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| Der Messeturm, eines der vielen Wahrzeichen Frankfurts. |
08. März 2004
Frankfurt kann sich rühmen: Mit Technoszene, Jazzbühne und Varieté steht man weit vorn. Schlichtes Weggehen macht da mehr Mühe.
Am 1. Mai 1978 bereicherte Johnny Klinke die Frankfurter Alternativszene um einen Versammlungsort: Das Strandcafé" im Nordend-Viertel der Stadt ist längst Legende. Zehn Jahre nach Beginn der Studentenrevolten und Straßenkämpfe traf sich hier die linksintellektuelle Elite der Stadt. Wer früher gemeinsam demonstriert hatte, amüsierte sich nun bei Tee und Zigaretten Seit' an Seit'. Ein Jahr später reüssierte Klinke als Szenegastronom und gründete den Tigerpalast", mittlerweile Deutschlands wohl bekanntestes Varieté-Theater und nicht mehr wie einst Treffpunkt der jungen Wilden, sondern der gutbetuchten Kultur- und Politszene. Ich bin der Bürgermeister der Nacht", sagt der Altsponti, der heute allabendlich den Conferenciér mit der Fliege gibt. Im stets ausverkauften Saal genießt man Sterne-Küche und feiert sich selbst: Klinkes linke Weggefährten Joschka Fischer, Daniel Cohn-Bendit und Tom Koenigs sitzen neben Michel Friedman, Hannelore Elsner und Marcel Reich-Ranicki.
Mit Fischer im Café Karin
Wenn der deutsche Außenminister in seiner Heimatstadt zu Besuch ist, trifft man ihn mitunter aber auch in schlichterer Atmosphäre. Im Café Karin etwa, unweit der zentralen U- und S-Bahnhaltestelle Hauptwache nimmt er gern ein Glas Latte Macchiato zum Hintergrundgespräch mit Journalisten. Das belebte Innenstadtcafé mögen die Frankfurter besonders wegen der leckeren Torten und Salate. Und ein Hauch New York liegt in der Luft: Das Karin ist ein Nichtrauchercafé. Ohnehin herrscht in der Stadt an guten Cafés kein Mangel. Vor allem im studentisch geprägten Bockenheim. Rund um die Leipziger Straße frühstückt man vorzüglich. Zum Beispiel im Diesseits", Größenwahn" oder Statt-Café". Hier schmeckt auch das Feierabendbier.
Nahezu legendär auch die Frankfurter Club-Szene: Obwohl das Dorian Gray, Keimzelle der deutschen Techno-Bewegung, 2001 sein Domizil im Flughafen aus Brandschutzgründen verlor, geben doch immer noch regelmäßig die Granden an den Turntables Konzerte in den Kellern der Stadt. Im U60311 zum Beispiel oder im Tanzhaus West. Weltbekannt sind auch die Bühnen im alteingesessenen Konzertsaal Cooky's und im Jazzkeller - hier waren schon Musikgenies wie Louis Armstrong, Chet Baker und Frank Sinatra.
Sterneküche, Rüblitorte, Swing und Rave - was will man mehr? Vielleicht ein einfach nettes Ausgehviertel, in dem sich bei entspannten Sounds mit netten Menschen relaxen läßt. Doch damit tut sich Frankfurt schwer. Bars, wie sie andernorts kaum der Rede wert wären, haben so schnell Aufstiegschancen in den Kreis von Szene-Locations". Am äußeren Ende der Berger Straße in Bornheim im Nordosten etwa öffnete vor einem knappen Jahr Schöneberger's Erben" - und die bekannteste städtische Ausgeh-Illu- strierte Journal Frankfurt schwärmt: Wenn man im Schöneberger sitzt, merkt man plötzlich, was in Frankfurt bislang gefehlt hat: eine Großstadtkneipe." Tatsächlich fällt dies zuallererst auf: Man sitzt. Wie in der Bembel-Schänke. Die lange Theke bleibt verwaist, bis alle Plätze voll sind. Wer die Berger Straße von hier aus in Richtung Innenstadt zurückläuft, merkt, warum man das Schöneberger's" hier trotzdem zu dem Besten zählt. Andere Lokalitäten heißen Flipper" oder Hannibal"...
Versprengt in der Stadt gibt es sie dann aber doch: Junge Läden, die sich keine Mühe geben, Spaß zu machen - und gerade deshalb funktionieren. Am Mainufer etwa das Moloko, möbliert im ausgesuchten 70er-Jahre-Design, mit weißen Orchideen auf dem Tisch und betonierten Sitzgelegenheiten vor der Tür. Auf der Fußgängerzone Zeil dient ein ehemaliges Kino als Café Royal" - nicht mehr ganz taufrisch die Idee, aber immer noch wirkungsvoll. Auch das witzige Häppchen-Zimmer IMA Multibar" macht trotz Feel good option"-Konzept Laune. Die Suche nach einer richtigen Ausgeh-Gegend, in der man gern den ganzen Abend verbringt, endet überraschend im Äppelwoi-verschrienen Stadtteil Sachsenhausen. Dribdebach, also auf der falschen", der Innenstadt gegenüberliegenden Mainseite, wächst tatsächlich eine Bar- und Lounge-Kultur heran. In einem Innenhof versteckt sich zum Beispiel das Jumalis, eine kleine, durchaus feine Cocktail-Bar. Lichtquellen in Fußboden und hinter den Sitzbänken tauchen den Raum in rötliche Töne. Die Egal-Musik lädt ein zum Wiederkommen. Noch kleiner, dunkler, aber ebenso stilvoll: die Bar Oppenheimer in der gleichnamigen Straße, nicht viel mehr als eine lange Theke mit Schaufenster nach vorn. Bier kommt in der Flasche. Das reicht. Schließlich auf der Schweizer Straße wieder eine Legende: Die CAFE BAR hieß früher das Schwarze Café und besteht aus einem streng schwarz-weiß möblierten Spiegelsaal, der immer gut besucht ist. Und hochmodern, obwohl bald 18 Jahre alt. Das Restaurant stand Pate für so manchen Großstadt-Gastronomen. Womit sich Frankfurt dann doch wieder zu den Metropolen rechnen kann.