Von Sabine Raiser
15. Dezember 2006 Umfragen spiegeln nicht die Wirklichkeit wider. Wie denn auch? Schließlich sind sie fragmental und selten zweckfrei. Aber sie können Stimmungen und Trends aufdecken. Und diese wiederum erleichtern es, Schieflagen zu erkennen und bestenfalls ins Lot zu bringen. Darüber hinaus eignen sie sich mitunter als Wegweiser, wenn das Ziel klar ist.
Die viel zitierte Gallup-Studie ist ein guter Beleg dafür. Die Ergebnisse: In deutschen Unternehmen machen 69 Prozent der Mitarbeiter Dienst nach Vorschrift und 18 Prozent sehen sich in einem Zustand innerer Kündigung. Demnach bleiben 13 Prozent, die sich emotional gebunden fühlen und gerne arbeiten.
Schieflagen bergen Chancen
So weit, so schlecht. Schlecht für die Unternehmen, so die mehrheitliche Resonanz. Enorme Kosten durch Krankheitsfälle, Fluktuation und Vertriebsschwäche werden hochgerechnet. Um diese zu vermeiden, sollen die Unternehmen besser führen und motivieren.
Dagegen ist nichts einzuwenden. Wohl aber dagegen, daß nur diese eine Forderung im Licht der Öffentlichkeit steht. Jede Schieflage birgt jedoch ungeahnte Chancen für jene, die weit- und hellsichtig, tief- und eigensinnig ihren nächsten Karrieresprung vorbereiten. Zum eigenen Wohle und dem des Unternehmens.
Profil zeigen, statt Zeit absitzen
Wenn nur unglaubliche 87 Prozent kaum oder mäßig das geben, was in ihnen steckt, ist das Anlaß für einen radikalen Perspektivwechsel. Nicht nur für Arbeitgeber und Führungskräfte, sondern auch für Arbeitnehmer. Der an und für sich unerfreuliche Motivationszustand ist ein Sprungbrett für alle, die sich immer schon gewünscht haben, auch im Büro so zu sein, wie sie wirklich sind, sich aber nie getraut haben.
Werde, der du bist, riet bereits Friedrich Nietzsche jenen, die weiter kommen wollten und lange vor ihm orakelte es in Delphi Erkenne dich selbst. In Zeiten mangelnder Motivation ist es leichter denn je, sich zu profilieren. Im besten und doppelten Sinne des Wortes. Wer sich profiliert, zeigt Profil und zwar sein eigenes. Wer dabei unternehmerisch sinnvoll sowie team- und sozialverträglich vorgeht, kann davon ausgehen, daß sein Vorgesetzter dankbar ist und im Falle kleiner Fehler Milde walten läßt. Denn er muß, so wie sich die Lage laut Gallup darstellt, nicht nur seine eigentliche Arbeit erledigen, sondern auch noch massenhaft Mitarbeiter motivieren.
Das Jammertal verlassen
Wenn er von dieser nicht immer zu seinen Kernkompetenzen zählende Aufgabe ein wenig befreit wird, fällt es ihm leichter, die so genannten Eigenheiten, Ecken und Kanten des Mitarbeiters zu tolerieren. Natürlich kann das Zeigen von Profil nicht nur Freude, sondern auch Ärger bereiten. Aber wer die Unternehmensziele kennt und seine eigenen Stärken und Schwächen einigermaßen situationsgerecht einsetzt, wird gewiß mehr Erfolg und Spaß bei der Arbeit haben, als beim langweiligen Absitzen wertvoller Zeit.
Die Chance, über diesen mutigen Weg der klaren Profilierung das Jammertal Dienst nach Vorschrift oder Innere Kündigung zu verlassen, ist groß. Und wem es gelingt, auch die Kollegen von dieser Sicht- und Aktionsweise neuer Gestaltungsmöglichkeiten zu überzeugen, halt allen Grund, froh zu sein. Wem es nicht gelingt, der hat es wenigstens versucht. Das wäre laut Gallup-Studie schon viel.
Lieber mutig als mißmutig
Das klar umrissene Profil als individuellen und unternehmerischen Erfolgsfaktor fordert auch Michael AlliMadi, Geschäftsführer von der Apentia Consulting Group, wenn es beispielsweise darum geht, im Kundenauftrag ganze Projektteams von freien und fest Angestellten SAP-Experten zusammenzuführen.
Unser Ansatz ist ganzheitlich. Über einen technologisch basierten Profil-Scanner werden Fachkompetenz und Projekterfahrung ermittelt. Mit Hilfe der Integralen Profil-Analyse (IPA) können wir persönliche Faktoren erkennen, wie Wahrnehmung, Werte und Motivationstreiber der Menschen, die wir zusammenbringen. All diese Komponenten sind wichtig. Niemals wird ein Projekt von reinen Wissensträgern gestemmt, die kein klares Profil haben. Die gute Mischung macht es aus. Hier sieht er auch Chancen für Kandidaten der zweiten Wahl. Wer klar und glaubhaft zeigt, daß er sich ganz einbringen will, hat gute Karten und kann mangelnde Erfahrung kompensieren, wenn diese im Team bereits vorhanden ist.
Wie bei der Freude, den Wandel zu gestalten und der Freude, eine Fachfrau zu sein, bedarf es auch beim Zeigen des eigenen Profils, einer Eigenschaft, die nur selten beim Vorstellungsgespräch abgefragt wird: Das ist der Mut.
- Mut zum Risiko
- Mut zum Widerspruch
- Mut zur Loyalität
- Mut zum Eigensinn
- Mut, Eigenleistung auch als Teamleistung zu sehen
- Mut, Fehler zu machen, einzugestehen und auszubaden
- Mut, zu überprüfen, ob die eigenen Ziele vereinbar sind mit denen des Unternehmens
- Mut, weiter zu machen, auch wenn zunächst Ziele verfehlt werden
- Mut, die eigenen Bedürfnisse zu formulieren und durchzusetzen
- Mut, zu gehen, wenn nichts mehr geht
Das ist viel verlangt, aber vielleicht besser als das, was scheinbar 87 Prozent der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Deutschland ertragen. Ob fremd- oder selbstverschuldet läßt sich nicht immer ermitteln und spielt auch keine wesentliche Rolle.
Text: FAZ.NET
Kinder im Hort, Mütter am ![]()
Missbrauch der Jobbörse der Arbeitsagentur
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