Robert Hübner: am Brett frisch und wach

Robert Hübner wird 60

„Die Fehlersuche ist die Essenz des Schachspiels“

Robert Hübner, bis Mitte der 90er-Jahre Deutschlands bester Schachspieler, wollte sich eigentlich nur zehn Jahre seines Lebens mit Schach beschäftigen. Heute, an seinem 60. Geburtstag, hat er das Gefühl, dass die Spieler selbst hin und hergeschubst werden.

Lesermeinungen zum Beitrag

06. November 2008 19:52

Nachtrag

Teoman Bressel (Bressel)

Gesetzmässigkeiten wurden im Schach ausgearbeitet, die aber nur solange gültig waren, wie sie Konkurrenz durch andere Ansätze nicht zu fürchten hatten. Man denke an Nimzowitsch und auch die späte Neuformulierung bzw. Prüfung Nimzowitschs durch Watson. Dies ist der typische Prozess der Wissenschaften, in dem im Laufe von Jahrzehnten und Jahrhunderten kaum ein Stein auf dem anderen stehengeblieben ist. Hübners Sichtweise impliziert, dass Schach ein Spiel "in Reinform" ist, losgelöst von Launen, Meinungen, Perspektiven und historischen Begebenheiten. Warum wurde Nimzowitsch so schief angesehen? Nicht, weil er der "Wahrheit" näher war als Tarrasch, sondern weil er deutlich von dem abwich, was damals als "wahr" galt. Und heute ist es Nimzowitsch, der, etwa bezüglich der Eröffnungstheorie, deutlich von dem abweicht, was vielleicht nicht mehr als "wahr", aber als im pragmatischen Sinne "bester" Weg gilt - bis die Variante widerlegt wird oder außer Mode kommt. Dr. Hübners Zitat behauptet, dass Schach "immer nur" eine Suche nach dem einen, richtigen Zug sein kann, entkleidet von allem, was nicht nach rein logischen Kriterien funktioniert. Idealtypus dieser Sichtweise ist insofern der Computer, und nicht mehr der Mensch.

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06. November 2008 17:11

die alte Schule

Teoman Bressel (Bressel)

Dr.Hübner ist "Philologe", ein Freund des Wortes. "Logos" lässt sich in anderen Kontexten auch mit "Satz", "Lehre" oder auch "Logik" übersetzen. Und ein Freund der Logik scheint er durchaus zu sein, sagt er doch: "Für die Ausprägung einer persönlich gefärbten Formgebung, dies ist ja wohl die Bedeutung des Wortes Stil, sehe ich keinen Raum." Die typische Perspektive der guten alten Schachschule. Aber die Beschäftigung mit Großmeisterpartien lehrt, dass es gerade der persönliche Stil, die aus unklarem Kalkül heraus gespielten Züge in jeweiligen Erfahrungshorizonten waren, die die Qualität dieser Partien erklären. Auch, wenn Hübner solche Vergleiche offenbar für unzulässig hält: Der Schachspieler sucht nach dem richtigen Weg ähnlich wie der Tennisspieler, und wie gut oder schlecht er sich dabei anstellt, beantworten Ergebnisse und höchstens nachträgliche Analysen (beim Tennis vielleicht noch die Zuschauer, aber gut, jeder Vergleich "hinkt" irgendwann). Das Spiel selbst ist stumm: In ihm liegen keine wahren Aussagen verborgen, die man deduktiv oder induktiv zu Tage fördern könnte. Jede Epoche hat je ihre Perspektiven und Herangehensweisen hervorgebracht und, schlimmstenfalls, zum Gesetz erhoben. Dr.Hübners Aussage ist da beispielhaft.

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