FAZ.NET-Spezial

Die „Harald Schmidt Show“ wird eingestellt

Von Jörg Thomann

23. Dezember 2003 Das wird ein ganz hartes Jahr: 2004 wird es keine „Harald Schmidt Show“ geben. Der Moderator und Produzent Harald Schmidt lege nach acht Jahren eine Kreativpause ein, teilte die ProSiebenSat.1 Media AG am Montag mit. Sat.1 und Harald Schmidt hätten vereinbart, Gespräche über eine zukünftige Zusammenarbeit zu führen. „Nach acht Jahren, in denen ich ununterbrochen mit der 'Harald Schmidt Show' auf Sendung war, ist es für mich Zeit für eine Bildschirmpause“, sagte Harald Schmidt nach Angaben der ProSiebenSat.1 Media AG.

Doch kommt er überhaupt je zurück zu Sat.1? Der Zeitpunkt der „Pause“ gibt zu denken. Erst am Donnerstag hatte ProSiebenSat.1 seinen verdienten Geschäftsführer Martin Hoffmann entlassen, mit dem Schmidt befreundet ist; seine Sendung am Donnerstag abend bestritt er mit beißendem Spott über den neuen Senderchef, den Schweizer Roger Schawinski. Als eine seiner ersten Amtshandlungen hatte Schawinski Schmidt angerufen, um mit ihm über eine weitere Zusammenarbeit zu reden; der Vertrag des Entertainers läuft zum Jahresende aus.

Widersprüchliche Meldungen

Am Montag morgen hatte es zuerst geheißen, daß Schmidt im Januar eine „zweiwöchige Pause“ einlege; wenig später folgte die Meldung, daß die Sendung im Jahr 2004 nicht fortgesetzt werde. „Wir haben Verständnis für die Entscheidung Harald Schmidts, nach acht Jahren eine Pause einlegen zu wollen, auch wenn wir dies natürlich sehr bedauern“, sagte Urs Rohner, Vorstandsvorsitzender von ProSiebenSat.1.

Schmidt sagte: „Ich habe Sat.1 viel zu verdanken und bleibe dem Sender auch weiterhin sehr verbunden.“ Das klingt schon sehr nach einem endgültigen Abschied von dem Sender, der seinen Freund Hoffmann und auch ihn selbst so brüskiert hatte. Der Image-Verlust von Sat.1 durch den Abgang seines größten Stars wäre gewaltig, schon ein Jahr ohne Schmidt dürfte gewaltige Probleme bereiten. Roger Schawinski dürfte kaum geahnt haben, was für einen schweren Job er antreten würde.

Noch zwei Specials

Schmidts Managerin Sigrid Korbmacher sagte, es werde an diesem Tage keine weiteren Kommentare geben, weder von Schmidt noch von seiner Produktionsfirma Bonito TV. Bei Bonito TV sind knapp 100 Mitarbeiter beschäftigt, die für die Produktion der Late-Night-Show zuständig sind, außerdem die SAT.1-Show „Was guckst Du?“ mit Kaya Yanar herstellen und Harald Schmidts Werbespots.

Die „Harald Schmidt Show“ war am 5. Dezember 1995 erstmals auf Sendung gegangen. Das Format und Harald Schmidt wurden seitdem mit zahlreichen Fernsehpreisen, darunter der Deutsche Fernsehpreis und der Grimme-Preis, ausgezeichnet. Schmidt werde in Sat.1 noch in zwei Specials am 29. Dezember 2003 mit einem Jahresrückblick und am 8. Januar 2004 anläßlich des 20. Geburtstags des Senders zu sehen sein, teilte Sat.1 mit. Die entsprechenden Verträge zwischen Sat.1 und der Produktionsgesellschaft Bonito wurden vor wenigen Tagen unterschrieben.



Text: @jöt
Bildmaterial: Constantin-film, dpa, obs, Sat.1, Sat.1/Juergens

 

Medien

Anke Engelke für Harald Schmidt

Harald Schmidt geht, Anke Engelke kommt. Comedy-Star Engelke wird Nachfolgerin von Talkshow-Moderator Harald Schmidt. Ab dem Frühjahr soll sie viermal wöchentlich auf Sendung gehen.

Harald Schmidt

Er hatte noch etwas vor

Bekenntnisse eines Redakteurs, zum Abschied: So war der frühe Harald Schmidt - nicht bei Sat.1, sondern bei RTL. Von Wilhelm Hindemith

Harald Schmidt

"Er wahrt die Konvention, aber im Detail ist er der Schelm"

Ein Interview mit Gerd Müller-Thomkins, dem Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts, zu Harald Schmidts modischem Auf- und Abtritt.

Harald Schmidt - der Countdown

Wie ein Tritt in die Magengrube

Nur noch acht Sendungen. Inzwischen weiß jeder genau, was er im nächsten Jahr bei Schmidt verpaßt: Erotikmesse Berlin, Kreativpausensondersendung, Boris-Becker-Monat und das Comeback von Harald Juhnke.

Harald Schmidt - der Countdown

Der Verfall ist unverkennbar

Harald Schmidts Sendung vom Mittwoch abend machte deutlich, warum seine Show bei ARD und ZDF nie funktionieren würde. Außerdem klärte Schmidt die Frage, was es mit einem Geheimfoto vom Berliner Ensemble auf sich hat.

Harald Schmidt

Noch nie war er so gut wie heute

Geschichten und Legenden ranken sich schon um die Gründe für Harald Schmidts Rückzug und seinen künftigen Arbeitgeber. Doch wo man auch hinhört, selbst dort, wo man laut ruft: Es läuft noch nichts.

Fernsehen

Harald Schmidt weiter bei Sat.1 - als Konserve

„Die gigantische Reaktion“ auf Harald Schmidts Rückzug ist Anlaß für Sat.1, „seine legendären Sendungen noch einmal auszustrahlen“, so Geschäftsführer Schawinski. Einen Nachfolger noch in diesem Jahr zu finden, glaubt er nicht.

Sat.1

Die verzweifelte Suche nach einer neuen Late-Night-Show

Harald Schmidt soll so rasch wie möglich ersetzt werden. Doch wer sich David Letterman oder Jay Leno zum Vorbild nimmt, wie es jetzt Sat.1 tut, sollte wissen, daß er keinen Schritt nach vorn macht, sondern einen zurück geht.

Wellenreiter

Nächste 'altestelle 'auptbahn'of

Was wird nun, wo der Fixstern Schmidt bald erloschen ist, aus all den kleinen Sternchen, die ihn umkreisten und sich in seinem Licht wärmten? Wir beleuchten die Perspektiven von Andrack und den anderen.

Comic

„Strizz“ und Harald Schmidt

Auch „Strizz“, der von Volker Reiche gezeichnete Comic-Held von FAZ.NET und der F.A.Z., trauert um Harald Schmidt. Sein Chef gibt sich erwartungsgemäß deutlich unsentimentaler.

Harald Schmidts Abschied

Wie es ist, wenn das Denken pausiert

Harald Schmidt zieht sich zurück und hinterläßt ein Publikum, das ratlos, aufgeregt, traurig oder alles zugleich ist. Die Frankfurter Allgemeine sammelte Stimmen zu seinem Abgang.

Best of Harald Schmidt

„Viagra schuf mehr Härtefälle als Rot-Grün“

Lothar Matthäus, George Bush, Schumi, das deutsche Butterbrot: Fast alles und fast jeder wurde von Harald Schmidt in seiner Show schon hochgenommen. Eine Auswahl jener Sprüche, auf die wir ab nächstem Jahr verzichten müssen.

Sat.1

Harald Schmidts Team wird arbeitslos

Nach dem überraschenden Aus für die „Harald Schmidt Show“ plant der Privatsender Sat.1 eine neue Late-Night-Show. Die rund 100 Mitarbeiter von Schmidts Produktionsgesellschaft Bonito TV werden ab 1. Januar trotzdem größtenteils arbeitslos.

Harald Schmidt

Auf die Größe kommt es an

Frühstück bei Schawinskis: Harald Schmidt schmeißt die Brocken hin, und er wirft sie dem Chefs von Pro-Sieben-Sat.1 nicht vor, sondern auf die Füße. Und das aus freien Stücken und mit gutem Grund.

Harald Schmidt

Statt Blumen

In diesem Advent verlöscht ein Glanzlicht. Im Rückblick mutet vor allem sein parodistisches Spiel mit der Augsburger Puppenkiste als prophetisch an: An Fäden wollte sich Harald Schmidt von anderen nicht führen lassen.

Wellenreiter

Harald Schmidts Freundschaftsdienst

Daß Harald Schmidt den Rauswurf seines Freundes Martin Hoffmann bei Sat.1 nicht unkommentiert lassen würde, durfte man erwarten. Wie er Hoffmann dann verabschiedete und seinen neuen Chef begrüßte, das war preisverdächtig.

Fernsehen

Rohners Rache

Mit dem Sat.1-Geschäftsführer Martin Hoffmann, der nun gehen muß, hat Pro-Sieben-Sat.1 eine Symbolfigur geopfert. Es handelt sich um einen Akt der Willkür, um persönliche Dinge, die sich dem rationalen Zugang entziehen.

Fernsehen

Ich esse meine Suppe!

In der 333. Sendung von „alfredissimo!“ kommt es zum Kampf zweier Kochkulturen: Mit einer Kartoffel-Base-Suppe aus seinem Diätprogramm tritt Harald Schmidt gegen Alfred Bioleks Kaninchen an.

Fernsehen

Die Mehlspeise macht's

Markus Peichl, „Beckmann“-Redaktionsleiter, erklärt im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, warum Schweizer und Österreicher das deutsche Fernsehen beherrschen.

FAZ.NET-Buchshop

„Treffen sich zwei“ von Iris Hanika

Zwei Großstadt-Singles treffen sich in Kreuzberg an einem Bartresen. Beide sind jenseits der vierzig und es ist Sommer in Berlin: Nach einem ersten Blick beginnt der Reigen aus Ängsten, Neurosen, zarter Liebe und mißtrauisch beobachteter Leidenschaft ...