Von Jens Kemle
27. Oktober 2006 Der Auslandsaufenthalt ist für alle Beteiligten eine Herausforderung. Oft haben Expatriates einen größeren Gestaltungsspielraum in ihrer neuen Funktion - das kann manchmal schon Angst machen, wenn es ungewohnt ist, weiß Brigitte Hild von der Agentur Going Global.
In der neuen Umgebung muß man sich gleich an zwei neue Kulturen gewöhnen: die Kultur des Gastlandes selbst und in Folge dessen womöglich auch an eine veränderte Unternehmenskultur. In interkulturellen Kursen, können Sie sich darauf vorbereiten.
Wo bekomme ich Schuhgröße 46?
Einer der größten privaten Anbieter von Vorbereitungskursen in Deutschland ist das Institut für Interkulturelles Management (IFIM) in Rheinbreitbach. Das IFIM betreut zahlreiche Dax-Konzerne und bietet Ausreiseseminare für insgesamt 15 Länder an. Die Kurse dauern dreieinhalb Tage und werden von einem Trainer aus Deutschland und aus dem jeweiligen Zielland geleitet.
In Rollenspielen und Kleingruppen lernen die Teilnehmer, auf was sie achten müssen. Wir versuchen eine möglichst gute Verzahnung zwischen Theorie und Praxis und vermitteln nicht nur Managementkenntnisse, sagt Rolf Daufenbach, interkultureller Trainer am IFIM. Das ist umso wichtiger, weil es vor Ort oft die kleinen Dinge sind, die große Probleme bereiten. Wo bekomme ich Schuhgröße 46? Wo kann ich Fruchtzwerge für meine Kinder kaufen? Diese Fragen sollten schon vor der Abreise so gut es geht geklärt werden. Eine Vorbereitung hilft dabei, sich schneller einzugewöhnen und Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Die Unternehmen übernehmen in aller Regel die Kosten für solche Kurse.
England
Trotz einer geringen Arbeitslosenquote sind die Hürden in England für den Berufseinstieg oder eine Auslandstätigkeit überwindbar. Zumindest mit der Sprache dürfte es hier weniger Probleme geben. Das Anforderungsprofil ist zudem recht breit und bietet gerade für Deutsche gute Chancen. Vor allem Sozialpädagogen werden derzeit benötigt, hinzukommen Krankenschwestern, Allgemeinärzte, Zahnärzte und Psychiater. Call-Center melden ebenfalls einen erhöhten Bedarf, sagt Sabine Seidel von der Zentralen Arbeitsvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit (BA).
Akademiker haben gute Chancen bei Banken, Versicherungen sowie in den Bereichen Werbung, Marketing und PR. Kompatibilitätsprobleme mit ausländischen Hochschulabschlüssen gibt es in England selten. Boom-Regionen sind neben London (Finanzen, Tourismus), das Thames-Valley (Hightechindustrie), Birmingham und Manchester (Industrie) sowie Newcastle (Chemie, Nanotechnologie, Software) und Cambridge (Biotechnologie, Pharma)
Schottland
Das eigenwillige Völkchen im Norden Großbritanniens kann sich über eine rund laufende Wirtschaft freuen. Weil auf dem heimischen Markt Arbeitskräfte fehlen, stehen die Chancen für einen Einstieg nicht schlecht. Gesucht werden vor allem Fachkräfte für Lebensmittelwissenschaften, Elektrodesign sowie Ingenieure, IT-Experten und Finanzleute. Die Bruttogehälter sind zwar geringer als in Deutschland, aber die Abzüge fallen niedriger aus, weshalb letztlich mehr übrig bleibt.
Irland
Mit einem Beschäftigungszuwachs von 54 Prozent ist Irland in den vergangenen zehn Jahren aufgestiegen. Das ehemalige Armenhaus Europas hat heute praktisch Vollbeschäftigung erreicht und die geringste Arbeitslosenquote in der ganzen EU. Niedrige Unternehmenssteuern und hohe Auslandsinvestitionen sorgen dafür, daß der Bedarf an Arbeitskräften weiterhin anhält: Für Ingenieure, IT-Fachleute, Call-Center-Mitarbeiter, Ärzte und im Gastro- und Hotelgewerbe gibt es offene Stellen. Englisch wird vorausgesetzt.
Finnland
In Finnland werden vor allem Ingenieure in aktuellen Bereichen wie Bau und Maschinen gesucht. Zudem haben Lehrer gute Chancen. In Finnland haben wir immer das Problem, daß Finnisch vorausgesetzt wird, sagt Andreas Roger, Berater im Europa-Service der BA in Rostock. Zwar ist Deutsch nach Englisch noch immer die zweitwichtigste Fremdsprache, aber dennoch sind viele Stellenausschreibungen nur in der Landessprache. In den Bereichen Mobilfunk gibt es im Mutterland von Nokia derzeit keinen größeren Arbeitskräftebedarf. Trotz einer relativ hohen Arbeitslosigkeit, bemühen sich die Finnen jüngere Arbeitskräfte ins Land zu holen. Die Finnen sind sehr offen, so Roger. Im Internet betreibt das finnische Arbeitsministerium eine eigene Seite, das über aktuelle Stellenangebote informiert.
Schweden
Das Land hat zwar eine deutschstämmige Königin und die Firmensprache in vielen Unternehmen ist Englisch, aber ohne Schwedischkenntnisse sind die Aufstiegschancen begrenzt. Wie überall in Skandinavien haben die Reformen auch in Schweden zu geringen Arbeitslosenzahlen bei einem ordentlichen Wirtschaftswachstum geführt. Gute Chancen haben vor allem Ingenieure und IT-Spezialisten. Eher ungewöhnlich für den Norden Europas ist, daß Akademiker mit geringerem Gehalt rechnen müssen, obwohl die Lebenshaltungskosten rund 20 Prozent höher liegen als in Deutschland.
Norwegen
Das nördliche Land leidet unter akutem Fachkräftemangel in gewerblich-technischen Berufen und der IT-Branche. Zudem dürstet Norwegen nach Akademikern vor allem bei der Ölförderung. Die Offshore-Industrie benötigt Ingenieure, Geologen und Geophysiker, um die komplexen Anlagen und die Instandhaltung der Bohrlöcher gewährleisten zu können. Das Gesundheitssystem hat zudem Bedarf an Ärzten, Zahnärzten und Apothekern.
Gerade für Ärzte bietet Norwegen interessante Perspektiven. Es fallen nicht so viele Überstunden an und wenn doch, dann werden sie bezahlt, sagt Seidel. Der Verdienst sei zwar zum Teil dreimal so hoch, allerdings sind die Lebenshaltungskosten auch sehr hoch, so die ZAV-Sprecherin. Wer bereit ist, auch in entlegenen Gebieten tätig zu werden, kommt sogar in den Genuß von einer Reihe weiterer Fördermaßnahmen, wie kostenlose Sprachkurse.
Anfangsstadium ist kräftezehrend
Die größte Herausforderung im Ausland ist neben kulturellen und betrieblichen Unterschieden die Beziehung zum Partner. Das ist der größte Killer, weiß Daufenbach. Die Trennungs- und Scheidungsraten gehen bei Auslandseinsätzen massiv nach oben. Vor allem junge Paare sollten bereits vor dem Auslandsaufenthalt verschiedene Szenarien durchspielen, rät der Trainer.
Die Abkopplung vom vertrauten sozialen Netzwerk der Heimat bereiten meist die größten Schwierigkeiten, neuen Anschluß zu finden gestaltet sich oft kompliziert. Probleme entstehen vor allem häufig, wenn einer von beiden viel aufgeben mußte. Sie sollten nicht unterschätzen, daß eine neue Tätigkeit fern der Heimat gerade im Anfangsstadium sehr kräftezehrend ist und damit eine enorme Belastungsprobe darstellt. Es ist wichtig, die Balance in Familie und Partnerschaft wieder zu finden, rät auch Brigitte Hild.
Dienstleister übernimmt Behördengänge
Leichter gesagt, als getan: Helfen kann zum Beispiel der Austausch mit anderen Betroffenen. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Communities, wie Just Landed oder German Expats. Auf diesen Plattformen haben sich im Ausland tätige Menschen verknüpft und tauschen ihre Erfahrungen untereinander aus. Zusätzlich finden Sie hier viele nützliche Hinweise und Informationen zu den spezifischen Eigenheiten Ihrer neuen Heimat und weiterführende Links, die helfen, die neuen Herausforderungen zu bewältigen.
Auch direkt vor Ort steht Hilfe parat. Sogenannte Relocation-Agenturen helfen Ihnen dabei, eine neue Wohnung zu finden, sind bei der Suche nach einer geeigneten Schule behilflich oder erledigen Behördengänge. Bei Familienmitnahmen empfehlen wir, daß man sich mindestens zwei Monate davor mit uns in Verbindung setzt, sagt Petra Grossmann, Geschäftsführerin vom Relocation Service Averto. Die Agentur hat sich auf die Vermittlung von Führungskräften spezialisiert und ist Mitglied im Netzwerk der European Relocation Association (EuRA), die in 17 verschiedenen europäischen Ländern vertreten ist.
Internationale kostenlose Hotline
Vor dem Neustart in einem anderen Land übernimmt Averto zunächst die Abmeldung in Deutschland, etwa beim Einwohnermeldeamt oder Landratsamt. Für die neue Tätigkeit kümmert sich der Dienstleister entsprechend um die Aufenthaltsgenehmigung und die Arbeitserlaubnis. In den neuen EU-Beitrittskandidaten und einigen anderen europäischen Ländern wie Österreich muß eine sogenannte Freizügigkeitsbescheinigung beantragt werden.
Zum Service von Averto gehört ferner eine internationale Hotline. Wenn jemand mit der Kreditkarte bezahlt, und es gibt Probleme mit der neuen Bankverbindung, kann man uns kostenlos anrufen, sagt Grossmann. Die Betreuung findet in enger Abstimmung mit dem Betreuer statt und ist auf die jeweiligen Bedingungen und Bedürfnisse zugeschnitten. Auch diese Kosten werden im Normalfall vom Arbeitgeber übernommen.
Im dritten und letzten Teil der Karrieresprung-Serie über Arbeiten im Ausland geht es um Arbeitsmöglichkeiten in Südeuropa. Zudem erhalten Sie Tips für das Aushandeln von Entsendungsverträgen und was man bei der Rückkehr in den Mutterkonzern beachten sollte.
Nützliche Links:
www.europaserviceba.de/
www.ec.euorpa.eu
www.convinus.ch
www.goingglobal.de
www.germanexpats.com
www.justlanded.com
www.mol.fi
www.eura-relocation.com
www.averto.com
Text: FAZ.NET
Die Kanzlerin ist vom Gipfel ![]()
Eklat zum Abschluss des Gipfels
Banker-Boni: Das Spiel geht weiter
| Name | Kurs | in % |
| DAX | 5.831,21 | −0,23% |
| TecDAX | 815,34 | −0,05% |
| MDAX | 7.393,75 | −0,14% |
| SDAX | 3.555,37 | +0,22% |
| REX | 378,74 | +0,12% |
| Eurostoxx 50 | 2.871,22 | −0,71% |
| Dow Jones | 10.328,90 | +0,20% |
| Nasdaq 100 | 1.807,36 | +1,64% |
| S&P500 | 1.102,47 | +0,58% |
| Nikkei225 | 10.142,00 | −0,21% |
| EUR/USD | 1,4336 | −0,09% |
| Rohöl Brent Crude | 73,88 $ | +0,90% |
| Gold | 1.104,50 $ | −1,12% |
| Bund Future | 123,43 € | −0,01% |