19. Juli 2007 Nach dem Rückzug von ARD und ZDF ist der Privatsender Sat.1 in die Live-Berichterstattung von der Tour de France eingestiegen. Sat.1 erwarb am Donnerstag die Rechte und begann bereits um 15.00 Uhr mit der Übertragung der elften Etappe von Marseille nach Montpellier (Ergebnis siehe: Tour de France: Etappensieg für Robert Hunter). Ich bin sehr froh, dass wir so kurzfristig eines der weltgrößten Sportereignisse zeigen können, sagte Sat.1-Chef Matthias Alberti. Alle, die dem Radsport verbunden sind, haben eine gute Berichterstattung verdient, betonte er.
Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF hatten sich am Mittwoch wegen des Dopingverdachts gegen den T-Mobile-Profi Patrik Sinkewitz von der Live-Berichterstattung zurückgezogen (Siehe auch: Kommentar: Das Fernsehen ist als Dopingrichter ungeeignet). ZDF-Sprecher Alexander Stock schloss am Donnerstag einen Wiedereinstieg in das laufende Rennen aus. Während Sat.1 längere Übertragungen der Tour-Etappen ins Programm nimmt, strahlt N24 täglich ab 19.30 Uhr halbstündige Zusammenfassungen aus. Für Sat.1 kommentierten am Donnerstag der N24-Sportchef Timon Saatmann und der dreifache Radcross-Weltmeister und Mountainbike-Weltcup-Sieger Mike Kluge aus einem Berliner Studio. Von diesem Freitag an will die Sendergruppe dann vor Ort sein.
Politiker kritisieren Einstieg von Sat.1
Die Sendergruppe ProSiebenSat.1 wird definitiv bis zum Ende der Tour übertragen. Damit gibt es kein Zurück mehr für ARD und ZDF, stellte N24-Sprecher Thorsten Pütsch fest. Über den gezahlten Preis wollte ProSiebenSat.1 keine Angaben machen. ZDF-Sprecher Alexander Stock sagte, man habe dem Tour-Veranstalter gestattet, die Rechte für die Live-Übertragungen anderweitig zu vergeben. Dass es so schnell ging, hat uns allerdings überrascht. Es sei aber kein Geld zurück an die Öffentlich-Rechtlichen geflossen, betonte Stock. Entgegen anders lautender Berichte erwäge das ZDF keine Regressansprüche gegenüber der Tour-Organisation ASO. Der Pressesprecher des Bayerischen Rundfunks, Rudi Küffner, betonte, ARD und ZDF seien weiterhin Inhaber der Übertragungsrechte an der Tour 2008, hätten die Option auf eine Übertragung der Tour 2009 aber nicht gezogen.
Mit Unverständnis und harscher Kritik haben die im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien auf die Entscheidung von Sat.1 reagiert. Lediglich FDP-Politiker Parr äußerte sich differenzierter. Er begrüße den Wiedereinstieg des Fernsehens, allerdings nur, wenn die Redaktion kritisch berichte: Ich halte nichts von einem Total-Boykott. Damit schaden wir denjenigen, die für einen Neuanfang stehen.
Wir werden von Fall zu Fall beraten
Die ARD hat nach dem Ausstieg aus der Tour de France noch keine Entscheidung über die Zukunft ihrer Berichterstattung über andere dopinggefährdete Sportarten getroffen. Wir sind uns über die möglichen Folgen unserer Haltung in Sachen Doping durchaus bewusst. Bereits heute aber ein Verdikt über einzelne Sportarten oder gar den Sport insgesamt auszusprechen, wäre verfehlt. Wir werden von Fall zu Fall beraten, die jeweilige Situation bewerten und dann entscheiden, sagte der amtierende ARD-Vorsitzende Thomas Gruber.
Ähnlich äußerte sich WDR-Intendantin Monika Piel, die betonte, es handle sich nicht um eine neue grundsätzliche Vorgehensweise von ARD und ZDF. Anderen Sportarten drohe nicht bei jedem Dopingfall gleich das Fernseh-Aus. Wir müssen jeden Einzelfall bewerten, sagte sie.
Den Senderwechsel hatte die Nachricht von einer positiven Dopingprobe des deutschen T-Mobile-Fahrers Patrik Sinkewitz ausgelöst. Eine Stellungnahme des Fahrers zu seiner positiven A-Probe stand am Donnerstag noch aus. Der Fahrer sei nach seiner Gesichtsoperation noch nicht in der Lage, über sein Testergebnis zu sprechen, sagte T-Mobile-Sprecher Stefan Wagner.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa
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