Von Herta Paulus
23. Mai 2008 Vor drei Jahren traf sie die Hexe zum ersten Mal. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel schoss der Sachbearbeiterin der Schmerz in den Rücken, dann war Schluss mit Gehen, Bücken, Drehen, selbst das Atmen wurde zur Qual. Einige Tage Bettruhe, dann konnte sie wieder zurück an ihren Schreibtisch beim Nürtinger Werkzeughersteller Metabo. Doch die Attacken wiederholten sich, die Auszeiten wurden immer länger. Bandscheibenvorfall, lautet die ärztliche Diagnose. Weiterarbeiten wie bisher geht nicht mehr, aber dank Disability Manager Eugen Markucik steht sie beruflich trotzdem nicht mit dem Rücken zur Wand.
Ein kaputter Rücken, psychische Probleme, Unfälle: Rund 80 Mitarbeitern (gut ein Fünftel davon kommt aus dem Angestelltenbereich) hilft Markucik nach längeren krankheitsbedingten Auszeiten jährlich zurück in den Job. Unterstützt wird er dabei von einem Integrationsteam, bestehend aus Betriebsarzt, einem Personalreferenten sowie einem Betriebsrat. Wir versuchen möglichst den alten Arbeitsplatz wieder zu belegen oder adäquate Arbeitsplätze zu finden oder einzurichten, erklärt Markucik.
Meistens erfolgt die Wiedereingliederung stufenweise
Oft helfen schon kleine Veränderungen am Arbeitsplatz selbst - ein Stehpult, eine Zange, die mit weniger Kraftaufwand greifen hilft, ein Änderung der Arbeitsabläufe - um dem Mitarbeiter die Rückkehr an seine alte Stelle zu erleichtern. In den meisten Fällen erfolgt die Wiedereingliederung stufenweise nach dem so genannten Hamburger Modell. Der Vorteil dabei: Der Arbeitnehmer kann sich langsam wieder an die Arbeit gewöhnen, erhält in dieser Zeit allerdings auch nur Krankengeld in Höhe von 70 Prozent seines Bruttolohns.
Wer sofort wieder voll einsteigen will - oder nicht zuletzt aus finanziellen Gründen muss - wird anfangs nach Möglichkeit auf einem weniger belastenden Arbeitsplatz eingesetzt. Wir haben eine bestimmte Anzahl von Schonarbeitsplätzen eingerichtet und innerhalb der Montagelinie Plätze, wo nur mit halber Leistung gearbeitet werden muss. Hier muss die soziale Ader auch vom Unternehmen kommen, betont der ehemalige Montageleiter Markucik. Der Aufwand lohnt auch für das Unternehmen: Die Fehlzeiten gingen seit Einführung des Disability Managements im Jahr 2005 um 1,7 Prozent zurück. Und: Die Kommunikation mit den Mitarbeitern hat sich verändert. Die Menschen sehen, hier tut sich was.
Arbeitnehmervertreter stellen sich oft quer
Das sollte es laut Gesetzgeber auch. Um teuere Frühverrentungen zu vermeiden, sind alle Unternehmen seit 2004 gesetzlich verpflichtet, Mitarbeiter, die länger als sechs Wochen arbeitsunfähig sind, mit besonderer Betreuung wieder in den Berufsalltag zu integrieren. Damit endet aber auch schon der gesetzgeberische Biss. Wie diese Betreuung konkret auszusehen hat, darüber schweigt sich das Sozialgesetzbuch ebenso aus wie Sanktionen für Unternehmen, die nichts oder zu wenig tun, nicht vorgesehen sind. Hier fehlt der klare Auftrag des Gesetzgebers, sagt Oliver Fröhlke von der Deutschen Unfallversicherung (DGUV). Viele Unternehmen brüsten sich mit Angeboten zur Gesundheitsförderung, aber das allein reicht nicht.
So absolvierten bislang nur rund 450 Teilnehmer die von der DGUV angebotene, zertifizierte Weiterbildung zum Disability Manager. Wenn überhaupt, so Fröhlke, finden sich Eingliederungsmanager derzeit überwiegend in Produktionsbetrieben, wo vor allem körperliche Arbeit gefragt ist, der übrige Bereich fehlt. Ursächlich für die Zurückhaltung seien neben der Kostenfrage nicht zuletzt auch Vorbehalte von Arbeitnehmervertretern. Die vermuten, es sei Ausgliederungsmanagement. Das ist es aber faktisch nicht.
Lösungen suchen, bevor es ernst wird
Bei Bosch sind diese Zweifel längst ausgeräumt. Auch die Betriebsräte haben erkannt, dass Disability Management ein sinnvolles Instrument ist. Aber jeder muss seine Rolle erst einmal finden, sagt Michaela Noé-Bertram, Leiterin der Betrieblichen Sozialberatung bei Bosch in Stuttgart. Seit eineinhalb Jahren sind an den Standorten Bühl, Wernau und Reutlingen Wiedereingliederungsteams erfolgreich aktiv, sukzessive sollen diese auch an den übrigen Standorten des Konzerns installiert werden.
Wir nehmen das Thema sehr ernst. Derzeit absolvieren zwanzig Mitarbeiter die Ausbildung zum Disability Manager, so Noé-Bertram. Alle Möglichkeiten ausreizen, nach Alternativen suchen und Hilfsangebote machen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist, lauten auch hier die Ziele. Idealerweise sollte ein Mitarbeiter bereits dann auf das Team zugehen, wenn er merkt, der Arbeitsplatz passt nicht mehr. Das setzt voraus, dass er auch die Offenheit und das Vertrauen hat zu den entsprechenden Kollegen und Kolleginnen, bestätigt Noé-Bertram.
Alternative Knöllchenschreiber
Vertrauen will erarbeitet sein. Für Christian Schwakenberg, Disability Manager bei den Essener Verkehrsbetrieben (EVAG) sind daher Verlässlichkeit und das Gespür für sein Gegenüber neben dem fachlichen Wissen die Grundvoraussetzungen für seine Arbeit. Anders als bei Bosch oder Metabo arbeitet er überwiegend als Einzelkämpfer. Nur wenn eine komplette Umsetzung notwendig ist oder gravierende Veränderungen innerhalb des Arbeitsplatzes greife ich auf das Integrationsteam zurück, so Schwakenberg.
Die Möglichkeiten einen alternativen Arbeitsplatz für die Bus- und Straßenbahnfahrer zu finden sind allerdings beschränkt. Dank einer Kooperation mit der Stadt Essen kann der ein oder andere Fahrer schon mal als Knöllchenschreiber beim Ordnungsamt unterkommen oder als Servicekraft bei der Fahrgastbetreuung. Es ist manchmal ein bisschen schwierig und manchmal auch sehr langwierig, aber das Gros geht wieder zurück an den Arbeitsplatz, resümiert er seine bisherige Erfahrung. Wir hatten schon den ein oder anderen Fall, wo wir sagten, es wird nicht mehr. Aber jetzt sitzt eine Kollegin nach 18 Monaten Auszeit doch wieder am Steuer.
Das Kreuz mit der Psyche
Am unvermindert hohen Krankenstand konnte allerdings auch sein Engagement nichts ändern. Geht die Rechnung für die EVAG also doch nicht auf? Man muss differenzieren und genau hingucken. In den Fällen, die ich bearbeitet habe, sind die Fehlzeiten um 84 Prozent gesunken, sagt Schwakenberg. Sorgen macht ihm dabei weniger das Kreuz mit dem Kreuz - bundesweit mussten in 2006 ungefähr 26.000 Menschen rückenbedingt aus dem Arbeitsleben vorzeitig ausscheiden - sondern dass auch dabei immer öfter die Psyche mit ins Spiel kommt.
Der Anteil psychischer Erkrankungen ist deutlich höher als die Statistiken der Krankenkassen dies ausweisen, so seine Erfahrung. Die Leute sind nicht nur körperlich, sondern auch psychisch-mental ausgebrannt. Die psychische Beteiligung bei Ausfallzeiten wird zunehmen.
Text: FAZ.NET
Heuschrecken-Alarm bei ![]()
Strenge Aufsicht für Fannie Mae und Freddie Mac
Bundesamt warnt vor neuem Google-Browser
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.127,44 | -2,42 |
| TecDax | 761,19 | -4,17 |
| DowJones | 11.220,96 | +0,29 |
| Nasdaq | 2.255,88 | -0,14 |
| STOXX 50 | 3.185,83 | -2,72 |
| Nikkei 225 | 12.212,23 | -2,75 |
| S&P 500 Zert. | 12,28 | -3,08 |
| Euro/Dollar | 1,43 | +0,04 |
| Bund Future | 115,28 | +0,12 |
| Gold | 802,80 | +0,00 |
| Öl | 104,17 | -3,09 |