18. Dezember 2009

Frankfurt: Ankommen

Leben zwischen Wolkenkratzern

Von Katharina Terheggen



"Mainhatten"
08. März 2004 
Der Frankfurter Wohnungsmarkt gehört zu den teuersten in Deutschland. Wer hier eine preiswerte Bleibe sucht, braucht einen langen Atem oder viel Glück.

Normalerweise muß man sich bei der Wohnungssuche in Frankfurt darauf einstellen, sehr lange nach dem Passenden zu suchen oder teure Mieten zu bezahlen. Frankfurt am Main liegt nach München auf Platz zwei der Städte mit den teuersten Mieten.

Insbesondere Zwei-Zimmer-Wohnungen sind dem Verband Deutscher Makler zufolge Mangelware in Frankfurt. Der Grund: In die Bankenmetropole kommen viele junge Leute, die gut verdienen und oft nur ein paar Jahre bleiben. Die große Konkurrenz auf dem Mietermarkt hat auch Silke Otte zu spüren bekommen. 24 Wohnungen hat sich die Marketingleiterin eines Software-Unternehmens angeschaut, bevor es endlich geklappt hat. „Ich war echt verzweifelt. Und bereit, 750 Euro für eine kleine Wohnung auszugeben. Viel mehr, als ich je geplant hätte.“ Nach zwei Monaten wurde sie dann doch fündig. Und mit 560 Euro für 50 Quadratmeter ist die Miete für Frankfurter Verhältnisse noch im Rahmen geblieben. In der Frankfurter Rundschau entdeckte die 33jährige das Inserat ihres zukünftigen Zuhauses. Die Warteliste der Vermieterin war eigentlich schon voll. „Sie hat mir nur eine Chance gegeben, weil ich von außerhalb kam.“ Um die Wohnung in Bornheim zu besichtigen, reiste Otte einen Tag vor ihrem Segelurlaub in Schweden aus Düsseldorf an. Direkt danach ging es in den Kieler Hafen. „So viel Einsatz hat die Vermieterin beeindruckt. Ich bekam die Wohnung.“ Otte ist glücklich, im belebten Viertel Bornheim zu wohnen: „Hier liegen diverse Restaurants gleich um die Ecke. Auch wenn ich erst spätabends von der Arbeit heimkomme, bekomme ich noch etwas zu essen.“
Bornheim gilt als besonders beliebte Wohngegend. Im Gegensatz zu Gallusviertel oder Fechenheim. Das Gallusviertel hat seinen Namen übrigens von der „Galluswarte". Das kommt von „Galgenwarte“ - denn hier wurden einst Verbrecher erhängt. Fechenheim ist ein ehemaliges Fischerdorf. Inzwischen hat sich dort die Industrie breitgemacht.
Schicker wohnt es sich im Frankfurter Westend. Die Gegend ist dafür bekannt, daß vor allem Familien und ältere Menschen dort leben. Hierher ist Dirk Köppen vor zwei Jahren gezogen. Viel Streß mit der Wohnungssuche hatte er nicht: Köppen hat gleich die erste Wohnung genommen, die er sich angeschaut hat. Eine Freundin begleitete ihn bei der Besichtigung in Westend und riet ihm zuzugreifen. Für seine 45 Quadratmeter-Wohnung bezahlt er 690 Euro: „Das ist zwar ein bißchen überteuert, aber ich bereue es nicht, hier zu leben.“ Schließlich mußte es schnell gehen, denn Köppen hatte einen neuen Job angenommen, also unterschrieb er den Mietvertrag. „In der Wohnung war schon eine Küche eingebaut. Das verrechnet sich mit der Miete.“ Außerdem gefällt ihm die Lage: „Ich kann wirklich alles zu Fuß erledigen. Sowohl einkaufen als auch feiern.“
Zum Relaxen geht der Unternehmensberater in den Grüneburgpark direkt um die Ecke.
Und über die Aussicht beschwert sich Köppen auch nicht. Von seinem Balkon aus blickt er nach links auf das ehemalige IG-Farbenhaus. Und nach rechts genießt er die Aussicht auf die Skyline von Frankfurt. Sein Urteil: „Gerade nachts wunderschön.“

Text: Hochschulanzeiger Nr. 71, 2004
Bildmaterial: labor