Von Birgit Obermeier
01. Juli 2007 63 Tage frei! Für Eltern - sofern beide berufstätig sind und das nicht gerade als Lehrer - tut sich mit der Einschulung ihrer Sprößlinge ein echtes Problem auf. Während Krippen und Kindergärten meist nur wenige Wochen im Jahr schließen, sind die Schultore übers Jahr gerechnet an jedem vierten Werktag zu. Selbst wenn Mama und Papa mit jeweils 30 Urlaubstagen gesegnet sind, müssen sie sich die Klinke in die Hand geben um ihren Nachwuchs während der Ferien zu betreuen. Für einen gemeinsamen Familienurlaub bleibt rein rechnerisch keine Zeit übrig.
Glücklich, wer auf Oma und Opa zählen kann. Manche Eltern behelfen sich, indem sie mit Nachbarn und Freunden ein komplexes Ferien-Betreuungs-Sharing ausklügeln. Einige wenige können in ihre Planungen auch den Arbeitgeber einbeziehen: Etliche Firmen, die ihre familienorientierte Personalpolitik konsequent durchdacht haben, organisieren Ferienprogramme für die Sprößlinge ihrer Mitarbeiter.
Ferienstimmung im Foyer
Zum Beispiel die Landesbank Rheinland-Pfalz. An zwei Wochen während der Sommerferien herrscht im Foyer der Mainzer Geschäftsbank morgens Trubel und Heiterkeit. 25 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren sammeln sich hier, um punkt neun Uhr in Begleitung von fünf pädagogisch geschulten Betreuern zu Tagesausflügen aufzubrechen. Mal steht ein Besuch im Technikmuseum auf dem Programm, mal geht's ins Taunus-Wunderland oder in einen nahe gelegenen Wald, wo ein Umweltspezialist den Kindern das Ökosystem erklärt. Gegen 17 Uhr sind sie zurück in der Bank und können mit Mama oder Papa nach Hause fahren. Die Eltern zahlen pro Woche 75 Euro, die restlichen Kosten übernimmt die Bank.
Das Ferienprogramm geht in diesem Sommer bereits in die zehnte Runde. Ins Leben gerufen hat es Sabine Schiffer, Gleichstellungsbeauftragte der Bank. Als Mutter weiß sie: Am schwierigsten zu organisieren ist die Ferienbetreuung von Kindern im Grundschulalter. Wenn sie älter sind, fahren sie auch schon mal alleine auf eine Freizeit mit.
Freizeitfahrten und PC-Kurse
Die Angebote, mit denen Unternehmen den Kindern ihrer Mitarbeiter die Ferien verkürzen, sind vielfältig. Der Möbelmulti Ikea veranstaltet jedes Jahr für insgesamt 120 Kinder aus sämtlichen deutschen Filialen eine einwöchige Ferienfreizeit. Organisiert und begleitet wird sie auf ehrenamtlicher Basis vom Gesamtbetriebsrat und engagierten Mitarbeitern.
Der Automobilkonzern Daimler baut jeden Sommer für drei Wochen eine Kinderstadt auf, dieses Jahr in seinem Werk Kassel. Bis zu 160 Kinder zwischen sechs und 13 Jahren arbeiten dort als Gärtner, Modedesigner oder Reporter, bilden sich im Forschungszentrum weiter, nehmen an Box-Workshops teil oder entspannen bei einem Obstcocktail im Theater. Sie sind dabei nicht nur ganztätig betreut, sondern erfahren auch den Umgang mit demokratischen Beteiligungsformen und begreifen das Zusammenspiel von wirtschaftlichem Handeln und sozialer Verantwortung, so eine Konzernsprecherin.
Es geht aber auch weniger aufwendig: Die Sick AG, ein im südbadischen Waldkirch ansäßiger Spezialist für Automatisierungstechnik, bietet in den Ferien regelmäßig PC-Schnupperkurse für Kinder. Durchgeführt werden sie von Auszubildenden, die dabei ganz nebenbei die Inhalte auffrischen und ihre Kommunikationsfähigkeiten schulen. An den Vormittagen organisiert der Mittelständler zudem Ausflüge oder Bastelstunden in den Räumen, in denen während der Schulzeit Kinder der Mitarbeiter bei den Hausaufgaben betreut werden. Wer hoch qualifizierte Ingenieure in den Schwarzwald locken will, müsse etwas bieten, begründet Sick-Sprecherin Antje Stein.
Glückliche Kinder, ökonomisches Kalkül
Am einfachsten ist es für Firmen, einen Kostenbeitrag für bestehende Ferienprogramme von Sportvereinen, kirchlichen oder privatwirtschaftlichen Organisationen zu leisten. Mitarbeiter von Allianz, Fraport oder Ikea können etwa den 47 Seiten langen Sommerkatalog des pme Familienservice durchforsten. Der bundesweit führende Anbieter von Dienstleistungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellt dort ein abwechslungsreiches Programm vor - vom Tagesausflug in der Region über den (stets gut gebuchten) Benimm-bei-Tisch-Kurs im Nobelhotel bis hin zum einwöchigen Indianercamp in der Lüneburger Heide.
Ziel sei es, die Ferienzeit sinnvoll und qualitativ zu überbrücken, so Christiana Seimetz, Sprecherin beim Familienservice Frankfurt. Die Nachfrage seitens der Unternehmen sei in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Nicht aus Menschenfreundlichkeit, so Seimetz, sondern aus ökonomischem Kalkül: Wissen die Eltern ihre Kinder in den Ferien gut betreut, können sie in Ruhe und damit effizient arbeiten.
Text: FAZ.NET
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