommerlad, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Rödelheimer Geschäftsleute, empört: Die Bürger hätten viel früher von der Stadt informiert werden müssen, meinte er. Kaymakci beteuerte unterdessen den Willen zu mehr Transparenz: Er lud die Bürger ein, am 3. Oktober, dem „Tag der offenen Moschee“, ein islamisches Gotteshaus zu besuchen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Michael Kretzer

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