Von Stephanie Witschi
04. Februar 2005 Weiterbildung ist mehr als nur eine kleine Abwechslung vom täglichen Einerlei am Arbeitsplatz oder eine Belohnung für erbrachte Leistung. Mit Weiterbildung können Sie Ihren beruflichen und persönlichen Zielen näher rücken, Lücken im Lebenslauf schließen und ganz allgemein einen Schritt vorwärts kommen.
Doch das Weiterbildungsangebot ist riesig, die Kosten hoch und die Qualität unterschiedlich. Daher muß jede einzelne Maßnahme dahingehend geprüft werden, ob und inwieweit sie hilft, die gesetzten Ziele zu erreichen.
Vermeidung von 'trägem Wissen'
Aus- und Weiterbildung kosten Staat, Arbeitnehmer und Arbeitgeber Zeit und Geld. Im Jahr 2002 waren das in Deutschland durchschnittlich 502 Euro und 138 Stunden pro Person. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Erhebung des deutschen Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Entsprechend wichtig ist die Effizienz der Weiterbildungsmaßnahmen. Die meisten Weiterbildungen sollen Ihnen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch die spätere Anwendung des Gelernten unterstützen.
Die Weiterbildung soll Ihr Verhalten verändern! So sollen Sie beispielsweise dazu befähigt werden, neue Managementtechniken anzuwenden, das Intranet zu benutzen oder die neue Produktionsstraße zu bedienen. Wird dieses Wissen von Ihnen zwar erworben, anschließend aber im beruflichen Alltag nicht zur Lösung komplexer Probleme eingesetzt, hat die Maßnahme nicht gegriffen. Führt der Lernprozeß nicht zu einer Verhaltensveränderung, dann bezeichnen die Instruktionspsychologen das Gelernte als 'träges Wissen'.
Die Kriterien
Wie aber können Sie im Dschungel des Weiterbildungsmarktes a priori erkennen, welches Weiterbildungsangebot das Potential besitzt, Ihnen Wissen so zu vermitteln, daß Sie es in der Praxis anwenden können?
Eine Studie am Lehrstuhl für Human Resource Management der Universität Zürich suchte nach solchen Indikatoren. Dabei wurden in einer sowohl analytischen als auch empirischen Untersuchung drei zentrale Eigenschaften einer Weiterbildungsmaßnahme ausgemacht, die aus betriebswirtschaftlichem Fachwissen praxisorientiertes Wissen machen:
- Motivation: Voraussetzung für die Umsetzung des Gelernten im beruflichen Alltag ist eine hohe Lernqualität im Lernfeld. Die Lernqualität hängt stark von der Lernmotivation ab. Diese wiederum wird zentral davon beeinflußt, wie stark die Lernenden im Lernprozeß 1. Autonomie und 2. Kompetenz erleben und wie sehr sie sich 3. sozial eingebunden fühlen.
- Authentizität: Eine große Ähnlichkeit zwischen der Lernsituation und der späteren Anwendungssituation erhöht die Wahrscheinlichkeit, daß das Gelernte erfolgreich eingesetzt wird.
- Schlüsselqualifikationen: Je stärker in der Ausbildung auch relevante Schlüsselqualifikationen entwickelt werden, um so reibungsloser erfolgt der Transfer in die Anwendungssituation.
Ein Ausbildungsdesign sollte also Autonomie, Kompetenz und soziale Einbindung ermöglichen. Für diese Eigenschaften gibt es Indikatoren. So erkennen Sie das Autonomiepotential einer Ausbildung zum Beispiel an den Wahlmöglichkeiten bezüglich individuellen Lernzielen und der Lernorganisation.
Ein herausforderndes, aber nicht überforderndes Anspruchsniveau und Übungsmöglichkeiten, denen ein informatives Feedback (zum Beispiel Supervision) folgt, ermöglichen es Ihnen, Kompetenz zu erleben.
Soziale Einbindung erfolgt durch den Kontakt mit anderen Lernenden und mit Experten. Durch Lerngruppen, Gastdozierende oder Tutoren wird sowohl die Motivation als auch die Einbindung und Orientierung im Fachgebiet gefördert.
Je authentischer die Lernsituation Ihre berufliche Alltagssituation simuliert, um so wahrscheinlicher wird Ihnen die Umsetzung des Gelernten gelingen. So sind Teambildungsprogramme sinnvoller, wenn das ganze Team daran teilnimmt und Schulung auf dem firmeneigenen Intranet ist effizienter als auf einem allgemeinen.
Ähnliches gilt für Schlüsselqualifikationen. Soll zum Beispiel die Präsentationskompetenz für Großveranstaltungen trainiert werden, reicht ein fünfköpfiges Testpublikum nicht.
Fazit
Ihre Weiterbildung beginnt vor dem Besuch der Weiterbildungsmaßnahme mit einer genauen Prüfung Ihrer eigenen Bedürfnisse und des Potentials des Angebots!
Stephanie Witschi ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Human Resource Management (HRM) an der Universität Zürich und forscht zur anwendungsorientierten Wissensvermittlung.
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