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Weibliche Kontaktpflege

Von Birgit Obermeier

Karrieresprung - wöchentlich bei FAZ.NET

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21. Januar 2005 Ihren Job als Senior Key Account Manager im Disney-Konzern verdankt Ulla Pöllinger ihren fachlichen Kompetenzen. Und ihren Beziehungen. Als Studentin engagierte sie sich in einem von ihren Professoren gegründeten Netzwerk.

Es verhalf ihr zu zwei interessanten Auslandspraktika und einem einjährigen Aufenthalt in Japan. „Das hat mir einen hohen Berufseinstieg ermöglicht“, sagt die 35jährige. Heute knüpft sie als Vorstandsmitglied des European Women's Management Development Network (EWMD) Kontakte.

Beziehungen, das klingt in mancher Leute Ohren anrüchig, nach Vitamin B eben. Dabei mag kaum jemand bestreiten, daß gute Kontakte lohnen. Sei es bei der Suche nach einer Wohnung, einem guten Arzt oder einem Job: Einer Analyse des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge schrieben 2003 nur 42 Prozent der westdeutschen und 20 Prozent der ostdeutschen Unternehmen vakante Stellen per Inserat aus. Die größten Chancen, den Job zu bekommen, hatten Bewerber, die von den Mitarbeitern empfohlen wurden.

Gegenentwürfe zu männlichen Seilschaften

Glücklich also, wer viele Menschen kennt. Besser noch: die richtigen. Formale Netzwerke können gute Kontakte bieten. Zudem verbindet die Mitgliedschaft in einer Gruppe - umso mehr, je erlauchter der Kreis. Absolventen von Elitehochschulen schätzen dieses Wir-Gefühl ebenso wie Mitglieder sogenannter Service Clubs. Rotarier etwa sprechen sich untereinander mit „Freund“ an, und unter Freuden hilft man sich bekanntlich. Die „Freundinnen“ mußten sich ihre Aufnahme freilich erst vor dem obersten amerikanischen Gericht erstreiten. Man schrieb bereits das Jahr 1987.

Als weitere klassische Männer-Seilschaften gelten studentische Verbindungen, traditionsreiche Industrie- und Wirtschaftsclubs oder ganz allgemein die Top-Etage der deutschen Wirtschaft. Nur jeder zehnte Manager ist hierzulande weiblich. Im Vorstand der 100 größten Unternehmen sitzen aktuell vier Frauen neben 685 Männern, ermittelte der Firmeninformationsdienst Hoppenstedt.

Als Gegenentwurf zu den sogenannten Old Boys Networks gründeten sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Frauen-Netzwerke. Angefangen von fachspezifischen Vereinigungen für Juristinnen (www.djb.de), Journalistinnen (www.journalistinnen.de) oder Frauen der Buchbranche (www.buecherfrauen.de) über branchenübergreifende Netzwerke wie den Woman's Business Club (www.womans.de) bis hin zu Online-Communities wie www.webgrrls.de. Frauen in Führungspositionen treffen sich im Verband Deutscher Unternehmerinnen (www.vdu.de) oder im EWMD (www.ewmd.org).

Gemeinsames Tun verbindet

Allen Netzwerken gemeinsam ist der regelmäßige Austausch, sei es bei Vortragsabenden oder Business Lunches. Als oberste Grundregel gelte ein ausgewogenes Geben und Nehmen, sagt Monika Scheddin, Coach und Gründerin des Woman's Business Club. Sporadisch auftauchen, Mitglieder anzapfen, sich aber weiter nicht engagieren, funktioniere nicht. „Der Knoten geht erst auf, wenn man in die Gruppe einsteigt“, bestätigt Pöllinger. Beim EWMD bekommen neue Mitglieder eine Aufgabe, etwa die Mitarbeit an einer Studie. Denn: Gemeinsames Tun verbindet. Das gilt auch in informeller Runde. Männer hätten das längst erkannt, sagt Scheddin. Nicht von ungefähr werden viele Geschäfte auf dem Golfplatz abgeschlossen. Oder nach den gemeinsam erlebten Strapazen eines Marathonlaufs.

Fest steht: Frauen netzwerken anders. „Offener, ehrlicher, emotionaler“, glaubt EWMD-Frau Pöllinger. Mit mehr Tiefgang, ergänzt Birgitta Schulte, stellvertretende Vorsitzende des Journalistinnenbundes: „Frauen haben oft den Wunsch, Beziehungen zu wahren“. Das mache sie andererseits verwundbar. Schulte: „Männer bekämpfen sich im Meeting, gehen hinterher aber problemlos ein Bier trinken.“ Diese Trennung von Sache und Person falle vielen Frauen schwer.

Die Angst vor einem Nein

Manche zögern generell, Kontakte für ihr berufliches Fortkommen zu nutzen: „Aus Angst vor einem Nein trauen sich Frauen häufig nicht, um einen Gefallen zu bitten“, weiß Scheddin. Oder aber sie geben vor, keine Zeit fürs Netzwerken zu haben. „Keine Zeit heißt keine Priorität“, glaubt Schedin. Frauen müßten sich klar machen: „Networking ist Arbeit.“ Bevor sie in ein Netzwerk eintritt, sollten folgende Fragen beantwortet sein: Was will ich erreichen? Was kann ich? Und schließlich: Was oder wen brauche ich dazu?

Das freilich geht einigen zu weit. „Wir sehen das Netzwerk nicht instrumentalistisch“, sagt Journalistin Schulte. Vielmehr diene es als Plattform zum Austausch von Erfahrungen. „Es geht stark um das Thema Unterstützung“, bestätigt Pöllinger. Möglicherweise liegt es daran, daß der EWMD noch keine Top-Managerin zum Beitritt gewinnen konnte. Gerade weil die Wirtschaft noch nicht weiblich ist, scheint es mancher ratsamer, Fäden mit der gut vernetzten Männerwelt zu spinnen.

Buchtip: Monika Scheddin: Networking. Bildung und Wissen Verlag, 14,80 Euro, ISBN 3-8214-7629-X



Text: @rwi

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