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| Ann Richter und ihr Freund |
14. Oktober 2009
Die Hauptstadt Baden-Württembergs ist auch Zentrum für Kultur und Kunst. Künftige Maler, Schauspieler und Musiker bereiten sich an der Uni auf ihre Zukunft vor. Derweil lassen sie sich von der Kulturszene Stuttgarts inspirieren.
Wer Mathias Vogt nach seinem Lieblingsort in Stuttgart fragt, bekommt die Antwort prompt. Am liebsten ist der 27-Jährige abends in der Kiste, einer kleinen Jazzbar in der Hauptstätter Straße. Die Kiste ist eine Institution, schwärmt Vogt. Da gibt es jeden Abend Live-Musik. Die Atmosphäre ist unheimlich kreativ. Vogt weiß, wovon er spricht: Seit 2004 studiert er in Stuttgart Musik, auf Lehramt. Als Achtjähriger hat er mit dem Klavierspielen begonnen, in der Uni gelernt, Trompete zu spielen und zu singen. Mit seinen musischen Interessen fühlt sich Vogt in der Schwaben-Metropole bestens aufgehoben: Stuttgart ist eine der größten Kulturstädte Deutschlands, ist er überzeugt.
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| Mathias Vogt |
Da ist was dran: Allein um den Schlossplatz in der Innenstadt gruppieren sich das Württembergische Landesmuseum, Kunstmuseum und fünf weitere Museen mit kunst- und kulturhistorischen Sammlungen. Hinzu kommen 45 Bühnen, darunter das Staatstheater, die Staatsoper, das Stuttgarter Ballett, Musicals und Musikfestivals. Kunstinteressierte gehen in die Staatsgalerie, ins Künstlerhaus oder in die mehr als 30 Galerien der Stadt. Für den Kulturnachwuchs gibt es also ausreichend Möglichkeiten, sich abseits des Uni-Alltags inspirieren zu lassen.
Beste Voraussetzungen herrschen auch bei der Ausbildung. Die Stadt beherbergt eine der ältesten und renommiertesten Schauspielschulen Deutschlands. An der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst lernen rund 900 Studenten Theater, Kirchen-, Schul- und Popmusik sowie Musikpädagogik. Dazu kommen die Staatliche Akademie der Bildenden Künste, die Merz-Akademie und eine der weltweit führenden Ballettschulen, gegründet vom Choreographen John Cranko.
Die große Zahl an Bildungseinrichtungen für Kunst und Kultur ist wohl auch der Hauptgrund dafür, dass die Industriemetropole Stuttgart als Magnet für kulturbegeisterte Leute fungiert. Wer eine künstlerische oder musische Ausbildung machen will, entscheidet sich oft ganz bewusst für Stuttgart. So auch Lehramtsstudent Mathias Vogt. Er hat sich an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst eingeschrieben, weil er sich hier ganz auf die Musik konzentrieren kann. Musik ist sein einziges Fach. An anderen Hochschulen müssen angehende Lehrer noch ein zweites Fach belegen. Wenn Vogt in eineinhalb Jahren mit seinem Referendariat beginnt, hätte er nichts dagegen, in Stuttgart zu bleiben. Ich habe hier alles, was ich mir wünsche, sagt er. So geht er regelmäßig in die Staatsoper, die schon mehrfach mit dem Titel Opernhaus des Jahres ausgezeichnet wurde. Genauso mag er die vielen kleinen Theater der Stadt, von denen sich viele dem experimentellen Theater verschrieben haben. Müsste ich in eine kleinere Stadt umziehen, würde mir all das fehlen, sagt Vogt.
Stuttgart versammelt mit mehr als 30 Galerien auch Vertreter der Bildenden Kunst. Studenten fühlen sich besonders wohl in den Galerien Schlichtenmaier und Reiner Wehr. Hierhin kommt auch Lars Rasmussen oft. Der 22-jährige Baden-Württemberger studiert im vierten Semester an der Akademie der Bildenden Künste freie Kunst mit dem Schwerpunkt Malerei und genießt die vielen Ausstellungen in den Galerien: Es gibt immer etwas Neues. Vor allem das Künstlerhaus Stuttgart, vor 30 Jahren von Künstlern gegründet, ist innovativ und stellt auch Künstler aus, die sehr eigen sind und untypisch arbeiten.
Nach seinem Studium will Rasmussen das Gleiche machen wie jetzt auch: malen. Wenn es geht, gerne weiter in Stuttgart. Wenn ich Glück habe, bekomme ich ein Stipendium, etwa von der Kunststiftung Stuttgart, sagt er. Notfalls halte ich mich mit einem Aushilfsjob über Wasser.
Ann Richter studiert auch an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, hat sich aber für eine Variante der Kunst entschieden, die weniger unsichere Berufsaussichten hat. Sie studiert Kommunikationsdesign. Ihr gefällt vor allem das Studienkonzept der Akademie. Es gibt einen Campus für alle Studenten. In einem Haus sind die Maler, im anderen die Bildhauer, in einem weiteren die Architekten. Zudem sei das Studium sehr praxisnah. Die Studenten arbeiten in den Semestern meist an konkreten Projekten, mitunter sogar an realen. Im vergangenen Jahr hieß es etwa, ein neues Logo für die Stuttgarter Ballettschule John Cranko zu entwerfen. Die Unternehmen der Region kommen oft auf unsere Professoren zu und vergeben Aufträge, sagt Richter. So lernen wir schon im Studium, unter realen Bedingungen zu arbeiten, etwa die Ideen an die Ansprüche der Kunden anzupassen. Ein weiterer Vorteil: Die Studenten knüpfen Kontakte zu möglichen Arbeitgebern. Ihre Professoren unterstützen sie dabei, sich in der Region einen Namen zu machen. Das erleichtert den Einstieg ins Berufsleben ungemein.