Von Katharina Iskandar
08. März 2008 Sein Firmensitz liegt an einer beschaulichen Straße am Rande Praunheims. Ein Einfamilienhaus mit Garten, das Wohnzimmer ist quasi das Büro. Auf dem Tisch liegen Zeitungsartikel, in denen von mangelnder Qualität im Taxigewerbe die Rede ist. Alles Quatsch“, sagt Sven Adler. Die Qualität in der Taxibranche sei nicht generell schlecht. Allenfalls habe sie in den vergangenen Jahren bei den Berufsanfängern etwas nachgelassen.
Adler ist Unternehmer und wie so viele seiner Zunft nicht gerade erfreut darüber, dass die Diskussion über höhere Preise nun in eine Debatte über die Qualität der Fahrer ausgeartet ist. Taxi fährt Adler seit seiner Studienzeit. Ursprünglich wollte er sich sein BWL-Studium damit finanzieren, dann wurde er Vater, brach sein Studium ab und blieb im Taxi-Geschäft. Heute hat er sein eigenes Unternehmen. Gegründet hat er es 1998 in der Hoffnung, wenigstens so viel zu verdienen, dass er seine vierköpfige Familie ernähren kann. Als Fahrer war das mit einem durchschnittlichen Einkommen von 1200 Euro brutto im Monat kaum möglich. Aber auch als Unternehmer, sagt Adler, reiche der Verdienst kaum. Der Hauptverdiener sei seine Frau. Sie ist Projektleiterin in einem Grafikbüro.
Betriebskosten drastisch erhöht
Nach Angaben der Taxi-Vereinigung haben sich sämtliche Kosten in den vergangenen zehn Jahren drastisch erhöht. Allein die Dieselpreise seien um 91 Prozent gestiegen, die Kraftfahrzeugsteuer um 78 Prozent. Für ein Auto, das mit den vom Kunden erwarteten Extras“ wie Klimaanlage und elektronischen Fensterhebern ausgestattet sei, zahle ein Taxiunternehmer rund 34.000 Euro – 13 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Hinzu kommt die Versicherung, die laut Taxi-Vereinigung für ein Taxi etwa drei Mal so teuer ist wie für einen Privatwagen, sowie Personalkosten, regelmäßige Wartung des Fahrzeugs und der TÜV.
Ein Unternehmen in der Größe von Adlers Betrieb – ein Taxi mit fünf Fahrern – kommt demnach im Monat auf Treibstoffkosten von rund 1000 Euro, zusätzlich muss die Versicherung von 300 Euro gezahlt werden, mehr als 3000 Euro gehen als Lohnkosten ab. Wenn ein mittelgroßer Taxiunternehmer am Ende 1000 Euro rausbekommt“, sagt der Geschäftsführer der Taxi-Vereinigung Thomas Schmidt, kann er schon zufrieden sein“.
Und so sind die Taxiunternehmer und -fahrer nach den Worten Adlers dringend angewiesen auf die Tariferhöhung. Die von Ordnungsdezernent Volker Stein (FDP) angestoßene Diskussion geht seiner Ansicht nach in die falsche Richtung. Es werde suggeriert, dass ein Großteil der Fahrer kein Deutsch spreche und sich in der Stadt nicht auskenne. Tatsächlich aber seien diese schwarzen Schafe“ nur eine Minderheit. Wenn deswegen eine Tariferhöhung kategorisch ausgeschlossen werde, würden auch jene Unternehmen bestraft, bei denen der Kundenservice an erster Stelle stehe. Und davon gibt es laut Adler viele in der Stadt. Er selbst achte auf Qualität, wie er sagt. Anders könne man sich als Kleinunternehmen gar nicht behaupten.
Wir leben größtenteils von Messegästen und Touristen
Unter anderem seien bei ihm ein Kindergärtner und ein Geologie-Student angestellt, die außer ihrer Muttersprache Deutsch auch Englisch und Französisch sprächen. Anders sei es bei den Großbetrieben. Die haben dann oft keine Möglichkeit, sich ihre Fahrer auszusuchen. Die müssen nehmen, was der Markt hergibt.“ Und genau dort, sagt Thomas Schmidt von der Taxi-Vereinigung, läuft einiges schief. Die Prüfung für den Personenbeförderungsschein sei viel zu lax“ geregelt. Es ist schon verwunderlich, wer dort alles besteht.“
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) aber, die die Prüfung zum Personenbeförderungsschein abnimmt, hält die Anforderungen für hoch genug. Interessenten könnten die Stoffliste“ für den sogenannte Ortskenntnistest für 25 Euro erwerben. In der 50 Seiten umfassenden Broschüre sind die Namen aller Frankfurter Stadt- und Ortsteile sowie wichtige Straßen und Plätze aufgelistet. Zudem beinhaltet die Liste wichtige Unternehmen sowie kulturelle und touristische Ziele wie Museen oder den Römerberg. Als Vermerk steht in der Einleitung: Der Prüfling muss die aufgeführten Ziele kennen, diese im Straßennetz finden und eine Anfahrt von einem vorgegebenen Startpunkt festlegen können.“ Die Fragen würden als Multiple Choice oder als offene Fragen gestellt und müssten je nach Fragestellung mit und ohne Hilfe eines Stadtplanes beantwortet werden“.
Und so wehren sich auch die Taxifahrer selbst gegen die Kritik und verteidigen ihre Forderungen nach einem besseren Verdienst. Ich stehe manchmal vier Stunden lang rum“, sagt Bruno Oswald, der seit mehr als zwanzig Jahren Taxi fährt. Einfach so. Dann steigt ein Fahrgast ein, sagt nicht mal Guten Abend und lässt sich drei Kilometer fahren. Zwischendurch nörgelt er noch, dass das nicht schnell genug geht. Ich verdiene acht Euro an der Fahrt. Und am Monatsende habe ich gerade einmal ein paar hundert Euro zum Leben.“ Im Jahr 2000 habe es den großen Boom“ gegeben. Da seien die Banker in der Stadt nur mit dem Taxi gefahren. Heute hätten sie ihren eigenen privaten Chauffeurservice – eine neu entstandene Konkurrenz. Wir leben größtenteils von Messegästen und Touristen“, sagt Oswald. Und bieten heute entgegen aller Behauptungen sogar mehr Service an. Vor zehn Jahren hätte nämlich kein Taxifahrer die Tür für den Kunden aufgehalten.“
Homeoffice in Praunheim
Sven Adler hofft, dass die Diskussion über die Qualität der Taxibranche bald beendet sein wird, denn seiner Ansicht nach lenkt sie vom eigentlichen Thema – dass die Taxifahrer von den derzeitigen Tarifen nicht mehr leben könnten – ab. Am Ende, sagt er, hätten es die Kunden doch selbst in der Hand. Wenn die Qualität nicht stimmt, dann steige ich eben wieder aus und beim nächsten Taxi ein. Das ist das Recht eines jeden Fahrgastes.“
Derzeit arbeitet Adler an einem neuen Geschäftskonzept, er will sich mit anderen kleinen Taxiunternehmen zusammenzutun. Er hat Flugblätter und Visitenkarten drucken lassen, auf denen er Werbung für diesen Zusammenschluss macht. Engagierte Frankfurter Taxi-Unternehmer und Fahrer, von denen Sie die Dienstleistung ,Taxi‘ so abrufen können, wie Sie es erwarten“, steht auf dem Flugblatt. Das Ziel sei ein erstklassiger Kundendienst“. Das alles organisiert Adler vom Wohnzimmer aus, in seinem Homeoffice“ in Praunheim. Nebenbei passt er auf seine Kinder auf und füttert die Katze. Denn dafür hat seine Frau als Hauptverdienerin ja keine Zeit.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Henning Bode