Computermesse Cebit

Hightech-Branchen fürchten Wachstumsdelle

04. März 2008 Dem Markt für Informationstechnik und Telekommunikation steht 2008 eine Wachstumsdelle bevor. Nachdem die Hightech-Branchen in Deutschland im vergangenen Jahr noch 2 Prozent auf 143 Milliarden Euro zulegen konnten, erwartet der Branchenverband Bitkom in diesem Jahr nur noch ein Wachstum von 1,6 Prozent. "Die Konjunkturerwartung ist unsicher, die Unterhaltungselektronik wächst nicht mehr so schnell, und die Wende auf dem Telekommunikationsmarkt kommt wohl erst 2009/2010", sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer im Vorfeld der Computermesse Cebit in Hannover. Aber schon im kommenden Jahr rechnet der Verband wieder mit 2 Prozent Wachstum.

Zuversichtlich über die Zukunft der Industrie zeigten sich während der Eröffnung der Messe am Montag Abend Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy. "Wir sind mit Projekten wie der einheitlichen Bürgernummer und der Gesundheitskarte, die ich ihnen im kommenden Jahr wahrscheinlich endlich präsentieren kann, auf einem guten Weg", sagte Merkel und erneuerte ihre Zusage, Forschung und Entwicklung im Bereich der Informationstechnologie in den nächsten Jahren mit 1,5 Milliarden Euro zu unterstützen. Merkel machte aber auch auf die kulturellen Folgen der Entwicklung aufmerksam: "Die Technik hat den Menschen zu dienen und nicht umgekehrt."

Sarkozy regte eine engere Zusammenarbeit in der Forschungs- und Industriepolitik an: Hier täten sich Deutschland und Frankreich bisher noch schwer, kämen aber auch zu guten Ergebnissen, wie der Fall EADS zeige. Der Präsident der Europäischen Kommission, Manuel Barroso, formulierte während der Eröffnung in Hannover das Ziel, bis zum Jahr 2010 rund 30 Prozent der europäischen Haushalte mit einem Breitbandanschluss zu versorgen und vor allem sämtliche Schulen der Gemeinschaft mit einer schnellen Internetverbindung auszustatten.

2007 besser gelaufen als erwartet

Das Jahr 2007 ist nach Angaben des Bitkom besser gelaufen als erwartet. "Viele Unternehmen haben angesichts der guten Konjunktur kräftig in ihre Informationstechnik investiert. Davon haben vor allem die Informationstechnik-Dienstleistungen profitiert", sagte Scheer. Diese Sparte hat ihren Umsatz 2007 um fast 8 Prozent auf knapp 31 Milliarden Euro erhöht. Dagegen erwartet der Verband eine dramatische Abnahme des Wachstums in der Unterhaltungselektronik von 8,2 Prozent im vergangenen auf nur noch gut 2 Prozent in diesem und im kommenden Jahr. Die Telekommunikation wird in diesem Jahr noch nicht aus ihrer Talsohle herauskommen. Nachdem der Markt im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent auf 67,4 Milliarden Euro geschrumpft ist, gehe der Umsatz in diesem Jahr wegen des scharfen Preiswettbewerbs noch einmal um 1,5 Prozent zurück, erwartet der Verband.

Auf dem Arbeitsmarkt der Branche sind im vergangenen Jahr 3000 neue Stellen geschaffen worden, vor allem von den IT-Dienstleistern. Dagegen haben die Telefonunternehmen - vor allem die Deutsche Telekom - und die Gerätehersteller weiter Stellen abgebaut. Scheer sagte, der Standort Deutschland müsse um seine Forschungslabors kämpfen. Es sei nicht selbstverständlich, dass große Unternehmen wie IBM oder Hewlett-Packard auf Dauer so viele Forscher in Deutschland beschäftigten. Als Folge des Fachkräftemangels von Ingenieuren und Informatikern drohen aus Branchensicht in der Hightech-Industrie verstärkt Produktionsverlagerungen ins Ausland.



Text: jcw./ht., F.A.Z., 04.03.2008, Nr. 54 / Seite 13
Bildmaterial: F.A.Z.

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