Von Karen Schmidt
14. September 2007 Ehrgeizlinge, Karrieristen, Machiavellisten - es gibt viele Ausdrücke für die besonders Karriereorientierten unter uns. Sie sind egoistisch, berechnend und vor allem: ehrgeizig. Den Blick immer nach oben gerichtet ist ihr Weg gesäumt von ausgebooteten Kollegen - Freunde im Unternehmen: Fehlanzeige. So etwas wie Nähe suchen sie nur zu dem, der sie weiterbringen kann. Aber natürlich nur so lange, wie es sich für die eigene Karriere lohnt.
Besonders in der konkurrenzintensiven Branche der Unternehmensberatungen sind Ehrgeiz und Leistung gefragte Eigenschaften. Muss man dort also ein Ekel sein, um voranzukommen? Auf Anfrage winken Unternehmen wie McKinsey und die Boston Consulting Group ab: Übertriebene Ehrgeizlinge würden es gar nicht erst ins Team schaffen und Ellenbogen-Mentalität sei eher ein Karrierehemmnis. Auch Sven Breipohl, Personaldirektor bei Roland Berger Strategy Consultants, räumt den besonders Rücksichtslosen eher geringe Karrierechancen im eigenen Unternehmen ein: Es ist richtig, dass wir Berater suchen, die Unternehmergeist, Engagement und Durchsetzungskraft mitbringen. Diese Tugenden müssen aber mit Teamgeist und Kritikfähigkeit verbunden sein.
Durch gutes Zuspiel zum Ziel
Auch in anderen Unternehmen, wie etwa bei der Allianz oder Adidas, setzt man auf die berühmten Soft Skills: Man kann ein Unternehmen mit einer Top-Mannschaft vergleichen, erklärt Adidas-Personalchef Matthias Malessa. Es nutzt nichts, wenn alle Spieler für sich betrachtet Spitzenklasse sind, denn ihre Fähigkeiten müssen zusammenpassen und durch gutes Zuspiel zum Ziel führen.
Also braucht man doch keine Ellenbogen im Job, um es zu etwas zu bringen? Sich ins Team einzufügen und seinen Job gut machen reicht? Ja und Nein, sagt Managementcoach Hedwig Kellner. Teamorientiert müssen Berufsanfänger auf jeden Fall sein. Teamwork heiße aber nicht, immer der Mehrheit zu folgen. Es heiße auch nicht, sich nur anzupassen: Ein Team wird nie als Ganzes befördert. Vorgesetzte suchen aus dem Team immer einen einzigen aus, der mehr aushält, der mehr Verantwortung übernimmt. Schließlich heißt es Chefsessel, nicht Chefsofa. Und um da hinzukommen, braucht man Ellenbogen.
Alles, was ungerecht ist, muss man vermeiden
Das soll aber nicht heißen, dass man seine Kollegen diffamiert, mobbt, ihnen beispielsweise Projektressourcen oder Kunden stiehlt. Alles, was ungerecht, hinten herum und gehässig ist, muss man vermeiden, sagt Kellner. Auch Karriereberater Professor Jürgen Lürssen hält nichts von solchen Methoden: Damit macht man sich nur Feinde und die sind nie gut für die Karriere.
Ob sich das dann so äußert, dass man im Krisenfall alleine dasteht, bei einem Jobwechsel die Stelle nicht bekommt, weil sich der Ruf des Egomanen herumgesprochen hat oder der Vorgesetzte einen eben nicht befördert, weil er Angst hat, er könnte das nächste Opfer sein - weit wird man so nicht kommen, sind sich die Experten einig.
Erfolge offensiv vermarkten
Und wie macht es der Berufsanfänger mit einer gesunden Portion Ehrgeiz nun richtig? Nach Ansicht von Managementcoach Hedwig Kellner gibt es drei essentielle Faktoren, die einen nach oben führen. Die Basis sei fachliche Kompetenz: Ich muss sehr gute Arbeit leisten und dabei zeigen, dass ich dem nächsthöheren Job auch gewachsen bin. Zusätzlich müsse der Berufseinsteiger Power zeigen und sich durchsetzen.
Dazu gehört zum Beispiel, dafür zu kämpfen an wichtigen Besprechungen teilzunehmen, zu denen ich von meiner Stellung her eigentlich nicht eingeladen worden wäre. Aber auch mutig die eigene Meinung zu vertreten und Kritik einstecken zu können ohne zu schmollen, bringt einen nach vorne. Erfolge muss ich offensiv vermarkten, und dabei sollte es nicht heißen 'Wir haben dies und das geschafft', sondern 'Ich habe zusammen mit dem Team das und das erreicht', meint Kellner. Wenn eine interessante Stelle zu besetzen ist, ist es nach Ansicht der Expertin falsch, still dazusitzen und zu hoffen, dass man die Stelle wegen guter Leistungen bekommt. Stattdessen: Hingehen und sagen, dass man die Stelle will.
Ab und zu eine kleine Kraftprobe
Um zu zeigen, dass man kämpferisch ist, braucht es ab und zu auch eine kleine Kraftprobe, sagt der Aggressionsexperte und Managementtrainer Jens Weidner, Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg: Gelegentlich muss man jemandem in einem Meeting mal eine Breitseite verpassen, um die eigene Stärke zu demonstrieren, beispielsweise indem man die Definitionen oder Ansichten des anderen hinterfragt. Dabei sei es aber wichtig, die richtige Person auszusuchen. Er kann einen höheren Status haben, muss aber ein Einzelgänger, der einsame Wolf sein. Denn wenn ich jemanden auf dem Kieker habe, der gute Kontakte hat, schadet mir das nur.
Ein stabiles Netzwerk sei auch für die eigene Karriere extrem wichtig und Planung dabei ein ganz wichtiger Faktor, ist Weidner überzeugt: Die erste Regel ist, dass ich die Strukturen des Unternehmens durchschauen muss. Der Berufsanfänger solle sich ein Organigramm machen, sprich: Dr. Mayer hat die und die Stellung, er verhält sich mir gegenüber immer positiv und kann mir helfen, wenn ich ein Projekt mal richtig in den Sand setze. Diesen Kollegen und Vorgesetzten sollte ich als Berufsanfänger besonders viel Energie und Zeit widmen.
Auch die Gegenspieler kennen
Genauso wichtig ist es aber auch die Gegenspieler zu kennen, findet Weidner: Wenn die etwas wollen, sollte man versuchen sich rauszureden, man habe keine Zeit oder ähnliches. Denn die würden in der umgekehrten Situation auch keinen Finger krumm machen. Und die sind es, die am eigenen Stuhl sägen, wenn man mal im Urlaub ist.
Darüber hinaus empfiehlt Weidner, regelmäßig selbst zu überlegen, wie andere einen abschießen könnten. Meist seien es Kleinigkeiten wie Ungenauigkeiten bei der Spesenabrechnung oder öfters Druckerpapier mit nach Hause nehmen, die einen zum Verhängnis werden könnten. Wenn ich mich selbst regelmäßig analysiere, diese Dinge ausmerze und mögliche Lücken im Netzwerk schließe, bin ich als Berufsanfänger gut gegen Attacken gewappnet.
Text: FAZ.NET
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