Karrieresprung
RSS
Alle Beiträge Aktuellster Beitrag Beitragsdatum bis

Karrieresprung

Bitte recht authentisch

Von Birgit Obermeier

Karrieresprung - Serie bei FAZ.NET

Karrieresprung - Serie bei FAZ.NET

06. Juni 2004 Auf jeden Fall authentisch bleiben! In der Frage, worauf es beim Vorstellungsgespräch ankommt, sind sich viele Personalverantwortliche einig: Bloß nicht verstellen, sich selbst treu bleiben, „echt“ sein. Wer in vorauseilendem Gehorsam nur die scheinbar erwünschten Musterantworten herunter betet, tue sich keinen Gefallen.

Denn: Entweder wirkt der Bewerber dadurch unglaubwürdig, mindestens aber schwer greifbar. Oder er landet durch gelungene Schauspielerei auf einer Stelle, die ihn auf Dauer nicht glücklich macht. Weil dort etwa Eigenverantwortung gefordert ist, er selbst in Wahrheit aber lieber in festen Strukturen arbeitet. „Statt der Autorität von Ratgeberbüchern zu vertrauen, sollten sich Bewerber lieber gründlich über das Unternehmen informieren“, meint die Karriere-Beraterin Ute Albrecht. Auf die Frage: „Warum haben Sie sich bei uns beworben?“, könnten sie dann eine ehrliche und überzeugende Antwort geben. Oder zu dem Schluß kommen, sich gar nicht erst zu bewerben.

„Auf die echte Tour“

Authentisch sein, bedeute freilich nicht, sich gehen zu lassen, sagt die Bewerbungsberaterin Gitte Härter. Die Kleidung etwa müsse dem Anlaß angemessen sein. Aber auch dem persönlichen Stil. Härter vergleicht das Vorstellungsgespräch mit einem Rendezvous: „Da macht man sich auch Mühe, einen guten Eindruck zu hinterlassen“. Und zählt nicht gleich alle persönlichen Schwächen auf. Die Kunst bestehe darin, „sich gut zu verkaufen - aber auf die echte Tour“, sagt die Beraterin.

Echtheit, Glaubwürdigkeit - das wünschen sich in Zeiten von Massenentlassungen bei gleichzeitigen Millionenabfindungen auch viele Mitarbeiter von ihren Chefs. Nach einer Umfrage des Bad Harzburger Weiterbildungsveranstalters „Die Akademie“ unter Seminarteilnehmern, erscheint diesen Wahrhaftigkeit gegenwärtig als wichtigste Kompetenz einer Führungskraft. Alfred Herrhausen, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, appellierte bereits vor über einem Jahrzehnt an die moralische Verantwortung von Führungskräften: „Wir müssen das, was wir denken, auch sagen. Wir müssen das, was wir sagen, auch tun. Wir müssen das, was wir tun, auch sein.“

Was zählt im Leben?

Um Denken, Reden und Handeln in Einklang bringen zu können, gilt es freilich erst einmal zu klären: Wofür stehe ich? Was ist mir wichtig im Leben? Das sind philosophische Fragen, für die es keine vorgefertigten Konzepte gibt. Und die sich die meisten Führungskräfte nicht stellen, kritisiert Wolfgang Bischoff, der als Coach und Mentor bei dieser Bewußtseinsarbeit unterstützt. Was es dazu zuvörderst braucht, gilt den meisten Managern als Luxusgut: Zeit und Ruhe. Zur Selbstreflexion, zur Analyse der persönlichen Werte, Motive und Fähigkeiten, aber auch zur bewußteren Wahrnehmung des eigenen Körpers, fordert Bischoff.

Der Personalberater Christian Richter empfiehlt, ein sogenanntes „mission statement“ zu formulieren. Hinter dieser spirituell anmutenden Bezeichnung verbirgt sich ein persönlicher Leitsatz, der in knappen Worten den berufsrelevanten Wertekanon beschreibt. Richter erarbeitet ihn mit Berufseinsteigern und Führungskräften in Workshops, etwa durch Fragen nach Kindheitsträumen, Talenten oder dem Inhalt einer Laudatio, die ein guter Freund in vielen Jahren auf sie hält.

Mut zur eigenen Ansicht

Der Weg zur Authentizität ist kein einfacher. „Das ist richtig solide Arbeit“, meint Bischoff, die sich aber lohne: „Führungskräfte sind Multiplikatoren. Ihre Klarheit strahlt ab, sie ist Vorbild und Orientierung für die Mitarbeiter.“ Auch wenn gerade im mittleren Management oft der Spielraum fehlt, nach persönlichen Wertmaßstäben zu entscheiden: „Mit einer integeren inneren Haltung läßt sich auch unter Sachzwängen eine positive Wirkung erzielen“, so der Psychologe. Eine vollständige Unterwerfung der Person unter äußere Umstände lehnt er ab: „Gegebenenfalls muß ich mich fragen, ob ich an der richtigen Stelle bin.“

Voraussetzung für ein authentisches Leben sei „die Fähigkeit, die sich aus Polaritäten ergebenden Konflikte und Spannungen zu akzeptieren, anstatt ihnen aus dem Weg zu gehen“, schreibt der berühmte Psychotherapeut Erich Fromm. Authentizität in der Führung erfordere insbesondere Bescheidenheit und Mut, sagt der Ex-Automobilmanager Daniel Goeudevert: „Bescheidenheit, um seine Grenzen zu kennen und die der anderen zu achten. Mut, um eigenes Denken auszusprechen und zu behaupten, ohne deshalb kompromißunfähig zu werden.“

Bücher zum Thema:

Erich Fromm: Authentisch leben. Herder spektrum Verlag, 8,90 €, ISBN 3-451-04839-6

Christian Richter: Der authentische Manager. Verlag Redline Wirtschaft bei ueberreuter, 22,90 €, ISBN 3-8323-1077-0



Text: @rwi

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Dax
Tec
Dow
Nas
16.12.2009 | 12:47
Dax 5.878,96
+1,16 %
 
        Vortag
16.12.2009 | 12:59
Name Kurs in %
DAX 5.878,96 +1,16%
TecDAX 816,79 +0,58%
MDAX 7.452,46 +1,18%
SDAX 3.550,95 +0,42%
REX 377,45 +0,07%
Eurostoxx 50 2.916,54 +0,97%
Dow Jones 10.452,00 −0,47%
Nasdaq 100 1.798,21 −0,60%
S&P500 1.107,93 −0,55%
Nikkei225 10.177,40 +0,93%
EUR/USD 1,4568 +0,21%
Rohöl Brent Crude 73,05 $ +1,35%
Gold 1.122,00 $ +0,18%
Bund Future 122,23 € −0,23%
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche