Mode

Verknappung veredelt

Von Dorothea Friedrich

Auf Tour: Brenninkmeijer (re.) und Partner Jochem Hendricks

Auf Tour: Brenninkmeijer (re.) und Partner Jochem Hendricks

27. April 2007 Wer zu spät kommt, den bestraft Alexander Brenninkmeijer. Wer also Mode seines Labels Clemens en August tragen will, sollte sich sputen, denn die künstliche Verknappung seines Produkts gehört bei Modemacher Brenninkmeijer zur Strategie. So ist Clemens en August nur noch für zwei Tage in Frankfurt in der Galerie „Designffm“ an der Hohenstaufenstraße zu Gast und zu kaufen.

Zweimal im Jahr geht Brenninkmeijer mit seiner Kollektion auf Wanderschaft. Ganz wie einst die Gründerväter von C&A, Clemens und August mit Vornamen, nach denen der Designer, ehemals Mitglied des Familienunternehmens, seine eigene Mode-Linie benannt hat. Doch Brenninkmeijers Verkaufsfahrten und Zwischenstopps gestalten sich um einiges edler als die mühselige Wanderschaft seiner westfälischen Vorfahren, die einst mit schweren Stoffballen beladen zu Fuß Hunderte von Kilometern zurücklegten. In Frankfurt also Station bei Designffm, dem Vintage-Möbelladen von Jochem Hendricks und Frank Landau, wo zwischen Liege und Barcelona-Chair Mies van der Rohes und Charles Eames’ Loungechair die Kollektion des agilen Unternehmers gut zur Geltung kommt.

Unterkühlt-raffinierter Chic

Nach seinem Ausstieg bei C&A vor zwölf Jahren tat sich Brenninkmeijer mit Kostas Murkudis und anderen Schülern Helmut Langs zusammen, was der Kollektion noch heute anzumerken ist. Brenninkmeijer hört das nicht ungern. Doch dann ging Murkudis unvermittelt nach Berlin, Brenninkmeijer, seine Frau Micheline, Chefdesignerin Birgit Rehm und andere blieben in München. Man beschloss, mit derselben Begeisterung, aber mit neuer Strategie weiterzumachen. Kein Verkauf mehr an und durch sündhaft teure Boutiquen, in deren horrenden Preisen man sich nicht wiedererkannte, sondern eben jener Wanderverkauf, der Clemens en August durch zwölf europäische Städte führt: neben Frankfurt, Berlin, München und Wien unter anderen auch nach London, Kopenhagen und Stockholm.

Clemens en August bietet für Frauen und Männer Mode von unterkühlt-raffiniertem Chic, den gerade die männlichen Kunden so liebgewonnen haben, dass sie oft mehrere Teile auf einmal kaufen. Beim Umsatz macht daher die Männermode erstaunliche knappe 50 Prozent des Umsatzes aus.

Die Begeisterung ist begreiflich, wenn man die leichten, ungefütterten Sommerjacketts in der Hand hält, deren Nähte so ästhetisch anmuten, dass die sonst oft so unansehnliche Innenseite ohne weiteres vorzeigbar ist. Brenninkmeijer selbst trägt nur Clemens en August, diesmal seine Lieblingsjeans, die im Gegensatz zur branchenüblichen Bepflasterung kein äußerlich sichtbares Etikett trägt. Erst beim Aufknöpfen der Hose werde der Besitzer mit dem dezenten Schriftzug an der inneren Knopfleiste an ihre Herkunft erinnert, grinst Brenninkmeijer. Besonders gut verkaufen sich seine Hemden mit verdeckter Knopfleiste und die Mäntel sowieso, die ihm noch wichtiger sind als die Jacken, deren Länge manchmal ein Problem sein kann.

Farben des Sommers: Weiß, Beige, Grau und Schwarz

Die Frauenmode funktioniert nach denselben Regeln, unauffällig edel. Erst dem zweiten Blick erschließen sich kleine Extravaganzen, wenn bei den Trenchcoats, aber auch bei manchem Blazer oder T-Shirt zum Beispiel der Gürtel in allen vorstellbaren Variationen getragen wird, Raffungen am Rücken betont oder auch glattgestrichen werden können, ganz wie die Kundin es will. Originell und effektvoll: das Möbiusband, das Brenninkmeijer demonstriert.

Neu bei dieser Kollektion ist die individuelle Anprobe eines Kleids mit kleinen Pailletten und sündhaft tiefem Rückenausschnitt, das dann zugeschickt wird. „Schon fast Haute Couture“, sagt Brenninkmeijer, der sich den Spaß macht, seine Kleidungsstücke mit zweierlei Preisen auszuzeichnen: dem mehr als doppelt so hohen Preis inklusive virtueller Miet- und Werbekosten – so eben, als werde auf die klassische Art verkauft – und dem tatsächlichen. Bei den Jacken sind das 250 Euro, die dazugehörenden Hosen kosten etwa 130 Euro. Die Farben des Sommers: viel Weiß, Beige, Grau und Schwarz in Uni mit nur wenigen blumigen Ausreißern bei den Kleidern.

Wer übrigens die Website von Clemens en August aufruft und frohlockend meint, mit einem Klick online bestellen zu können, wird herb enttäuscht: Zugang nur für Kunden, die – beim Saisonverkauf körperlich anwesend – eine Codenummer erhalten haben. Sie können so auf ersehnte Restbestände aus anderen Städten hoffen. In Frankfurt musste man feststellen, dass die Hamburger, die schon in der vergangenen Woche bedient worden sind, tatsächlich sehr für Blau schwärmen, wie Brenninkmeijer beobachtet hat. Die begehrte blaue Nadelstreifenhose gab es gestern jedenfalls nur noch in Modelgröße, sogar bevor pünktlich um 11 Uhr die ersten jungen Frauen, offenbar Kennerinnen, denen die gierige Vorfreude ins Gesicht geschrieben stand, überhaupt Einlass fanden.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Nedden

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