Von Birgit Obermeier
31. Januar 2003 Wenn sie es schaffen, gelten sie als Vorzeigefrauen. Miriam Meckel etwa, Kommunikationswissenschaftlerin und mittlerweile Staatssekretärin des Landes Nordrhein-Westfalen, wurde vor ein paar Jahren von der Presse als Deutschlands jüngste Professorin gefeiert. Stolz ist man auch auf Christiane Nüsslein-Vollhart, die für ihre Grundlagenforschung über genetische Steuerungsmechanismen als eine der wenigen Frauen überhaupt 1995 einen Nobelpreis erhielt.
Der Weg zur Professur ist für Frauen hierzulande aber immer noch steinig. Auch wenn sich in den vergangenen Jahren eine Menge getan hat: Von Chancengleichheit an Hochschulen und Forschungseinrichtungen kann längst nicht die Rede sein. Ein Blick in die Statistik genügt: Je höher das Stadium einer wissenschaftlichen Laufbahn, desto rasanter sinkt der Anteil der Frauen.
Karriereknick nach der Promotion
Heute beginnen hierzulande mehr junge Frauen als Männer ein Studium. Auch beim Einstieg in die Wissenschaft haben sie aufgeholt: Jede dritte Dissertation wird mittlerweile von einer Frau verfasst. Das lange widergekäute Argument, es mangle schlichtweg an qualifizierten Aspirantinnen auf eine Professur, ist damit überholt. Unter den Habilitanden finden sich dennoch nur 18 Prozent Frauen. Zur Professorin wurden 2001 gerade mal 15,2 Prozent berufen. Insgesamt liegt der Frauenanteil an Professorenstellen - die neu geschaffenen Juniorprofessuren eingeschlossen - derzeit bei rund elf Prozent. Und auch hier gilt: Je höher die Wertigkeit der Professur, desto seltener ist sie weiblich besetzt.
Das Problem ist in großem Maße ein strukturelles. In einer stark männlich dominierten Hochschullandschaft sitzen nur selten Professorinnen in den Berufungskommissionen. Starre Altersfristen und die Bewertung der Qualifikation des Bewerbers an (der Länge) seiner wissenschaftlichen Publikationsliste lassen kaum Gelegenheit für eine Auszeit - etwa zur Kinderbetreuung. Ungerade Wege sind in der Wissenschaft unüblich. Hinzu kommt freilich, dass sich Frauen häufig zu wenig zutrauen - nicht zuletzt weil es ihnen an Vorbildern in der Wissenschaft fehlt.
Förderung statt Quoten
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) will den Professorinnen-Anteil bis 2005 signifikant steigern. Nicht durch Quotenregelungen, sondern durch Aufklärungsarbeit, einer verstärkten Geschlechterforschung sowie der gezielten Förderung fähiger Frauen. So erhalten die Länder etwa Zuschüsse, mit denen sie Mentoring-Programme, Coaching oder Präsentations-Seminare an den Hochschulen fördern sollen.
An der Universität Bonn wurde mit dem Center of Excellence Women in Science (CEWS) eine bundesweite Koordinierungs- und Beratungsstelle eingerichtet. Promovierte Wissenschaftlerinnen können sich dort in eine Datenbank eintragen. Diese wird vom CEWS konsultiert, wenn Bund, Länder oder EU Spezialisten suchen oder sich auf eine ausgeschriebene Professorenstelle zu wenig Frauen bewerben. Zur gezielten Karriereplanung bietet das CEWS Wissenschaftlerinnen ein Seminar an, in dem das Besetzungsverfahren simuliert wird - angefangen von der schriftlichen Bewerbung über den Probevortrag bis hin zum Gespräch in der Berufungskommission.
Dort lernen sie, Fragen und die dahinter stehenden Interessen zu interpretieren. So mancher Teilnehmerin wird dabei klar, dass zu einer Professur nicht nur Forschung und Lehre, sondern auch Gremienarbeit und jede Menge Hochschulpolitik gehören, sagt Projektleiterin Jutta Dalhoff. Für andere wird ein scheinbar objektives Bewerbungsverfahren entmystifiziert. Leistung allein zählt bei der Besetzung einer Professur eben nicht. Entscheidend ist auch die Bekanntheit innerhalb des Fachbereichs. Die erwirbt man durch Vorträge auf wichtigen Tagungen und Publikationen. Nur wer von den wichtigen Vertretern des Fachs wahrgenommen und in deren 'Zitierkartell' aufgenommen wird, gilt als angesehen, so Dalhoff. Die Reputation spielt in der Wissenschaft eine zentrale Rolle. Vertretungsprofessuren etwa werden meist auf informellem Weg besetzt.
Rein in die Old-Boys-Netzwerke
Ergo: Frauen müssen Netzwerke knüpfen - auch wenn ihnen diese 'Seilschaften' häufig widerstreben, sagt Anja Frohnen, die mit ihrem Institut Impuls Plus Wissenschaftlerinnen in der Karriereplanung berät. Dem kann Cilja Harders nur zustimmen. Die Juniorprofessorin für Politikwissenschaft und Geschlechterforschung an der Ruhr-Universität Bochum hat in frauenpolitischen Vereinigungen der Uni nützliche Tipps erhalten und erste Gehversuche bei wissenschaftlichen Vorträgen gemacht. Aber auch fachwissenschaftliche Netze und die Mitgliedschaft in Standesvereinigungen sind wichtig, sagt Harders. Frauen sollten sich nicht von den Old-Boy-Clubs abschrecken lassen.
Die gezielte Karriereplanung beginnt aber schon früher, sagt Trainerin Frohnen: Frau sollte sich schon bei Antritt ihrer Promotion klar werden, ob sie eine Karriere in der Wissenschaft anstrebt. Mit all ihren Anforderungen hinsichtlich fachlichem Know-How, Mobilität und Berufsrisiko. Schließlich gilt in der Wissenschaft - stärker als in der Wirtschaft - das Prinzip: Hopp oder Top.
Center of Excellence Women in Science (Universität Bonn): http://www.cews.uni-bonn.de
Beratungsinstitut Impuls Plus: www.akademische-karriere.de
Text: @ober
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