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| Für Coole, die kultiviert abhängen wollen: die Seven Bar |
31. Januar 2005
Obwohl Frankfurts Clubs und Wiesbadens Edelbars nicht allzu weit sind, bleiben die Darmstädter am Wochenende gerne zu Haus. Vor allem jüngere Kneipen und Lounges bieten Nachtschwärmern ein erstaunlich urbanes Flair.
Die Betreiber nennen sie - ganz hip - bartaunus", in Darmstadt sagen alle Taunusbar". Mitten im akademiker-lastigen Martinsviertel" haben findige Gastronomen mit Rauchglas, Lederbänkchen und einem beleuchteten Aquarium eine Lounge gebastelt. Man liegt auf goldenen Kissen gebettet, die Füße auf dem Fenstersims. Man mustert die Anzugträger an der Theke und lauscht kichernden Blondinen beim Backgammon-Spiel. Und während der DJ in der Ecke aufdreht, sorgen die Goldfische selbst beim hessischsten Heiner für metropole Gefühle. Und das nicht nur hier.
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| Betondecke, Röhrenhängelampen und Gardinenstores: Das Stella setzt voll und ganz auf die 70er-Jahre-Fangemeinde. |
Hier schlürfen Tussis mit blondierten Strähnchen Cocktails neben nadelgestreiften Mucki-Buden-Gängern.
Das 138.000-Einwohner-Örtchen Darmstadt liegt eingeklemmt zwischen Frankfurt und Wiesbaden - selbst das Rhein-Neckar-Dreieck mit Heidelberg und Mannheim ist nicht allzu weit. Häufig verlieren solche Städte freitags und samstags nachts beinahe so viele Pendler an die benachbarten Ausgehviertel wie wochentags zum Arbeiten kommen. Nicht so in Darmstadt: Für die nachtleben-technische Grundversorgung von Studenten und jungen Urban-Profis finden sich gleich eine Handvoll erlesener Bars und Clubs.
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| Aus der ehemaligen Maschinenhalle ist ein Ort der Kultur geworden: Theater, Lesungen, Ausstellungen und vor allem Konzerte und Club-Events auf zwei Ebenen: die Centralstation |
Der bekannteste Geheimtip der Stadt ist das Stella. Wer Großstadt-Luft schnuppern möchte, schiebt sich durch die unscheinbare Tür direkt an einer hektischen Kreuzung an der Rheinstraße. Über einem Möbelgeschäft haben sieben Freunde Anfang 2004 einen Elektro-Musikschuppen aufgemacht, Riesenterrasse mit Steinplatten inklusive. Progressive Studenten in Pumas und löchrigem T-Shirt latschen lässig die Treppe mit den Funkelaugen hoch. Auch die smarten Erfolgreichen dürfen rein. Mit den langgezogenen, weißen Faltenvorhängen vor dem Schaufenster versprüht das Stella den Charme eines illegalen Spielsalons. Im schummerigen Licht von 70er-Jahre-Stehlampen und einer Diskokugel.
Noch gänzlich unverbraucht gibt sich auch die Seven Bar, keine zehn Gehminuten weiter in der Frankfurter Straße. Hier schlürfen Tussis mit blondierten Strähnchen Cocktails neben nadelgestreiften Mucki-Buden-Gängern. Kultiviertes Abhängen ist angesagt - und Sitzen Pflicht, sagt Sascha hinter der Theke, die sich um die Ecke windet wie in einem versnobten Hotel. Der Afri-Cola-Kühlschrank schummert gemütlich blau, und die Mini-Discokugel tut ihr Bestes, um jeglichen Alkohol überflüssig zu machen.
Auch zum Essen gibt sich Darmstadt urban und edel. Im südlichen Stadtteil Bessungen hat neben dem alten Orangengewächshaus der fürstlichen Residenz das Nobel-Restaurant Orangerie" seinen Sitz. Wer an den großen Lettern vorbei durch den Eingang stolziert und drinnen neben Zigarre paffenden Graumelierten tafelt, kann leicht übermütig werden und Darmstadt zum Nabel der Welt erklären.
Nur unwesentlich bodenständiger geht es im 3Klang" zu. Die Speisekarte gibt sich elitär dürftig in der Auswahl. Doch hat man einmal die Broccoli-Suppe mit Sesam und den Gnocci-Rosenkohl-Auflauf verschlungen, will man nirgendwo anders mehr essen. Den Weg zurück in die Realität ebnet nach dem Essen ein Kölsch vom Faß.
Kann man sich nicht zwischen Restaurant und Bar entscheiden, ist man im Asia de Cuba am Ludwigsplatz bestens aufgehoben. Ein Buddha wacht versonnen über das Problemgespräch zweier in die Jahre Gekommener, und hinter der Glasbrüstung funkeln Strahle-Lämpchen grell in die Gesichter der Extremgestylten. Im ersten Stock geht es kaum weniger feurig zu. Über den schweren Ledersesseln prasselt ein Kaminfeuer auf Mattscheibe, während sich lockere Jeansträger unter Holzdächern in die Karibik träumen.
Wer in Darmstadt etwas auf sich hält, geht zum Tanzen in die Centralstation im Carree. Wo früher riesige Maschinen stampften, legen heute DJ Kemal und DJ Flat Revo auf. Auf dem Platz vor der Halle cruisen Glamour-Schneckchen und Schlabberjeans-Jungs, der Ernst der Party beginnt schon vor dem Eingang. Doch spätestens zum frühen Absacker in einer Martinsviertel-Pinte hat sich die Lage wieder beruhigt. Hip sein ist anstrengend - selbst für metropol geprägte Darmstädter.