Karrieresprung

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Top-Managementschmieden: Was sie besser machen

Von Niels Rasmussen

11. April 2008 Die Nokia Corporation hat es geschafft: Das finnische Unternehmen führt das aktuelle Ranking „Top Companies for Leaders“ an und ist damit der attraktivste Arbeitgeber für Führungskräfte in Europa. Nokia wählt bereits im Rekrutierungsprozess die neuen Talente mit höchster Sorgfalt aus. Aus halbjährlichen Mitarbeitergesprächen resultieren aktuelle Talent-Listen, auf der Führungskräfte die Mitarbeiter ihres Teams mit hohem Entwicklungspotenzial und großen Karrierechancen für zukünftige Führungsaufgaben nominieren. So werden kontinuierlich die Mitarbeiter der eigenen Reihen identifiziert, die fachlich und persönlich für den nächsten Karriereschritt bereit sind. Diese Führungskultur bietet Talenten transparente Karrierechancen, motiviert, treibt zu Höchstleistungen an und führt zu einer langfristigen Bindung an das Unternehmen.

Diese Erkenntnisse resultieren aus der Studie „Top Companies for Leaders 2007“, die die Managementberatung Hewitt Associates in Kooperation mit der RBL Group, gegründet von HR-Vordenker Dave Ulrich und dem Wirtschaftsmagazin Fortune durchgeführt hat. 540 Unternehmen weltweit wurden hinsichtlich ihrer Führungskultur, -strategien und -prozesse im Bereich der Führungskräfteentwicklung analysiert und bewertet. Unter den Top 10 in Europa sind drei deutsche Unternehmen zu finden: unsere Managementschmieden sind Lufthansa, SAP und BMW.

Konsequent investieren

Unternehmen, die konsequent in ihre talentierten Nachwuchskräfte investieren und sie zu Führungskräften weiterentwickeln besitzen einen gut gefüllten Pool an zukünftigen qualifizierten Entscheidern. Unternehmen haben deutlich bessere Chancen, die Herausforderungen der zunehmend globalen Märkte erfolgreich zu meistern und sich langfristig Wettbewerbsvorteile zu sichern, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Leute in die entscheidenden Positionen bringen können.

Der Einfluss von strategischer Führungskräfteentwicklung und Talentmanagement kann sogar bis zu zweistelligen Wachstumsraten führen. BMW (Platz 10 im Europaranking) darf zu Recht stolz darauf sein, dass 90 Prozent der Führungskräfte aus den eigenen Reihen stammen und es verwundert auch nicht, dass die Fluktuationsrate unter einem Prozent liegt. Doch was zeichnet eine gute Führungskultur aus? Was können Führungskräfte für ein erfolgreiches Nachfolgemanagement tun?

Erfolgreich führen - aber wie?

Führungskultur wird durch die Mitarbeiter der obersten Hierarchieebene im Unternehmen geprägt. Gerade die Top-Manager müssen sich um die Besetzung und Entwicklung der Nachwuchskräfte bemühen und einen direkten und verantwortungsvollen Führungsstil pflegen. In Spitzenunternehmen investieren Führungskräfte bis zu 50 Prozent der Arbeitszeit für die Führung der Mitarbeiter. Der kontinuierliche Kontakt zu den Talenten im Unternehmen zahlt sich aus, das Return on Investment (ROI) ist hoch. Der persönliche Austausch mit der Vorstandsebene zum Beispiel bei einem gemeinsamen informellen Mittagessen oder die Chance, in Projekten zu arbeiten, die sich unmittelbar auf den Unternehmenserfolg auswirken, motiviert Nachwuchskräfte und bietet ihnen eine echte Perspektive im Unternehmen, was sich wiederum in einer erhöhten Loyalität und Zufriedenheit ausdrückt.

Der Softwarehersteller SAP vertraut auf diesen Grundsatz und Harald Borner, Top-Talente-Manager, bestätigt, dass der regelmäßige inhaltliche Austausch zwischen Chefs und Nachwuchskräften eines von SAPs Erfolgsrezepten sei. Zudem entsteht auf Grundlage dieser Transparenz ein vertrauenswürdiges und gutes Betriebsklima, das nicht zuletzt die Reputation des Unternehmens verbessert und auf lange Sicht weitere Talente anlockt.

Richtige Programme machen sich bezahlt

Talentierte Mitarbeiter zu Kursen an renommierten Business Schools zu schickten, reicht heute nicht mehr aus. Top-Companies setzen auf geschäftsorientiertes Lernen und begleiten junge Nachwuchskräfte durch Coachs oder Mentoren. Diese Methodik ist beispielsweise eine der Erfolgsformeln des Europasiegers Nokia. Das finnische Unternehmen setzt konsequent auf das Mentoring, bei dem Nokia-Führungskräfte ihre Erfahrung und ihr Wissen in stetigem Austausch an Nachwuchskräfte weitergeben. Nokia setzt ferner auf regelmäßige Coachings und Workshops, welche die Mitarbeiter zur Weiterbildung nutzen können.

Diese Tools sind wiederum das Erfolgsgeheimnis von General Electric, dem Unternehmen, das an der Spitze des weltweiten Rankings steht. Bekannt geworden durch die Crotonville Schulungsanlage in der Nähe von New York, in der über Jahre hinweg Nachwuchskräfte, insbesondere unter der Regentschaft Jack Welchs, ihren Management-Feinschliff erhielten, setzt das Unternehmen heutzutage auf eine dezentrale Online-Weiterbildung. Somit ist gewährleistet, dass Nachwuchskräfte von überall auf der Welt über das Intranet Zugriff auf ein Weiterbildungsangebot genießen dürfen. Dabei geben erfolgreiche Unternehmen nicht zwingend mehr Geld für Schulungsprogramme aus, sie achten jedoch stärker darauf, dass die Programme wirklich genutzt und aufeinander abgestimmt werden.

Aufbau von Netzwerken

Ein weiterer sehr wichtiger Nebeneffekt der Coachings und Workshops in allen Top-Managementschmieden ist der Aufbau von Netzwerken innerhalb der Unternehmung und dadurch vor allen Dingen abteilungsübergreifend. Persönliche Netzwerke und richtige Beziehungen werden immer wichtiger. Somit ist gewährleistet, dass Nachwuchskräfte nicht immer nur ihre über ihnen stehenden Führungskräfte oder Mentoren um Rat bitten müssen, sondern sich auch mit Kollegen und Kolleginnen austauschen und beratschlagen können.

Erfolgreiche Führungskräfteentwicklung fördert also nicht nur die Top-Talente für sich allein, sondern bedingt durch die stetige Möglichkeit des Netzwerkens insbesondere auch eine gesunde Unternehmenskultur sowie -identität.

Orientierung an der Unternehmensstrategie

Zwischen den Spitzenunternehmen und dem Rest gibt es weitere signifikante Unterschiede. 80 Prozent der Top-Unternehmen orientieren sich bei der Führungskräfteentwicklung an der Unternehmensstrategie. Die besten Arbeitgeber in Europa verfolgen mit der Besetzung von Führungspositionen und der Entwicklung von Nachwuchskräften immer strategische Ziele. Unternehmen stehen immer größeren und komplexeren Herausforderungen gegenüber. Erfolg wird nur dann eintreten, wenn die entscheidenden Funktionsträger die Führungsstrategie und die Methoden der Führungskräfteentwicklung verinnerlicht haben.

So wird das Thema Führung mehr und mehr an relevante Geschäftsprozesse geknüpft und an ihnen gemessen. 90 Prozent der Top Companies for Leaders haben bereits Bewertungskriterien implementiert, um die Effektivität ihrer Führungskräfte zu messen. Zum Beispiel wird die Fähigkeit bewertet, wichtige Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden oder durch optimales Nachfolgemanagement offene Schlüsselfunktionen mit eigenen Mitarbeitern neu zu besetzen. Als weiteres Messkriterium wird die Fähigkeit genannt, Top Kandidaten am Arbeitsmarkt für das Unternehmen zu begeistern.

Checkliste für erfolgreiche Führungskräfteentwicklung:

Führungskräfteentwicklung ist keine leichte Aufgabe. Auch ist es nicht selbstverständlich, dass sich junge und talentierte Nachwuchskräfte langfristig an ein Unternehmen binden. Gerade die obere Führungsebene ist hier stark gefordert. Hewitt rät Unternehmen:

1. Top-Management fordern

Eine gute Entwicklung der Führungskräfte ist nur möglich, wenn sich das Top-Management aktiv an der Beurteilung, Auswahl und Entwicklung der Nachwuchskräfte beteiligt.

2. Führungskräfte übernehmen Verantwortung

Stärken Sie die Verantwortung der Führungskräfte für die Entwicklung der Nachwuchs-Manager mit positiven und auch negativen Konsequenzen. Erfolg kann sich beispielsweise in der eigenen Karriereentwicklung oder der Vergütung zeigen.

3. Transparentes Nachfolgemanagement

Schaffen Sie Verbindungen zwischen der Leistungsbeurteilung, der Entwicklung von Talenten, und der Nachfolgeplanung. So besetzen Sie die richtigen Positionen mit den richtigen Mitarbeitern zur richtigen Zeit.

4. Enge Netzwerke schaffen

Persönliche Netzwerke und richtige Beziehungen werden immer wichtiger. Bieten Sie Ihren Top-Talenten die Möglichkeit zum direkten Austausch mit der obersten Managementebenen oder binden Sie sie in geschäftskritische Spitzenprojekte mit dem Vorstand ein

5. Verbesserung durch Messbarkeit

Erfolg ist dann möglich, wenn die entscheidenden Funktionsträger im Unternehmen die Führungsstrategie und die Methoden der Führungskräfteentwicklung verinnerlicht haben und das Thema Führung eng an alle relevante Geschäftsprozesse geknüpft wird

6. Führungsstrategie = Unternehmensstrategie

Erfolgreiche Unternehmen richten ihre Führungskräfteentwicklung an der Unternehmensstrategie aus. Die Besetzung von Führungsposition und der Entwicklung von Nachwuchskräften immer strategisch motiviert.

Der Autor ist Geschäftsführer der Managementberatung Hewitt Associates GmbH



Text: FAZ.NET

Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 6.436,71 -0,06
TecDax 725,17 +0,50
DowJones 11.377,45 +0,25
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STOXX 50 3.351,13 -0,10
Nikkei 225 13.334,76 -1,97
S&P 500 Zert. 12,50 -2,34
Euro/Dollar 1,57 +0,14
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