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| 3001 Club (Medienhafen) |
12. Mai 2008
Düsseldorfs Nachtleben bietet mehr als die längste Theke der Welt und weltläufige Bars für Messebesucher. Die Stadt am Rhein hat fast alle Geschmacksrichtungen im Programm.
Genauso stellt man sich die Schinkenstraße in Palma de Mallorca vor. Oder die Partymeile am Olympos Beach in Faliraki auf Rhodos. Wer sich von der Heinrich-Heine-Allee bis ins Bermudadreieck aus Kurzer Straße, Bolker und Flinger Straße vorgearbeitet hat, wähnt sich im sangria-sauren Kurzurlaub. Düsseldorfs berühmte längste Theke der Welt, wie Reiseführer die hiesige Altstadt gern nennen, präsentiert sich als Abfüllstation für Rucksacktouristen. Abends klappen die Wirte ihre Fensterläden auf, grob geschnitzte Klein-Brauhäuser wechseln sich mit fettigen Imbissbuden ab - für die richtige Grundlage.
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| Les Halles (Alter Güterbahnhof) |
Vielleicht ist Düsseldorf seinen internationalen Gästen dieses Stück Deftig-Deutschland schuldig. In der Altstadt gibt es jedenfalls nur wenige Lokale, in die sich auch Einheimische verirren. Das Schaukelstühlchen ist so eines, in der Kurzen Straße. Eine schwer rustikale Kneipe mit groben Biertischen, ausgelegt mit angeschlagenen Fin-de-Siècle-Kacheln. An den rot getünchten Wänden werben alte Blechschilder für Zichorienkaffee von De Beukelaar. Zum Garagenrock lassen Studenten hier ihre Altbier-Bechergläser auf die Holztheke knallen. Im Sommer sitzen sie auf der Sitzmauer vor dem Fenster. Und essen Pizza vom Italiener nebenan.
Immerhin bleiben Touristen, Schüler und Interrailer an der längsten Theke der Welt hängen. So ist das wahre Herz des Düsseldorfer Nachtlebens weitgehend unbehelligt. Gleich um die Ecke in der Ratinger Straße reihen sich Stammlokale aneinander, mit karnevalesken Namen wie Ohne Jupp oder Brauhaus zur Uel. Das Lokal steht ganz im Zeichen seines Namenspatrons, der Eule, und es ist eine Düsseldorfer Institution: An blankgescheuerten Tischen hocken Anzugträger mit ihren Geschäftsfreunden einträchtig neben Leuten, die ihre Zigaretten selbst drehen. Vor einem gemalten Rheinpanorama bestellen sie Senfrostbraten und Altbiergulasch zum stark gehopften Gerstensaft der Marke Füchschen. Und freuen sich schon wieder auf Karneval.
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| Zakk (Fichtenstraße) |
Düsseldorf wäre aber nicht Düsseldorf, die Messestadt, die Modestadt, der kleine Außenposten der Münchener Bussi-Gesellschaft am Rhein, wenn es hier nicht auch mondän zugehen könnte. Immerhin haben frühe Düsseldorfer Werber und ihre Kumpels von der Akademie in den siebziger Jahren legendäre Bars wie das Bobby oder den Malkasten erfunden. Die junge Künstlergarde trifft sich im Salon des Amateurs im Parterre der Kunsthalle, direkt neben dem Kabarett-Theater Kommödchen. Hier legen DJs Elektroklänge auf. Orangegelbes Loungelicht wabert zwischen Holzpaneelen hindurch auf schwarze Ledergarnituren, Hornbrillen und hip frisierte Pony-Schnitte.
Auch in der Trinkhalle fühlt man sich trotz (oder vielleicht wegen) des Proletennamens zu Höherem berufen. Die Kneipe mit den psychedelisch gemusterten 60er-Jahre-Tapeten, Afri-Cola-Ausschank und Bier aus bauchigen Arbeiterflaschen versteckt sich in einem Hinterhof im Multi-Kulti-Stadtteil Flingern, zwischen dem kleinen Theater Flin und der Frauenberatungsstelle in der Ackerstraße. Die Getränkekarte präsentiert ihre Auslage mit Wortwitz: Klar bleiben (alkoholfreie Getränke), Ernst Machen (Cocktails), Noch Ernster Machen (Longdrinks). An den Drinks nippen ältere Studenten und circa Dreißigjährige nach der Arbeit, während Soul und Nu Jazz aus den Lautsprechern tröpfeln. Und auf dem Flur zum Klo grüßt das Kinoplakat des Schulmädchen-Reports. Der Laden nennt sich selbst das Wohnzimmer Düsseldorfs - schlecht getroffen ist das nicht.
Hier in Flingern ist die Szene eigentlich alternativer. Neben Bilk gilt das sozial schwache Viertel als bevorzugte Wohngegend für Studenten. Ein typischer Laden ist das ZAKK im Industriegebiet am Rande Flingerns, was Zentrum für Aktion, Kultur und Kommunikation abkürzt und wo es dem Namen nach zugeht. Eine Art Kulturzentrum, wo an manchen Tagen Schüler-Punkkombos konsumkritische Texte ins Mikrofon ächzen, während Vater und Mutter am Bandstand Sticker und CDs verkaufen. Zwischen den schwarz gestrichenen Wänden steigen indessen auch Poetry Slams und Drum-&'n'-Bass-Partys.
Die wenigen Industriebrachen ihrer Verwaltungsstadt haben die Düsseldorfer fast überall nobel durchsaniert. In alten Lagerhallen und Manufakturen finden sich jetzt Clubs mit hohen Decken und unverputzten Ziegelmauern. Wie Les Halles auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs am Wehrhahn. Erst vor einem Jahr musste man von einem Depot ins nächste umziehen, weil die alte Heimstatt abgerissen wurde. Das neue Lokal zwei Häuser weiter ist schon wieder bestens besucht: Um eine gewaltige runde Bar mit beleuchtetem Aquarium und Edelstahl-Durchreiche, durch die Gäste den Köchen bei der Arbeit zuschauen können, sitzt Düsseldorf auf pseudo-antikem Gestühl unter Samttapeten und Kerzenleuchtern. Es gibt sogar einen offenen Kamin.
Auch wenn Les Halles regelmäßig zu Clubabenden wie dem Funky Friday lädt: Zum Tanzen gibt es ja noch den Medienhafen - das ultimative Ex-Industriegebiet Düsseldorfs. Hier haben findige Gastronomen drei Stockwerke einer leergeräumten Halle gepachtet und mit einer Empore versehen, auf der ihre Gäste das Treiben auf der Tanzfläche aus sicherer Entfernung begutachten können. An den Wänden des 3001 flackert Videokunst, während regelmäßig Größen wie DJ Motte oder Monika Kruse am Mischpult stehen. Sonst läuft die für solche Läden übliche Mischung aus Funk, Soul und House. Neben der Garderobe hat man mit weißen Vorhängen ein Chill-out-Wohnzimmer abgehängt. Draußen suchen sich die Taxis Lücken zwischen CLS-Limousinen und Hummer-Panzerjeeps. Dagegen sieht die Kö tatsächlich alt aus.