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Karrieresprung

Zurück auf Los

Von Birgit Obermeier

Karrieresprung - bei FAZ.NET

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26. November 2004 Spannende Aufgaben, erfüllbare Anforderungen, das alles in der richtigen Stadt - die Stelle klingt nach einem Traumjob. Allein: Zu vergeben hat sie der alte Arbeitgeber.

Der Gedanke, dort wieder einzusteigen, mag bei so manchem gemischte Gefühle auslösen: Was werden die alten Kollegen und Vorgesetzten sagen? Kommt eine Rückkehr nicht einem Eingeständnis gleich - daß man es anderswo nicht geschafft hat?

Um eine Notlösung oder gar einen Schritt zurück muß es sich aber längst nicht handeln. „Schon gar nicht bei größeren Unternehmen, die grundsätzlich eine Reihe von Entwicklungsmöglichkeiten bieten“, meint die Wiesbadener Karriere-Beraterin Ute Bölke. Entscheidend für eine glückende und glückliche Rückkehr sind zwei Fragen: Was war der Grund des Ausscheidens? Und: Wie verlief der Abschied? Wer in der Probezeit rausgeflogen ist, hat in aller Regel seine Chance vertan. Ähnliches steht zu befürchten, wenn es ein Mitarbeiter gar nicht erwarten konnte, zu gehen - und dies auch kundgetan hat.

Alte Kollegen anzapfen

Wer aber aus freien Stücken und in gegenseitigem Einvernehmen seinen Hut genommen hat, kann problemlos wieder anklopfen, versichern Personalberater. Gleiches gilt für Mitarbeiter, die betriebsbedingt gekündigt wurden - „sofern das Unternehmen im Zeugnis sein Bedauern ausgedrückt hat“, sagt Michaela Parizek von der Karriere- und Outplacement-Beratung Lee Hecht Harrison. Die Hypo-Vereinsbank etwa mußte sich vergangenes Jahr von „vielen richtig guten Leuten trennen“, sagt Oliver Maassen, Leiter Personalmarketing. „Bewerbern sie sich erneut auf vakante Stellen, spricht ihre Personalakte für sie“.

Professionell agiert, wer in der Zwischenzeit Kontakt zu seinen früheren Kollegen und Vorgesetzten gehalten hat. „Das ist eine der wichtigsten Grundeigenschaften im Wirtschaftsleben“, sagt Maassen. Die Kollegen dienen als erste Anlaufstelle, um sich ganz allgemein über Jobmöglichkeiten oder eine ausgeschriebene Stelle zu informieren. „Keinesfalls sollte sich ein ehemaliger Mitarbeiter per Standardanschreiben bei der Personalabteilung bewerben - das wirkt etwas merkwürdig“, meint Ute Bölke.

Du wieder hier?

Ein paar zusätzliche Fragen müssen sich Rückkehrer gefallen lassen, soviel steht fest. Personalexperten empfehlen daher, vorab ein Statement zu erarbeiten, das die Beweggründe klärt und belegt, daß man sich zwischenzeitlich weiter qualifiziert hat. Überzeugend wirkt etwa eine Bewerbung auf eine bereits früher anvisierte Position im Unternehmen, die plötzlich frei wird. Zwingend höher einsteigen muß man aber nicht - weder in Bezug auf Position noch Vergütung, sagt Michaela Parizek: „Wir müssen uns davon verabschieden, daß Gehälter linear anwachsen.“

Sehr wohl aber empfiehlt sich, beim zweiten Mal anders zu beginnen: Für wen die Rückkehr ein Weg aus der Arbeitslosigkeit oder einem unbefriedigenden Job ist, sollte sich - sofern er die Wahl hat - in einer anderen Abteilung bewerben. Das verspricht eine zumindest in Teilen neue Aufgabe. Und ein neues Team. Trifft man auf alte Kollegen, gelte es, seine Rückkehr mit einem gewissen Anspruch verkaufen, sagt Michaela Parizek. Allerdings: „Ein dickes Fell schadet in den ersten Tagen sicher nicht.“

Generell für die Rückkehrer spricht, daß sie das Unternehmen bereits kennen. So steht BMW Wiedereinsteigern grundsätzlich positiv gegenüber - vorausgesetzt, das einst ausgestellte Zeugnis ist gut: „Der Mitarbeiter beweist Flexibilität und bringt neben einem Perspektivenwechsel auch zusätzliches Know-how mit“, begründet Tobias Nickel, Leiter Recruiting beim Münchner Automobilkonzern. Ebenso gilt: Wer bereits im Unternehmen gearbeitet hat, verfügt über ein internes Netzwerk und kennt die Prozesse. „Das bedeutet sechs bis zwölf Monate weniger Einarbeitungszeit“, sagt Oliver Maassen von der Hypo-Vereinsbank.

Da weiß man, was man hat

Und schließlich weiß der Arbeitgeber, wen er einkauft. Insbesondere bei verantwortungsvollen Jobs sei dies ein wichtiges Kriterium, sagt der auf die Medienbranche spezialisierte Münchner Personalberater Andreas Kaiser. Aus seiner beruflichen Praxis weiß er freilich auch, daß rationale Argumente nicht immer zählen. „Vielen Vorgesetzten fällt es nicht leicht, ihren ehemaligen Mitarbeiter wieder einzustellen.“ Selbst wenn man sich scheinbar im besten Einvernehmen getrennt hat: „Da bleiben manchmal ungute Gefühle zurück“, sagt Kaiser.

Wer in den Genuß kommt, von seinem Ex-Chef zur Rückkehr gedrängt zu werden, darf sich geschmeichelt fühlen, zweifellos. Dann aber heißt es, sich Bedenkzeit zu erbitten und zu reflektieren: Warum bin ich seinerzeit gegangen? Mit welchen Erwartungen an die neue Stelle? Bin ich dort glücklich? Unter welchen Bedingungen würde ich zurück gehen? Paßt das zu meiner Karriereplanung? In jedem Fall ist die Anfrage ein persönliches Gespräch wert. Häufig bleibe es derzeit auch dabei, weiß Michaela Parizek: „Vielen ist gegenwärtig der Spatz in der Hand lieber.“ Mit astronomischen Gehältern werden eben nicht viele gelockt.

Text: @rwi

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