Von Birgit Obermeier
27. Juni 2003 Kein Telefon, der Rechner nicht eingerichtet und vom Chef weit und breit keine Spur. Der erste Arbeitstag, freudig-aufgeregt, aber auch etwas angespannt erwartet, enttäuschte auf der ganzen Linie. Schon stellt der neue Mitarbeiter die Jobwahl zum ersten Mal in Frage. Ein paar weitere Enttäuschungen in den nächsten Wochen und die Zweifeln manifestieren sich.
Zwar müssen Unternehmen heute nicht mehr - wie zu Zeiten der aufgeheizten Jagd nach den High Potentials - gleich fürchten, daß daraus sofort eine Kündigung resultiert. Motivation und damit auch die Leistung des neuen Mitarbeiters leiden aber in jedem Fall, wenn er sich nicht richtig in das Unternehmen eingebunden fühlt.
Zeit für den Neuen
Die gelungene Integration beginnt bereits bei der Rekrutierung. Ehrlichkeit sei hier das oberste Gebot, sagt Petra Bernatzeder, Partner in der Münchner Personalberatung Upgrade. Was nutzt es, dem Bewerber die Stelle in leuchtenden Farben anzupreisen, wenn sie im Alltag ganz konkrete Schattenseiten aufweist - und damit zwangsläufig zu Enttäuschungen führt. Es kommt viel zu häufig vor, daß Unternehmen nicht exakt definieren, welche Kompetenzen sie tatsächlich brauchen, sagt Bernatzeder. Nicht auf die besten, sondern auf die richtigen Köpfe komme es bei der Stellenbesetzung an.
Am ersten Arbeitstag ist der Chef in der Pflicht: Sich Zeit für den neuen Mitarbeiter nehmen, ihn den Kollegen vorstellen, dafür sorgen, daß er nicht allein Essen gehen muß und im offenen Gespräch unter vier Augen die Erwartungen klären: Welche konkreten Aufgaben soll er übernehmen, welche Ziele erreichen, mit welchen Entwicklungsmöglichkeiten kann er rechnen? Ein Blumenstrauß und ein Stapel neuer Visitenkarten auf dem Schreibtisch vermitteln dem Neuen das Gefühl, erwartet und willkommen zu sein. Eine Zusammenstellung wichtiger Informationen - von der Telefonliste bis zur Kantinen-Regelung - beantwortet schon mal eine Reihe von Fragen.
Erwartung trifft Realität
Viele weitere stellen sich in den folgenden Wochen. Psychologen sprechen von der Konfrontationsphase, wo Erwartungen auf Realität treffen - was selten ohne Enttäuschung abgeht. Wird der Neue ins kalte Wasser geworden, fühlt er sich schnell überfordert und frustriert. Ebenso schlimm seien Langeweile oder ein Schonprogramm à la Lesen Sie sich erst mal ein, meint Bernatzeder. Um den Mitarbeiter möglichst schnell ins operative Geschäft einzubeziehen und ihm die kleinen Eigenheiten des Unternehmens nahezubringen, raten Experten, ihm einen erfahrenen Kollegen als Ansprechpartner zuzuweisen.
Insbesondere Berufsanfängern, die kaum Erfahrung haben, aber auch nicht durch vermeintlich dumme Fragen auffallen wollen, kann dieser Pate die erste Zeit der Unsicherheit erleichtern. Und dabei helfen, Kontakt zu möglichst vielen Kollegen und damit eine Bindung zum Unternehmen aufzubauen. Gefragt ist in den ersten Wochen aber auch der Vorgesetzte: Die neue Tätigkeit verläuft anfangs häufig nach dem Trial-and-Error-Prinzip. Spart der Chef mit Feedback - sei es auch nur aus Nachsicht - verstärkt er damit nur Fehler.
Gefragt: Teamplayer statt Highfligher
Der Einstieg in einen neuen Job sei heute deutlich schwieriger als in den vergangenen, wirtschaftlich prosperierenden Jahren, glaubt Gunnar Kunz, Inhaber der Ginsheimer Personalberatung nwp consult: Der Neue muß schnell unter Beweis stellen, was er kann, darf aber keinesfalls am Team vorbei agieren. Highfligher, die sich unbeirrt ihren Weg nach oben zu bahnen versuchen, seien derzeit nicht gefragt. Erst einmal im Team mitarbeiten, sich horizontal orientierten und versuchen, sich über gemeinsame Projekte zu profilieren, lautet seine Empfehlung. Denn: In Zeiten des existentiellen Drucks ist die Frustrationstoleranz der Kollegen gering. Er hält das Team für ein wichtiges und durchaus positives Korrektiv, das in der Probezeit nicht selten über Bleiben oder Gehen im Unternehmen entscheidet. Freilich, räumt Kunz ein: Kreative haben es bei dem heutigen Anpassungsdruck eher schwer.
Text: @ober
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Kommentar: Kommissarin rustikal
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