Karrieresprung
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Karrieresprung

Was tun, wenn's kriselt?

Karrieresprung - bei FAZ.NET

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05. April 2002 „Das Unternehmen kündigte an, dass es in den nächsten Monaten zu größeren Umstrukturierungen kommen wird.“ Was sich in der Zeitung beinahe täglich nüchtern liest, stürzt die Mitarbeiter in ein Gefühlschaos. Möglicherweise ist ihr heutiger Job bereits Geschichte. Möglicherweise eröffnen sich aber auch neue Chancen. Ist der erste Schrecken verdaut, heißt es: Die persönliche Situation sachlich und klar analysieren.

Welche Indizien dabei helfen und wie sich das Wissen nutzen lässt, erläutert Winfried Berner im Gespräch mit FAZ.NET. Berner war lange Zeit als Spezialist für Change Management bei der Boston Consulting Group tätig und gründete anschließend Die Umsetzungsberatung (www.umsetzungsberatung.de) . Er berät Unternehmen bei Umstrukturierungen, Fusionen und in Sachen Krisen-Management.

Herr Berner, wie lässt sich herausfinden, ob der eigene Arbeitsplatz von der Umstrukturierung bedroht ist?

Die erste Frage lautet: Ist der Bereich überhaupt betroffen? Dafür gibt es zwei Quellen: Die Informationen, die das Unternehmen veröffentlicht hat, insbesondere für den Kapitalmarkt. Und die direkte Frage an die Chefs: „Was haben Sie vor? Wie wirkt sich das auf unsere Abteilung aus?“ Ist Personalabbau geplant, stellt sich die unangenehmste Frage: Welche Nachteile hätte die Firma, wenn sie Ihren Job streichen würde? Hart, aber ehrlich gefragt: Welchen „Return on Investment“ bringen Sie? Das Kündigungsschutzgesetz verpflichtet Arbeitgeber außerdem, „nach sozialen Gesichtspunkten“ abzubauen. Dann zählen Betriebszugehörigkeit, Alter und Unterhaltsverpflichtungen.

Wie verschafft man sich ein realistisches Bild über den persönlichen Marktwert?

Gehaltsspiegel liefern allenfalls einen groben Anhaltspunkt. Das einzige „harte“ Indiz sind konkrete Angebote. Den eigenen Marktwert zu kennen, ist wichtig. Ihn systematisch weiter zu entwickeln, noch wichtiger - entlang der gedanklichen Linie: Wie können Sie Ihren Nutzen, Ihren ROI, für den heutigen oder künftige Arbeitgeber erhöhen? Entwickeln und kultivieren Sie die Fähigkeit, ein zentrales Problem Ihres Unternehmens zu lösen. Das sichert nicht nur den Job, sondern verbessert auf Dauer auch Ihr Gehalt.

Gibt es Spielregeln bei der Neubesetzung von Stellen?

In erster Linie entscheidet der Ruf, den Sie sich über die Jahre hinweg im Unternehmen aufgebaut haben. Nicht allein durch gute Arbeit übrigens, sondern auch die Fähigkeit, diese überzeugend zu verkaufen. Einzige Chance zur aktiven Einflussnahme auf die Neubesetzung - falls dieser Zug noch nicht abgefahren ist: Gute und engagierte (nicht: anbiedernde!) Arbeit in einem Projektteam leisten, das an der Umstrukturierung mitarbeitet.

Die Entscheidungen ziehen sich und der Wunsch wächst, „alles hinzuschmeißen“...

Unter keinen Umständen! Einen Anspruch auf Abfindung hat nur, wer entlassen wird. Der spektakuläre Auftritt hätte einen hohen Preis.

Welche Chancen kann eine Umstrukturierung bieten?

Das neue Organigramm liefert eine Momentaufnahme des internen Marktwerts. Aufsteiger wie Absteiger sind glasklar dokumentiert. Damit ist zugleich das „Qualifying“ für die nächste Umstrukturierung eröffnet. Wo auch immer Sie diesmal gelandet sind, bereiten Sie sich für die nächste Runde vor!

Es kommt ein externes Angebot und die Frage stellt sich: „Bleiben oder Gehen“? Welche Überlegungen helfen bei der Entscheidung?

Nicht von Titeln und Geldbeträgen verführen lassen! Viel wichtiger ist, ob der angebotene Job zu Ihrem Leben passt - sowohl zu den beruflichen Neigungen wie auch persönlichen Prioritäten, einschließlich denen Ihrer Familie. Auch Solidität und Kultur der Firma verdienen Aufmerksamkeit: Was für ein Klima herrscht dort? Wie wohl würden Sie sich fühlen?

Für Opfer des Personalkarussells: Wie verschaffen sie sich gute Konditionen für ihr Ausscheiden?

In der Regel sind Firmen bemüht, Umstrukturierungen möglichst geräuschlos über die Bühne zu bringen. Das eröffnet einen gewissen Verhandlungsspielraum - so lange Sie nicht überreizen. Hören Sie sich das erste Angebot an, ohne Stellung zu nehmen. Beraten Sie sich dann mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht. Überlegen Sie, was Ihnen wirklich nützt. Möglicherweise bringt ein Outplacement mehr als eine hohe Abfindung - insbesondere wenn Sie ahnen, dass es nicht einfach wird, einen guten neuen Job zu finden.

Buchtipp: Winfried Berner: Bleiben oder Gehen?, Verlag Redline Wirtschaft, 24,90 ¬

Das Gespräch führte Birgit Obermeier



Text: @mey

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