08. Dezember 2009

Bergisches Land: Einleben

Typen der Region: Prof. Dr. Eckhard Freise

Von Kerstin Müller



Prof. Dr. Eckhard Freise, "Wer wird Millionär"-Gewinner
12. Mai 2003 
„Ein quicklebendiger Nachzügler mit hohem Innovationspotential.“ - Prof. Dr. Eckhard Freise ist seit seinem Auftritt in „Wer wird Millionär“ kein unbeschriebenes Blatt mehr. Der 59jährige Professor für mittelalterliche Geschichte räumte als erster die Million ab. Seinen Arbeitsplatz an der Bergischen Universität Wuppertal hat er deshalb nicht aufgegeben.

? Ist Wuppertal eine Stadt, in der man gerne arbeitet?

:Innerhalb der bundesdeutschen Hochschullandschaft gehört Wuppertal zwar nicht zu den Orten mit klassischer Universitätstradition, ist dafür aber ein quicklebendiger Nachzügler mit hohem Innovationspotential. Dieses ist erwachsen aus der eigenständigen Vergangenheit der vielen Städte und Dörfer. Ihre unverwechselbare sozialpolitische und religiöse Prägung, dazu ein großes Herz für kulturelle und sportliche Aktivitäten, machen den „Hereingeschmeckten“ immer wieder neugierig auf positive überraschungen in allen bergischen Ecken.

? Sie leben in Münster. Warum die Trennung von Arbeitsplatz und Wohnort?

:Der berufliche und familiäre Spagat hat universitäre Gründe: Meine Frau arbeitet ebenfalls in einem wissenschaftlichen Fulltime-Job, nämlich als Altgermanistin und Sprachwissenschaftlerin an der Uni Münster - sie ist das Standbein, ich bin das Spielbein.

? Was ist für Sie typisch an Wuppertal?

:Kantige Originalität auf allen Gebieten. Man denke jetzt mal nicht an den Neandertaler, sondern an seinen Entdecker Fuhlrott, an den revolutionären Industriellen Friedrich Engels, an den Olympia-Ausgräber Dörpfeld, an Loriot, Horst Tappert...

? Wo verbringt man als Hochschul-Professor seine Mittagspause in Wuppertal?

:Entweder in der Mathe-Kafete bei halben Brötchen und Donauwellen - oder besser noch: in der „Kneipe“; die heißt wirklich so! Gerade für einen Mittelalter-Scholaster gilt ja: „Mihi est propositum in Taberna mori.“

? Und wo als Student?

:Selbstverständlich in der Mensa, die nicht erst Kultstatus hat, seit Harald Schmidt und Rudi Carell sie unlängst als urige Begegnungsstätte alter und junger Entertainer geoutet haben.

? Kann man in Wuppertal gut studieren?

:Gegenüber den Masseninstitutionen besteht der Charme der Bergischen Universität in den nicht hoch genug zu preisenden Vorzügen einer überschaubaren Hochschule mit Campus-Charakter. Gerade in den letzten Jahren sind viele hochqualifizierte Hochschullehrer mit neuen Ideen nach Wuppertal berufen worden. Studierende werden intensiv betreut - wie man es eher von angelsächsischen Universitäten kennt. Besonders zu empfehlen: berufsbezogene Studiengänge in allen Fächern.

? Was gibt es Sehens- und Erlebenswertes in Wuppertal?

:Natürlich die Schwebebahn und das Zooviertel als Landschaftspark - dazu kulturelle Schmankerl wie das Von-der-Heydt-Museum und das Fuhlrott-Museum, Aufführungen in Opernhaus und Schauspielhaus, Pina Bausch und ihr Tanztheater; in der Umgebung das Zisterzienser-Kloster Altenberg, Schloß Burg an der Wupper, der mittelalterliche Stadtkern von Remscheid-Lennep und das Rheinische Industriemuseum Solingen.

? Das Schlau-Bergische Super-Quiz an der Wuppertaler Uni war ein großer Erfolg mit Fortsetzungscharakter. Ist das Bergische Land die neue Wissenshochburg?

:Wie sagte schon der Heilige Firlefanz: „Schau'n mer mal“?! Die Resonanz zeigt, daß leicht ironisch gebrochene Wissensprüfungen mit hohem Lust- und Spaß-Faktor nach wie vor attraktiv sind. Aus dem Jammertal Pisa kommen wir allesamt ja nur heraus, wenn es gelingt, den Jüngeren überzeugend vorzuleben: „Erkenne deine Möglichkeiten“ und „Wissen ist sexy“.

Text: Hochschulanzeiger Nr. 66, 2003
Bildmaterial: Ralf Emmerich