Schach

Kramnik gewinnt Tiebreak und WM-Titel

Meister aller Klassen: Wladimir Kramnik

Meister aller Klassen: Wladimir Kramnik

13. Oktober 2006 Der Gewinn des Weltmeistertitels macht Großmeister Wladimir Kramnik zum erfolgreichsten Schachspieler der Gegenwart. Nach seinem mit 500.000 Dollar belohnten Sieg über den Bulgaren Weselin Topalow zeigte sich der 31jährige Moskauer sichtlich erleichtert. „Ich bin sehr froh, daß die Schachkrone in Russland bleibt. Dieser Triumph ist für mich vergleichbar mit dem Sieg über Garri Kasparow vor sechs Jahren in London“, kommentierte der neue Champion aller Klassen seinen WM-Sieg in Elista.

Kramnik hatte das nervenaufreibende Duell gegen Topalow in einem spannenden Tiebreak-Finale für sich entscheiden. Nach einem 6:6 in den Partien mit normaler Bedenkzeit bezwang Kramnik seinen Rivalen im Schnellschach 2,5:1,5. Das Resultat gewinnt noch mehr an Gewicht, weil der Weltmeister die fünfte Partie kampflos verloren hatte. Experten und Öffentlichkeit zeigten sich erfreut darüber, daß das Duell zur Vereinigung der Schachwelt sportlich entschieden wurde.

Besseren Nerven entschieden

Drei Wochen lang hatte neben den Partien auch die Toilettenaffäre von Elista für Schlagzeilen gesorgt (Siehe auch: Schach: Krach ums stille Örtchen). Durch den Eklat verlor Kramnik einen Punkt am Grünen Tisch. Der Sohn eines Bildhauers und einer Pianistin aus Rußland spielte nach der umstrittenen Entscheidung nur unter Protest weiter. Hätte er den Zweikampf gegen den bisherigen FIDE-Weltmeister Topalow verloren, wäre ein Gang vor den internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne wahrscheinlich gewesen. Weil beide Spieler schachlich ebenbürtig waren, gaben am Ende die größere Erfahrung Kramniks und seine besseren Nerven in einem Herzschlagfinale den Ausschlag. Er hatte sich nach längerer Krankheit rechtzeitig vor dem Vereinigungsmatch wieder in Form gebracht.

Nach dem Gewinn der WM-Krone ist Kramnik jetzt einziger Schach-Champion und reiht sich in die klassische Linie der Weltmeister ein, die 1886 mit Wilhelm Steinitz begann. Zu den Siegern des Duells in der südrussischen Steppe zählt auch Kramnik-Manager Carsten Hensel aus Dortmund. Er leistete am Rande des Geschehens mit mehreren Protestnoten und Offenen Briefen an Weltverbandspräsident Kirsan Iljumschinow (Rußland) Hilfestellung. Kramnik dankte seinem Team ausdrücklich für die große Unterstützung.

Nach einer Erholungspause wartet vom 25. November an in Bonn die nächste Herausforderung auf den Weltmeister. Gegen das Hamburger Schachprogramm „Deep Fritz“ will Kramnik in einem Sechs-Partien-Match das Duell „Mensch gegen Maschine“ neu beleben. Auch dort beträgt die Gesamtbörse wie in Elista eine Million Dollar.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: picture-alliance / dpa

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