Unesco

Kölner Dom bald kein Welterbe mehr?

Von Andreas Rossmann

17. Mai 2005 Die Entscheidung wird erst Mitte Juli in Durban fallen. Auf ihrer Jahrestagung in Südafrika wird die Unesco darüber abstimmen, ob der Kölner Dom von der Welterbeliste gestrichen oder womöglich für ein weiteres Jahr der Verhandlungen auf der „roten Liste“ der gefährdeten Stätten verbleiben wird, auf die er im Sommer 2004 gesetzt wurde.

Dennoch war die Konferenz zum „Management historischer Stadtlandschaften“ Ende letzter Woche in Wien für die Kölner Delegation mehr als nur ein Stimmungstest, wurde hier doch Alarmstufe eins ausgerufen und seitens der Unesco deutlich gemacht, daß die angebotenen Zugeständnisse bei der Hochhausplanung auf der rechten Rheinseite nicht ausreichen, um die Aberkennung des Welterbe-Status zu verhindern.

Ungeachtet aller Bedenken

Nachdem die Stadt mit dem 103 Meter hohen und im Rohbau bereits fertiggestellten „LVR-Turm“ vollendete Tatsachen geschaffen hatte, hält sie an einem weiteren Bürogebäude südlich der Bahntrasse, dem 120 Meter hohen „Jahn-Tower“, fest, für das sie, ungeachtet der Bedenken, Planungsrecht erteilt hat. Lediglich zu zwei weiteren Hochhäusern, die nördlich der Bahn projektiert sind, bekundete sie die Bereitschaft, ihr Vorhaben zu überdenken und einen städtebaulichen Wettbewerb auszuschreiben, der auch niedrigere Lösungen zuläßt.

Ebendas hält die Unesco, wie einflußreiche Delegierte, darunter der Direktor des Welterbe-Zentrums, Francesco Bandarin, betonten, für zuwenig: Sie beanstanden den vorhandenen Turm, würden sich aber mit ihm abfinden, wenn keine weiteren hinzutreten. Ihre Position trifft sich mit einer Sichtfeldanalyse, die das NRW-Städtebauministerium beim Institut für Stadt- und Regionalplanung der RWTH Aachen in Auftrag gegeben hat.

Als Stadt-Dominante gefährdet

Anders als ein früheres Gutachten, das die Kommune bestellt hatte, kommt sie zu dem Ergebnis, daß schon das erste Hochhaus den Dom als Stadt-Dominante gefährdet und er diese Stellung durch weitere Türme einbüßen würde. Für die Unesco geht es, wie in mehreren Statements anklang, auch darum, ein Exempel zu statuieren. Ein Einknicken in dem Kölner Konflikt würde nicht nur den Welterbe-Status entwerten, sondern auch verheerende Auswirkungen auf weniger prominente historische Stadtkerne, insbesondere in Osteuropa, zeitigen, die sich der Begehrlichkeiten von Investoren erwehren müssen.

Die anhaltende Dickfelligkeit der Kölner, die Kritik zu unterschätzen, läßt die Blamage wachsen: „Ich kann mir eigentlich gar nichts anderes vorstellen, als daß der Dom Weltkulturerbe bleibt“, machte Oberbürgermeister Fritz Schramma vor der Wiener Konferenz zum wiederholten Male auf Zweckoptimismus. Dabei läßt sich das Thema schon deshalb nicht als Lokalposse abtun, weil nicht die Stadt Köln, sondern die Bundesrepublik Vertragsland der Unesco ist und dabei, da es sich um eine kulturelle Angelegenheit handelt, vom Land vertreten wird.

Beider Repräsentanten sind mit größerem Vorstellungsvermögen gesegnet als das Kölner Stadtoberhaupt und sehen sich nun gefordert, die peinliche Affäre zu beenden. Bereits morgen sollen sie mit Vertretern der Bundesregierung, des Auswärtigen Amtes und der Kultusministerkonferenz zusammentreffen und beraten, wie sie die Stadt, bevor das Ansehen des Landes weiteren Schaden nimmt, zur Raison bringen können.



Text: F.A.Z., 17.05.2005, Nr. 112 / Seite 50
Bildmaterial: dpa/dpaweb

 
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