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Keine Frage Ins Loft oder nach Mannheim Von Sarah Roth 
 | | Café Prag |
06. April 2008 Wo gibt es hippe Kneipen, coole Bars, Studententreffs Man ahnt es: nicht in Ludwigshafen - von einem einzigen Club einmal abgesehen, sondern gegenüber auf der anderen Rheinseite. Kein Wunder also, dass Mannheimer Lokalitäten die Nachtschwärmer anziehen wie Motten das Licht - auch die aus Ludwigshafen.
Maximilian Knoll ist das Ganze ein bisschen peinlich: Normalerweise geht es hier schicker zu, entschuldigt er sich. Seinem Vater gehört das Tiffany, in dem Turnschuhe eigentlich verboten sind. Aber donnerstags macht sich Mannheims ältester Schickimicki-Club eben locker. Der Longdrink kostet heute nur die Hälfte, DJ Groovejuice legt Studentenparty-Beats auf. Und auch der Erstsemester mit den Sneakern darf rein, wenn er dafür seine Kappe abnimmt. Die Besucher des Ärztekongresses nebenan, normalerweise gerngesehene Gäste, ziehen weiter. Zu leger. Wer klassisches Studentenleben liebt, ist aber auch heute fehl am Platz im Tiffany. Denn Turnschuh, Flaschenbier und Gitarrensound gehören hier nicht zum Repertoire. Gefeiert wird in Mannheim mit House und Anzugschick. Von der berühmten Hip-Hop-Szene um die Söhne Mannheims, einst das Aushängeschild der Stadt am Neckar, keine Spur. Statt in weiten Jeans zu schlurfen, peppt man das obligatorische weiße Hemd mit angesagten Häkelschals auf, scheinbar achtlos um den Hals geworfen.  | | Koi |
Auch aus Ludwigshafen zieht es die meisten regelmäßig in die Stadt der Häkelschals. Denn auf der anderen Seite des Rheins ist kaum mehr als Industrie geboten. Als einzig angesagter Club gilt in Ludwigshafen das Loft. Seit über 20 Jahren habe man dem häufig ausgerufenen Tod von Techno und House getrotzt, rühmt sich der Club. Nur freitags tauscht der DJ den harten Techno gegen rockig-weiche Indieklänge. In Mannheim fängt der Abend dann früh an, etwa zum Auftakt einer klassischen Mannheimer Kneipentour im Bolands, einer Café-Bar mit Fußgängerzonencharme. Für alle Kaffeefans und Nichttrinker hat das Bolands seine Kaffeekarte ausgebaut: Sie trinken Latte Nuss und Café Nougat Frappe, tief im dunkelbraunen Leder eingesunken mit Blick auf die quadratische City. Die stark geschminkte Bedienung mit den großen Ohrringen serviert löblicherweise Wasser zum Kaffee.  | | Hafenstrand |
Livemusik mit Quetschkommode, Shisha-Rauchen für drei Euro und der Absacker um fünf beim Griechen nebenan. Wie urban man sich im Reißbrettzentrum Mannheims gibt, der Stadt, die eine eigene Metropolregion ihr Eigen nennt, zeigt auch der Koi-Club. Hier liegt die Schickeria Mannheims auf weißen Leinensofas, Partywütige zieht es in den Keller aus Plastik, Chrom und Leder. Die rohen Steinmauern verschwinden hinter schwarzer, roter und weißer Verkleidung mit eingelassenen Flachbildschirmen. Für ein paar hundert Euro können müde Partygäste den VIP-Bereich mieten und ihre Kehlen mit Champagner und Cosmopolitan kühlen. Auf den Screens schwimmen derweil Koi-Karpfen vorbei, während der Mannheimer genüsslich in ein paar Tropfen vom Meer der Großstadt badet.  | | Pasa Lounge |
Einige Straßen weiter tut sich das Cafe Nelson noch schwer, im alternativen Jungbuschviertel City-Schick zu verbreiten. Tür an Tür mit einem türkischen Pizza-Heimservice in ranzigem Sechzigerjahrebau wirkt es wie ein Fremdkörper. Herrschaftliche Kronleuchter an unerreichbar hohen Decken erleuchten die golden gestrichenen Wände des frisch sanierten Altbaus. Draußen tobt das Jungbusch-Leben: Livemusik mit Quetschkommode, Shisha-Rauchen für drei Euro und der Absacker um fünf beim Griechen nebenan. Wir sind doch nicht auf Sylt! Diesen Spruch höre er hier ständig, erzählt der Barkeeper des Nelson, selbst hiesiger Student. Auch wenn der Wasserfleck an der Decke zeigt, dass noch nicht alles der perfekten Urlaubsinsel gleicht, geht es im Nelson edel zu. Unter großen Fensterfronten bestellen Mädchen mit Pferdeschwänzen koffeinfreien Milchkaffee und Maracujasaftschorle. Und wieder die Berufseinsteiger im Ausgehhemd: Ein paar Damen lassen sich die gefüllte Hähnchenbrust an Curryschaumsauce schmecken, die passend Die glückliche Duchesse heißt. Immerhin: An der Bar soll der Mannheimer Rapper Danny Fresh regelmäßig sein Pils trinken.  | | Zimmer |
Das alte Mannheim und seine Söhne trifft man häufiger im Zimmer. In einem der wenigen Studentenclubs Mannheims kreisen Studentinnen mit kurzem Bob unter der Hip-Hop-Kappe mit den Hüften. Einige Mittzwanziger mit Dreitagebart und hippem Schal bestellen noch ein Bier an der Bar im Bambus-Style und wippen im Takt. Der Andrang im Zimmer ist groß, selbst die Treppe wird zur Tanzfläche. In der Ecke feiert ein Student Geburtstag, seine Kumpels geben ihm zwei Bier aus. Das Becks kostet schließlich nur zwei Euro. Und wer sich doch noch einen Longdrink gönnen will, bekommt gleich zwei für denselben Preis. Zu später Stunde stranden die Studenten dann im Soho. Hier zucken ein paar versprengte Geisteswissenschaftler zu Stroboskoplicht und dröhnendem Bass. Die Kellerluft ist kühl, und um schmale Schals und Glamourshirts schert sich niemand mehr. Drei Türstehertypen im Muskelshirt haben sich an die Bar aus Stein verirrt und beobachten misstrauisch die Umarmungsrunden, die der Typ mit Hornbrille zum Abschied dreht. Vielleicht liegt es daran, dass er Turnschuhe trägt. |
Ausgehtipps für 2008 29. März. bis 5. April 2008, Time Warp in Mannheim Music connects heißt das Motto des Festivals für Jetztmusik und Medienkunst, das seit 1994 Größen der Clubkultur wie die Turntablerocker oder Sven Väth ins Rhein-Neckar-Tal holt. Eine Woche lang verwandeln sich die Mannheimer Clubs in filmische und musikalische Labors. Kreative Köpfe können auch den eigenen Kurzfilm für den Film Award einreichen. 5. April, 10. Lange Nacht der Museen in Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen Kunst feiern statt nur bestaunen, so heißt es zum zehnten Mal im April. Videoinstallationen und Trommelmusik sollen den Mannheimern und Ludwigshafenern den Schlaf austreiben. Wer trotzdem gähnen muss, flüchtet bequem im kostenlosen Sonderbus. 30. Mai bis 1. Juni 2008, Mannheimer Stadtfest Wer Kleinkunst, Comedy und Straßenkünstler mag, geht zum Mannheimer Stadtfest. Festmuffel können sich stattdessen am Treffpunkt Eichbaum naturtrübes Bier der heimischen Brauerei schmecken lassen. 6. Juni bis 3. August 2008, Kultursommer Ludwigshafen Hobbykünstler, auf nach Ludwigshafen! Zwischen Jazzmatinee und internationalem Live-Act führen regionale Künstler Eigenkreationen auf. Nur experimentell sollten sie sein. Schließlich wird hier Regionalkultur geschaffen. Juni bis September 2008, Seebühnenzauber im Luisenpark, Mannheim Im Kabarett den Mannheimer Dialekt kennenlernen, Musical-Weltpremieren erleben oder chinesischen Kinderakrobaten beim Verbiegen zusehen: Auf der Seebühne ist für jeden was dabei. Für den Seeblick muss allerdings der Weiher im Luisenpark genügen. Juli 2008, Mannheimer Mozartsommer Zu Mannheims jüngstem Festival kehrt am Nationaltheater zum zweiten Mal die Wiener Klassik ein. Wer aber auf Mozarts Liebesgeschichten spekuliert, die er am Mannheimer Hof erlebt haben soll, irrt sich. Hier geht es nur um seine Opern. 12. Juli 2008, Regenbogen Arena of Pop, Mannheim An die 135.000 Musikbegeisterte zieht Baden-Württembergs größtes Open-Air-Pop-Festival jährlich an. Der freie Eintritt lockt auch den ärmsten Studenten hinterm Ofen vor. Im Schlosspark wird dann mit Pop-Größen à la Pink vor schöner Kulisse kräftig gefeiert. 24. bis 26. Juli 2008, Internationales Straßentheaterfestival Ludwigshafen Im Juli geht's gleich weiter mit der Kunst. Theatergruppen aus aller Welt machen die Stadt am Rhein zur Riesenbühne mit Stelzentanz, Comedy-Einlagen und Stummfilminszenierungen. August 2008, SWR3 Pop im Hafen, Mannheim Noch mehr Pop gibt es im August, ebenfalls kostenlos. Wer es gern feucht-fröhlich mag, ist auf der Partymeile des Radiosenders in Mannheims Hafen bestens aufgehoben. Und darf sich Animationen der feinen Art hingeben, letztes Jahr wurde zum Beispiel die Miss Freie Liebe gekürt. Die durfte dann den 2raumwohnung-Schlagzeuger Daniel Eichholz knutschen. 4. Oktober bis 15. November 2008, Enjoy Jazz Internationales Festival für Jazz und Anderes, Mannheim Anderes, das sind zum Beispiel Lesungen zum Thema Musik und Politik oder Partys mit Roger Willemsens Lieblingshits. Fans von Nu-Jazz und Trip-Hop tanzen außerdem zu den Beats namhafter DJs. Auf klassisches Jazzprogramm nach dem Stil Jan Garbareks muss trotz Anderem niemand verzichten. 6. bis 16. November 2008, 57. Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg Alles neu heißt es im September in Mannheim, wenn es Filmpremieren hagelt. Seit über 50 Jahren laufen hier Streifen unbekannter Regisseure, einige der Filmemacher schaffen es später bis ganz nach oben. Wim Wenders, Lars von Trier und Jim Jarmusch haben's vorgemacht. | | |
Text: Hochschulanzeiger Nr. 95, 2008, Seite 124 Bildmaterial: Tim Wegner
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