Von Birgit Obermeier
31. Oktober 2003 MBA - diese drei Buchstaben klingen nach beruflichem Aufstieg, Gehaltssprung, Managerposten und somit als äußerst begehrenswert. Die Wege zum Master of Business Administration aber sind derart vielfältig, daß Akademikern bereits bei der Auswahl eines Programms der Kopf schwirrt. Schließlich spielt es beim MBA - anders als beim Doktortitel - durchaus eine Rolle, an welcher Hochschule der Grad erworben wurde.
Als Königsweg gelten nach wie vor die ein- bis zweijährigen Vollprogramme internationaler Elite-Schmieden wie Harvard, INSEAD oder der London School of Business. Wer sich die Ausbildung dort nicht leisten kann oder aber die hohen Anforderungen nicht erfüllt, dem bieten in- und ausländische Institute und Hochschulen hierzulande derzeit rund 140 verschiedene MBA-Programme an. Das Spektrum ist breit. Einige Angebote lehnen sich organisatorisch an die internationalen Vollzeitzeitprogramme an.
Kein geschützter Titel
Verbreiteter ist gegenwärtig jedoch die berufsbegleitende Ausbildung. Die Architektin Sibylle P. etwa räumt seit zwei Jahren spät nachmittags ihren Schreibtisch, um an der FH München Vorlesungen über Marketing und Personalführung zu hören. Jeden zweiten Samstag hat sie von acht bis vier Uhr Unterricht, dazwischen erledigt sie diverse Projektarbeiten. Eine dritte, ebenfalls berufsbegleitende Variante ist das MBA-Fernstudium, das insbesondere ausländische Business Schools anbieten. Es gestattet mehr Flexibilität, enthält den Studenten allerdings die wichtigen persönlichen Kontakte vor.
Ein Qualitätsvergleich ist schwierig, denn der Titel MBA ist gesetzlich nicht geschützt und kann im Prinzip für jede noch so dünne Ausbildung verliehen werden. Genügen bei manchen Anbietern ein Hochschulabschluß und gegebenenfalls einige Jahren Berufserfahrung als Zugangsvoraussetzung, so fordern andere zudem Nachweise über gängige Sprach- und Managementtests (TOEFL, GMAT). Ebenso wie die Auswahlkriterien variieren die Kosten der MBA-Ausbildung - von ein paar Hundert Euro Einschreibegebühren an staatlichen Hochschulen bis zu saftigen 45.000 Euro.
Siegel für Mindestanforderungen
Die Zahlen ermittelte die FIBAA, eine der insgesamt sechs von den Kultusministern beauftragten Agenturen zur Akkreditierung neuer Studienangebote in Deutschland. Für private und ausländische Anbieter ist die Akkreditierung freiwillig, deutsche Hochschulen sind seit vergangenem Jahr dazu verpflichtet. Gegenwärtig sind hierzulande 61 MBA-Programme akkreditiert. Renommee kann dieses Gütesiegel dem Absolventen nicht garantieren. Es gewährleistet aber zumindest die Einhaltung von Mindestanforderungen, so FIBAA-Geschäftsführer Detlev Kran.
Damit erfahrene Führungskräfte nicht mit Berufsanfängern die Schulbank drücken müssen, gibt es für diese Zielgruppe spezielle Angebote - den so genannten Executive MBA. So hat etwa die staatlich anerkannte Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Koblenz gemeinsam mit der amerikanischen Kellog School of Management ein Programm aufgelegt, das Manager zur Steuerung internationaler Konzerne befähigen soll.
Firmeneigener MBA
Manche Unternehmen lassen sich ihr eigenes Executive-Programm auf den Leib schneidern - und entbinden ihre ambitionierten Führungskräfte damit von der Qual der Wahl des passenden Anbieters. Ford in Köln bietet gemeinsam mit dem britischen Henley Management College einen derart maßgeschneiderten MBA. Gemeinsame Sache machen Lufthansa, Deutsche Bank und der Pharmakonzern Merck. Bereits seit 1997 schicken sie ihre europäischen Leistungsträger auf das britische Ashridge Management College, wo sie im Rahmen eines gemeinsam entwickelten Curriculums internationales Management-Know-kow erwerben. Voriges Jahr hat sich Bosch der gemeinsamen MBA-Ausbildung angeschlossen.
Jedes der fünf beteiligten Unternehmen stellt pro Jahr zwischen fünf und neun Teilnehmer. Sie werden vom Vorgesetzten vorgeschlagen, selbst bewerben kann man sich nicht. Das Pensum der jobbegleitenden MBA-Ausbildung ist hart, einen Teil davon zahlen die Mitarbeiter selbst. Eine Garantie für die interne Traumkarriere ist der Abschluß aber nicht. In diesem Punkt unterscheidet ihn gegenwärtig nichts von anderen MBA-Programmen.
Buchtip: Hans-Jürgen Brackmann und Detlef Kran: MBA-Guide 2003, Luchterhand Verlag, 29,90 Euro, ISBN 3-472-05232-5. Der MBA-Guide 2004 erscheint im Dezember.
Text: @ober
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