12. September 2004 Das Sozialdrama Vera Drake des britischen Regisseurs Mike Leigh hat beim Filmfestival in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen. Der Film spielt im London der 50er Jahre und handelt von einer unauffälligen Hausfrau, die heimlich Abtreibungen vornimmt. Den Silbernen Löwen erhielt der spanischen Film Mar adentro (Das Meer im Inneren) von Alejandro Amenabar. Wim Wenders' Amerika-Studie Land of Plenty ging leer aus. Den Kurzfilmwettbewerb gewann ein Beitrag aus Deutschland: Goodbye von der Kölner Produktionsfirma Rosebud Films.
Leigh bedankte sich im Fenice-Theater für die Auszeichnung: In einer zynischen Welt ist es eine wunderbare Sache und äußerst beruhigend, wenn ernsthafte, unabhängige, europäische Filme mit einem kleinen Budget auf diese Weise anerkannt und ermutigt werden. Die Darstellerin der Titelheldin Vera Drake, Imelda Staunton, wurde als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Sie schwärmte: Mike Leigh ist ein Genie. Den Preis für den besten männlichen Darsteller erhielt der Spanier Javier Bardem. Er spielt in Mar adentro einen querschnittsgelähmten Mann, der sein Leben beenden will und für die Legalisierung der Sterbehilfe kämpft. Der Film galt als Favorit für den Goldenen Löwen.
Der Silberne Löwe für die Sparte Regie ging an den Koreaner Kim Ki Duk für Bin jip. Die neunköpfige Jury unter Vorsitz des britischen Regisseurs John Boorman hatte im Hauptwettbewerb über 22 Filme zu entscheiden. Für ihr Lebenswerk wurden außerdem der Ko-Regisseur von Singin' in the Rain, Stanley Donen, sowie der portugiesische Altmeister Manoel de Oliveira ausgezeichnet. Nach der Ehrung tanzte Donen über die Bühne, angespornt von Sophia Loren.
Im Rückblick auf das elftägige Festival monierten Kritiker, es sei schwächer als früher besetzt gewesen. Auch kam es immer wieder zu Pannen. Bei der Preisverleihung herrschte zeitweise Konfusion. Beim Beginn von Al Pacino's Film The Merchant of Venice war das Kino überfüllt, Pacino bekam keinen Platz mehr. Glanz verbreiteten aber Hollywood-Stars wie Steven Spielberg, Tom Hanks, Nicole Kidman, John Travolta oder Robert De Niro. Die Biennale gilt neben Cannes und Berlin als das bedeutendste Festival der Welt.
Text: AP
Bildmaterial: dpa/dpaweb