Von Rainer Schulze
26. April 2008 Knapp zwei Kilometer darf Frankfurt in den nächsten Jahren in den Himmel wachsen. So hoch wären aufeinandergestellt die 22 neuen Wohn- und Geschäftstürme, die an 15 Standorten im Stadtgebiet gebaut werden dürfen. Festgeschrieben sind diese Zahlen im Hochhausentwicklungsplan, der nun vorgestellt wurde.
Alle Standorte zusammengefasst, können in den Hochbauten 750.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche entstehen, abzüglich der Flächen, die für die Türme weichen müssen. Verglichen mit dem vor einem Jahr veröffentlichten Entwurf des Stadtplaners Jochem Jourdan sind die Türme nach der Abstimmung in der Römerkoalition und der Prüfung durch die zuständigen Ämter aber stark geschrumpft: Die Skyline bekommt demnach einige hundert Meter weniger Zuwachs als ursprünglich geplant.
Wohnturm auf dem Campus Bockenheim geplant
Die empfindlichsten Kürzungen, die durch eine Indiskretion gegenüber der F.A.Z. schon vor einer Woche öffentlich geworden waren, sind jetzt bestätigt: Bei dem als Campanile bekannten Projekt südlich des Hauptbahnhofs ist bei hundert Metern Schluss, der Allianz-Turm an der Taunusanlage darf nur 60 Meter wachsen, damit sein Schatten nicht auf den Opernplatz fällt. Und dem Wunsch der DZ-Bank, am Platz der Republik einen dritten, bis zu 210 Meter hohen Turm zu bauen, soll nicht entsprochen werden. Dieser Plan sei politisch nicht durchsetzbar“, da eine Verschattung des Westends befürchtet werde, sagte Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU). Derzeit sei der Plan vollkommen vom Tisch. Was in zwei Jahren ist, weiß man nicht.“ Der Campanile darf nicht höher werden, weil sich Schwarz offenbar nicht gegen die Bedenken des grünen Koalitionspartners durchsetzen konnte.
Mit vier Wohntürmen will die Stadt das Wohnen in der Höhe fördern. Geplant sind nach den Angaben von Planungsamtsleiter Dieter von Lüpke allerdings keine Bauten, wie sie in den fünfziger Jahren als Ausrufezeichen des sozialen Wohnungsbaus“ am Stadtrand entstanden. Die Wohntürme in der Innenstadt zielten auf eine andere Klientel. Die Nachfrage ist noch nicht konkret erkennbar, wir halten es aber städtebaulich für sinnvoll“, sagte Lüpke. Neben einem 70 Meter hohen Wohnturm auf dem Campus Bockenheim, dessen Gelände formal mit drei 70 bis 140 Meter hohen Turmprojekten in den Plan aufgenommen wurde, sollen an der Stiftstraße zwei 60 Meter hohe Türme entstehen. Auch der auf 60 Meter begrenzte Allianz-Turm soll nur unter der Vorgabe gebaut werden dürfen, dass hier maßgeblich Wohnungen entstehen.
Höchster Neubau soll ein bis zu 210 Meter messender Turm auf der Marieninsel an der Ecke von Taunusanlage und Mainzer Landstraße werden. Er ist fast als einziges von ursprünglich sechs fernwirksam, also höher als 130 Meter geplanten Hochhäusern übrig geblieben. Das nächsthöchste Projekt ist das Poseidon-Haus mit 140 Metern, gefolgt von einem 120 Meter hohen Gebäude neben der Matthäuskirche, die weitgehend erhalten werden soll, und einem 110 Meter hohen Turm auf dem Post-Areal.
Lange Beratungszeit in der Koalition
Jourdan hatte ursprünglich drei in etwa gleich hohe Gebäude an dieser Stelle vorgesehen. Nördlich der Festhalle ist ein 60 Meter hoher Büroturm geplant. Für ein 60 Meter hohes Gebäude an der Osthafenmole soll schon ein Investor, der dort ein Hotel bauen möchte, sein Interesse bekundet haben.
Die Stadt sei der bisherigen Strategie der Pulkbildung treu geblieben, sagte Schwarz. Für die Aufnahme in den Plan seien ferner folgende Kriterien ausschlaggebend gewesen: Distanz zu Wohnquartieren, hervorragende Verkehrsanbindung und ökologische Unbedenklichkeit. Mit der Aufnahme in den Plan sei kein Baurecht verbunden. Dieses soll nur erteilt werden, wenn Investoren konkretes Interesse zeigten. Städtebauliche Verträge sollen sichern, dass Bauherren einen Wohnanteil von mindestens 30 Prozent der Bruttogeschossfläche einplanen. Dieser muss nicht in den Gebäuden, sondern kann auch in der näheren Umgebung entstehen. Bei mehr als 60 Meter hohen Häusern sollen städtebauliche Wettbewerbe die Qualität der Architektur sichern.
Dass sich die Veröffentlichung des Plans lange verzögert hat, schiebt Schwarz auf die lange Beratungszeit in der Koalition. Der Magistrat wird voraussichtlich im Mai der Vorlage zustimmen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Claus Setzer
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