Jenseits von Anschlägen und Attentaten gibt es auch im Irak einen Alltag, der viel erzählt über das Leben unter extremen Bedingungen. Der Washington-Korrespondent der F.A.Z., Matthias Rüb, hat das Land zwischen Euphrat und Tigris gerade zum dritten Mal bereist - als eingebetteter Reporter im Schutz amerikanischer Truppen. Seine Beobachtungen hat er für FAZ.NET aufgeschrieben.
Nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks Unicef leiden im Irak etwa zwei Millionen Kinder und Jugendliche wegen der anhaltenden Gewalt an Krankheiten und Unterernährung, viele mussten die Schule abbrechen. Die Begegnung mit den Kindern von Bagdad gehört für die amerikanischen Soldaten zu den Lichtblicken ihres Einsatzes.
Wie gewinnt und bewahrt man den Überblick über eine Metropole wie Bagdad und deren sechs bis sieben Millionen Einwohner? Wie macht man im Gewimmel der ethnischen und religiösen Gruppen die Feinde ausfindig, und wie schützt man die Bevölkerung vor ihnen? Daten und Dollars sind ein Teil der Antwort.
Feldpost funktioniert im Irak heute fast nur noch elektronisch: Per Mail und Webcam werden Liebesgrüße überbracht und Familienkrisen gemeistert. Doch auch der Krieg findet im Internet statt - denn der Gegner ist ständig online.
Angesichts der Gewalt im Irak seit der Invasion von 2003 sehnen sich viele Bagdader nach den ruhigen Zeiten der Diktatur. Die Saddam-Nostalgie ist weit verbreitet. Doch die Annahme, es habe damals weniger Verbrechen und Opfer gegeben, ist falsch.
62 Prozent der Amerikaner gelten als tief religiös - daher ist die Rolle von Pfarrern, Priestern, Rabbis und Predigern in den Streitkräften so wichtig. Eric Dean ist Kaplan eines Panzerbataillons und sagt: Es ist hart, aber ich habe es nie bereut.
Amerikaner und Iraker ringen in Bagdad gemeinsam um Sicherheit und Stabilität. Die Waffenbrüder teilen spartanische Unterkünfte und jede Menge Softdrinks. Aber beim Essen wird Unterschiedliches aufgetischt.
Im Krieg und auch danach ist erholsamer Schlaf ein knappes Gut. Dafür entwickeln viele Soldaten erstaunliche Fähigkeiten, buchstäblich jede Sekunde zum Erschöpfungsschlaf zu nutzen - im Dröhnen des Bradley-Panzers oder auf engen Pritschen.