14. Februar 2008 Der Bollywood-Schauspieler Shah Rukh Khan ist mit seinem Liebesfilm Om Shanti Om" einer der Stars auf der Berlinale. Im Gespräch erklärt er, warum Schauspielen für ihn eine spirituelle Übung ist.
Wie kann man in der Filmwelt, in der Schönheit geradezu fließbandartig produziert wird, Schönheit und Kreativität unter einen Hut bringen?
Das ist schwierig. Einerseits muss man professionell sein, andererseits besteht die Gefahr der Mechanisierung. Schönheit entsteht, wenn sie nicht perfekt ist. Perfektion ist nicht schön. Wenn es eine Narbe, eine kleine Bruchstelle irgendwo im Leben gibt, ist das gut. Es muss etwas geben, was nicht perfekt ist, dann ist es vollkommen. Ich versuche in meiner Arbeit diesen Ansatz zu verfolgen. Ich lasse alles laufen. Es könnte immer besser sein, aber besser killt gut.
Viele Menschen halten Sie für schön - und für perfekt.
Ich sehe mich nicht so. Aber vielleicht ist genau das der Grund, warum die Menschen denken, ich sei schön.
Als Star bekommen Sie auch schlechte Reaktionen.
Mir ist so viel gegeben worden, dass ich manchmal denke: Vielleicht verdiene ich das nicht! Aber wenn man feststellt, dass eine höhere Macht, Gott, Allah oder wie immer Sie ihn nennen möchten, einem so viel gegeben hat, dann hören Sie auf, die negativen Seiten zu betrachten. Wenn ich Gutes und Schlechtes in meinem Leben nebeneinanderstellen müsste, dann würde das Gute haushoch überragen. Wenn Sie etwas Gutes über mich sagen, dann, weil Sie gut sind. Wenn Sie etwas Schlechtes über mich sagen, dann, weil Sie es sind. Ich muss so sein, wie ich bin.
Wie äußert sich das in Ihrem Schauspiel?
Ich bin ein selbstbewusster Schauspieler und von meinem Talent überzeugt. Manchmal kommt es vor, dass die Leute sagen: Sie sind ja wie zwei verschiedene Personen. Im realen Leben bin ich bescheiden, aber mein Beruf erfordert, dass ich darin selbstbewusst bin.
Sind das die Regeln des Filmgeschäfts?
Nein, ich war schon immer so. Man dachte, ich sei arrogant, und fragte mich: Bist du ein guter Schauspieler? Ich sagte: Nein, ich bin der beste. Ich wache jeden Morgen mit diesem Gedanken auf, und vielleicht bin ich am Ende der Drittbeste. Das ist nicht Arroganz, es ist eine Art Motivation für mich. Bevor ich zur Berlinale kam, habe ich gedacht: Ich muss daran glauben, dass mich die Menschen dort lieben.
Und?
Ja, sie lieben mich.
Wie gehen Sie mit Niederlagen oder schlechten Erfahrungen um?
In schwachen Momenten werde ich still. Wenn man gegen eine Mauer rennt, dann sollte man einen Schritt zurückgehen und warten, bis sie fällt. In meinem Film Om Shanti Om lautet ein Zitat: Am Ende wird alles gut sein. Das ist meine Philosophie.
Sie sagen, Sie seien kein guter Schauspieler. Dabei sind Sie der einzige unter Ihren Kollegen, der sechs Jahre Schauspielunterricht hatte.
Ich meine damit nicht, dass ich nicht wüsste, wie man spielt. Wenn ich sage, dass ich spiele, setze ich diese Arbeit herab. Ich bin stolz, ein Schauspieler zu sein, aber wenn ich liebe, was ich tue, kann ich nicht sagen: Das war alles nur gespielt. Sie lieben jemanden, und eines Tages sagt er zu Ihnen: Das war alles nur gespielt. Das kann Ihnen das Herz brechen. Ich bin schon lange kein guter Schauspieler mehr.
Klingt verwirrend.
Das sehe ich nicht so. Ich spiele Ihnen nie etwas vor. Manche sagen: Das ist doch nur ein Job. Ja, das ist es. Aber ich stehe nicht mehr vor einer Kamera, um zu spielen. Ich möchte Teil Ihres Lebens sein. Wenn Sie mich weinen sehen, und Sie haben mit mir geweint, dann habe ich Ihnen nichts vorgemacht, ich habe auch wirklich geweint. In den letzten fünf Jahren kam es vor, dass Mitarbeiter am Set mitlachten oder auch weinten. Wir mussten zwei Kameraleute bei Wer wird Millionär? entlassen, weil Sie die Kamera nicht im Griff hatten, da sie dauernd über meine Witze lachten. Ich fühle es, ich spiele nicht mehr. Spielen ist eine Lüge. Ich lüge nicht mehr.
Sie sind dann also diese Person, die Sie darstellen?
Genau. Ich sage das in dem Dokumentarfilm von Nasreen Kabir: Für mich ist es spirituell geworden. Ich glaube daran, dass Gott mich dafür geschaffen hat. Der Sinn meines Lebens ist, dass ich viele Menschen dazu bringe, Liebe zu fühlen. Versuchen Sie es nicht zu analysieren, lassen Sie Ihre Vernunft weg, fühlen Sie es.
Sie sagten auch, dass Sie damit die Trauer um Ihre Eltern bewältigen. Hat sich das verändert?
Ja. Anstelle ihrer Liebe habe ich nun die Liebe meiner Kinder. Eltern sind unersetzlich. Ich fühle, dass meine Eltern von oben herabschauen. Ich sehe immer ihre Gesichter, die lächeln, und so lange sie das tun, weiß ich, dass das Publikum mich lieben wird.
Die Fragen stellte Fatma Sagir.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, Cinetext Bildarchiv, Cinetext/Distler, ddp, rem/Cinetext
