Von Johannes Winkelhage
05. März 2008 Die Deutsche Telekom hat nach langer Suche einen Partner für ihre Geschäftskunden- und Informationstechniksparte T-Systems gefunden. Das Unternehmen wird künftig im Bereich der Systemintegration (SI) exklusiv mit der amerikanischen Cognizant zusammenarbeiten. Das gaben beide Unternehmen am Rande der Computermesse Cebit in Hannover bekannt. T-Systems hat viele Aufträge nicht bekommen, weil sie zu teuer waren“, sagte der Vorstandsvorsitzende René Obermann am Rande der Pressekonferenz. Mit Cognizant haben wir einen Partner gefunden, der T-Systems gut ergänzt. Damit ist das strategische Element für die Neuausrichtung der T-Systems gefunden“, sagte Obermann.
Als Systemintegration wird die Entwicklung von Software-Anwendungen für Unternehmenskunden bezeichnet. Dabei handelt es sich in vielen Fällen um angepasste Standardprogramme und die Entwicklung einfacher Lösungen, die die Geschäftsprozesse in den Unternehmen unterstützen. Diese Programmierung wird T-Systems jetzt von Cognizant in Indien und China erledigen lassen. Dort arbeiten rund 40.000 der insgesamt 55.000 Mitarbeiter des Unternehmens. Dadurch erhofft sich die Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom die Chance, mit den Preisen für solche Dienstleistungen wieder wettbewerbsfähig zu werden. Im Zuge der Partnerschaft wechseln die 1150 Mitarbeiter, die bisher schon für T-Systems in Indien gearbeitet haben, zu Cognizant. Auch wird die dortige Niederlassung zum Buchwert an den neuen Partner übergeben.
Was wir jetzt brauchen, ist Wettbewerbsfähigkeit
Insgesamt arbeiten 13.000 Beschäftigte von den 56.000 Mitarbeitern der T-Systems im Bereich SI. Davon entfallen 8000 auf Deutschland; 4000 sind in der Programmierung von Softwareanwendungen tätig. Was mit diesen Mitarbeitern geschehen soll, ließ der für T-Systems zuständige Telekom-Vorstand Reinhard Clemens offen. Was wir jetzt brauchen, ist Wettbewerbsfähigkeit, dann wird uns der Markt sagen, ob wir Personal abbauen müssen oder nicht“, erklärte Clemens. Daran, dass ein Restrukturierungsbedarf für diesen Bereich bestehe, ließen Obermann und Clemens keine Zweifel. Vor einigen Wochen hatte Clemens vor Journalisten in Berlin gesagt: Anwendungsentwicklung macht man nicht mehr in Deutschland“, und wies schon damals auf die erheblichen Kostenvorteile einer IT-Fabrik in Indien hin. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings noch die indische Tata Consultancy Services als möglicher Partner im Gespräch.
T-Systems erhofft sich nach Angaben von Zvezdana Seeger, die in der Geschäftsführung für die SI zuständig ist, erhebliche Synergien aus der Kooperation, die auf einer vertraglichen Vereinbarung beruht, nicht aber als Gemeinschaftsunternehmen organisiert ist. So sei T-Systems in Europa zwar gut aufgestellt, es fehlten aber die Kapazitäten für die preiswerte Anwendungsentwicklung, die jetzt durch Cognizant hinzukommen würden. Auf der anderen Seite habe T-Systems gute Expertise in der Automobilindustrie, in der Telekommunikation mit der Deutschen Telekom als Großkunden, im Fertigungsbereich und bei Dienstleistungen für die öffentliche Verwaltung.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa
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