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Karrieresprung

Der Bewerber ist König

Von Bernhard Riester

Karrieresprung - wöchentlich bei FAZ.NET

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28. April 2007 Mehr und mehr werden Talente zur wichtigsten und zugleich knappsten Ressource für den Unternehmenserfolg. Schon jetzt klagt die Wirtschaft in einigen Branchen über Wachstumseinbußen aufgrund mangelnder Fachkräfte. Doch das ist erst der Anfang, denn Deutschland fehlt langfristig der Nachwuchs: Der Wettbewerb um die klugen Köpfe wird daher in den kommenden Jahren noch deutlich härter werden. Zunehmend sind es die Bewerber selbst, die die Spielregeln mitbestimmen. Damit stellen sie an das Personalmanagement von Unternehmen neue Anforderungen.

Qualifizierte Mitarbeiter werden in den kommenden Jahren immer begehrter, gleichzeitig aber auch anspruchsvoller. Geld allein wird in Zukunft nicht mehr ausreichen, um sie zu gewinnen. Die heutige Generation der Studienabsolventen legt ihrer Entscheidung, bei welchem Unternehmen sie den Vertrag unterschreibt, andere und vielfältigere Kriterien als in der Vergangenheit zu Grunde. Neben einem guten Gehalt setzen die künftigen Mitarbeiter zunehmend auch gute Arbeitsbedingungen und Aspekte wie Work-Life-Balance voraus. Auch die Unternehmenskultur, also die gelebte Wertekultur am Arbeitsplatz, sowie das soziale Engagement der Firma für die Gesellschaft interessieren die Bewerber bei der Jobsuche.

Rekrutierung als größte Herausforderung

Diese neue Generation fokussiert sich stärker auf die Attraktivität eines Unternehmens als den konkreten Job. Dabei verspüren die Nachwuchskräfte das Bedürfnis, schon früh eine verantwortungsvolle Rolle zugewiesen zu bekommen. Gleichzeitig fühlen sie sich dem Unternehmen in geringerem Maße verbunden als vorherige Generationen. Sind sie in ihrem Job unzufrieden und erfüllen sich ihre Erwartungen nicht, so sind sie weniger denn je bereit, die Arbeitsbedingungen zu akzeptieren. Stattdessen zögern sie nicht lange, nach dem passenden Unternehmen zu suchen, das ihre Vorstellungen besser erfüllen kann. Dies hängt auch damit zusammen, dass die künftigen Nachwuchskräfte ihren Job in starkem Maße als Lern- und Entwicklungsmöglichkeit auf dem Weg zu weiteren Karriereschritten sehen.

Vor diesem Hintergrund verwundert nicht, dass 85 Prozent der Personalverantwortlichen die Rekrutierung und dauerhafte Bindung qualifizierter Mitarbeiter für die größte Herausforderung der kommenden Jahre halten. Dies sind die Ergebnisse einer Umfrage von PricewaterhouseCoopers (PwC) unter internationalen Personalverantwortlichen. Gleichzeitig dürfte der Stellenwert des Personalmanagements steigen. So rechnen 62 Prozent der Befragten damit, dass es bis 2015 in den meisten Unternehmen einen Personalverantwortlichen auf Vorstandsebene geben wird. Allerdings erwarten ebenso viele, dass mit dem Statusgewinn der Erwartungsdruck steigt und klare Zielvorgaben für das Human-Resource-Management in den Unternehmen Einzug halten.

Langfristige Personalplanung? Fehlanzeige

Defizite zeigt die Umfrage bei der langfristigen Personalplanung der Unternehmen. So verfolgen zwar 60 Prozent eine auf drei bis fünf Jahre angelegte Personalstrategie, bei jedem dritten Unternehmen reicht der Planungshorizont jedoch nicht weiter als zwei Jahre. Nur jeder zehnte Personalchef blickt über die kommenden fünf Jahre hinaus.

Personalmanagement und Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass Mitarbeiter mobiler sind als früher. Schon heute glauben gut 35 Prozent der Personalverantwortlichen, dass im Jahr 2015 jeder dritte Beschäftigte im Unternehmen zuvor länger im Ausland gearbeitet hat. Knapp 30 Prozent der Befragten sind sogar der Ansicht, dass es bis 2015 in der EU einheitliche Arbeitsverträge und ein gemeinsames Arbeitsrecht gibt. Damit würde der europäische Arbeitsmarkt für Bewerber deutlich transparenter und der Schritt ins Ausland weiter erleichtert. Gleichzeitig zeichnet sich mit dieser Entwicklung ab, dass die Rekrutierungsmärkte der Zukunft nicht mehr die heimischen Regionen sein werden. Rekrutierung wird ein internationales Geschäft.

Bernhard Riester ist Leiter des Bereichs Human Resource Services bei PricewaterhouseCoopers



Text: FAZ.NET

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