12. Dezember 2009

Frankfurt: Einleben

Typen der Region: Sven Väth

Von Kathrin Terheggen



Sven Väth
08. März 2004 
Sven Väth gehört zu den wenigen internationalen DJ-Stars aus Deutschland. Seit Anfang der 80er Jahre sorgt er immer wieder für neue Impulse in der elektronischen Musik. Der 39jährige wurde in Obertshausen bei Frankfurt geboren und lebt heute im Frankfurter Stadtteil Bockenheim.

? Sie haben in den 80ern als erster amerikanischen House im Dorian Gray" aufgelegt. Wie schnell hat sich die Frankfurter Party-Szene an die neue Musik gewöhnt?

: Sehr schnell. Da Frankfurt ja schon in den frühen 80ern eine höchst lebendige Szene von Produktionen und Produzenten hatte, war der Nährboden für neue Musik immer schon sehr gut. Alleine die Eröffnung des Dorian Gray Ende der 70er war ein Ereignis von europaweiter Bedeutung.

? Sie legen in Ibiza auf, produzieren in New York. Ihr Basislager haben Sie aber in Frankfurt. Was zieht Sie immer wieder zurück?

: Natürlich meine Wurzeln, meine Familie und meine Freunde. Ich konnte mich hier immer so frei entfalten, wie ich wollte - gerade was meine Musik und das Nachtleben angeht.

? Sie wurden hier geboren, kennen die Leute. Was muß man an Frankfurtern einfach mögen?

: Ich finde, die Toleranz und Weltoffenheit der Frankfurter ist die wichtigste Eigenschaft, die man hier nennen kann. Und natürlich, daß wir feiern können!

? Und an welche Eigenschaften muß man sich erst mal gewöhnen?

: Vielleicht daran, daß die Frankfurter eher machen als reden. Hier geht es manchmal ganz schön schnell; zu dieser Macher-Mentalität muß man sicher erst mal einen Zugang finden.

? Mit Ihrer Hilfe haben Techno und Trance Mitte der 80er in Frankfurt das Licht der Welt erblickt. In den 90ern war der Sound of Cologne" weltweit bekannt. Zur Zeit ist der Berliner Sound angesagt. Muß sich die Frankfurter Clubszene neu erfinden?

: Frankfurt mit seinem Umland ist auf jeden Fall eine der kreativsten und produktivsten Musikmaschinen in Deutschland. Es gibt Labels, Clubs und Künstler in allen Stilrichtungen und Spielarten. Die Frankfurter Szene erfindet sich sowieso permanent neu.

? Sie haben die Clubszene in Frankfurt beeinflußt wie kein anderer. Wo geht man heute abends hin?

: Robert Johnson, Tanzhaus West, IMA, U60311, Kleinlaut &Brown, Royal, Vinylbar- und in Zukunft in den Cocoon Club!

? Sonntags nachmittags hat sich Besuch angekündigt. Wo geht man hin, wenn man sich entspannen möchte?

: Im Sommer an den Main oder in den Grüneburgpark zum Sonnen. Im Winter kann man das Museumsufer ansteuern, etwa das Museum für Moderne Kunst. Oder zu Hause bleiben.

? Bigbeat, Salsa, Trance. Vielfalt statt Einfalt" ist das Motto Ihrer Musik. Trifft das auch auf die Frankfurter Bevölkerung zu?

: In einer Stadt mit so vielen verschiedenen Nationalitäten ist es klar, daß eher Vielfalt herrscht. Multikultur ist hier nicht nur ein Wort, sondern wird gelebt!

Text: Hochschulanzeiger Nr. 71, 2004
Bildmaterial: Cocoon Music Event GmbH