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Karrieresprung

Der Chef ganz privat

Von Ute Dorau

Karrieresprung - wöchentlich bei FAZ.NET

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07. Juli 2006 Die einen lieben es und führen es sogar absichtlich herbei, die anderen möchten sich bei der Gelegenheit am liebsten unsichtbar machen: Die Rede ist vom zufälligen Treffen mit dem Chef. Cool bleiben, heißt hier die Devise. Denn wer jetzt geschickt reagiert, erreicht für seine Karriere in einer Viertelstunde mehr als in drei Monaten Büroarbeit. Er kann es sich mit dem Vorgesetzten aber auch gründlich verscherzen.

Ein wenig seltsam ist die Situation immer: Sie gehen durch die Stadt, sitzen in einem Café oder stehen an der Kinokasse und denken nichts Böses - und plötzlich steht der Chef vor Ihnen. Wer jetzt kneift, hat schon verloren: Zumindest grüßen sollte man ihn auf jeden Fall. Das Weitere ergibt sich aus seiner Reaktion. Denn nicht alle Manager schätzen solche Zusammentreffen.

Wir haben 30 Manager befragt, bei welcher Gelegenheit ihnen Mitarbeiter außerhalb der Firma begegnet sind. Die Antworten, nach Häufigkeit geordnet:

1. Einkaufsbummel in der City (10 der Befragten)
2. Theater, Oper (8)
3. Straßencafé (8)
4. Kino (5)
5. Restaurant (5)
6. Im Urlaub bei einer Touristenattraktion (5)
7. Auf einer Fähre (4)
8. im gleichen Urlaubshotel (2)
(Mehrfachnennungen waren möglich)

Kultur und Shopping als Pluspunkt für die Karriere

Zumeist zeigten sich die Befragten ziemlich erleichtert, wenn sie bei diesen Gelegenheiten mit einem kurzen Winken oder ein paar unverbindlichen Sätzen „davon gekommen“ waren. Doch es gibt auch Beispiele, in denen sich der Kontakt ein wenig vertieft hat. So hat sich beispielsweise gezeigt, daß vor allem weibliche Vorgesetzte, die während einer Shoppingtour einen Kollegen oder eine Kollegin trafen, durchaus zu einer gemeinsamen Pause im Café bereit waren.

Interessant ist auch, daß die Treffen in der Oper beziehungsweise im Theater zwar meist unverbindlich und kurz waren - sich die Manager aber noch genau an die Namen der dort getroffenen Kollegen erinnerten. Sie gaben an, daß es einen positiven Eindruck bei ihnen hinterlassen hatte, den jeweiligen Mitarbeiter und seine nette Begleitung gut gekleidet an einem solchen Ort zu treffen.

Das Straßencafé ist nicht die Oper

Die Begegnungen im Straßencafé dagegen wurden ausnahmslos als unangenehm geschildert: Die Vorgesetzten fühlten sich entweder bedrängt, beobachtet oder insgesamt in ihrer Privatsphäre gestört, selbst wenn der Mitarbeiter sich völlig korrekt verhalten hatte. Noch schlimmer empfanden die Befragten das Aufeinandertreffen im gleichen Urlaubshotel. Sie versicherten, daß sie im nächsten Jahr ein anderes Hotel - möglichst ein, zwei Preisklassen höher - buchen wollten, um ungestört bleiben zu können. Eine gewisse Paranoia mag sich da abzeichnen: Aber wer für seine Karriere punkten will, sollte darauf achten, daß sich der Vorgesetzte nicht in die Ecke gedrängt fühlt.

Grundsätzlich gilt: Die Reaktion des Vorgesetzten auf das Treffen bestimmt die Marschrichtung. Ein Beispiel: Sie begegnen ihrem Chef, den sie natürlich von der Arbeit her, sonst aber eher flüchtig kennen, bei einem Spaziergang am See. Bevor Sie jetzt fröhlich auf ihn zustürzen und ihn am Ärmel ins nächste Café zerren, warten Sie lieber ab, wie er reagiert. Stockt er beispielsweise und versucht dann offensichtlich, ihrem Blick auszuweichen, lassen Sie Gnade walten: Er ist wahrscheinlich mit den Gedanken ganz woanders und nicht zu einem Plausch aufgelegt. Am besten nicken und lächeln sie unverbindlich und gehen einfach weiter. Anders sieht es aus, wenn er den Blickkontakt hält, ihren Gruß erwidert und kurz stehen bleibt. Das ist mit Sicherheit ein gutes Signal, um ein bißchen Small Talk („Schönes Wetter“, „schöner See“, „Die Jungs haben doch tatsächlich die Weltmeisterschaft versemmelt“, etc.) zu machen.

Plaudern über Gemeinsamkeiten

Jetzt ist es natürlich ein Riesenvorteil, wenn sie seine Vorlieben und Hobbys kennen. Zum einen vermeiden Sie böse Überraschungen, wenn Ihre Interessen diametral auseinander liegen. Zum anderen können Sie sich von ihm Empfehlungen geben lassen - oder auch selber einmal Tips geben. Er haßt amerikanische Städte, weil Fußgänger dort nicht lange leben und die U-Bahnen ein Alptraum sind? Empfehlen Sie ihm doch einen Trip nach San Francisco, einen Bummel zum Fisherman's Wharf und eine Fahrt mit der alten Straßenbahn. Und so weiter.

Doch auf keinen Fall sollten Sie jetzt

- zu schnell zu vertraulich werden,
- ihn auf zwei oder drei Bierchen in die nächste Eckkneipe einladen,
- ihn auf ihr zu niedriges Gehalt ansprechen,
- über zu viel Arbeit jammern,
- ihm beim Abschied kräftig auf die Schultern schlagen.

Denn sonst denkt ihr Vorgesetzter das nächste Mal nur noch mit Schaudern an den See - und Sie. Und damit hätten Sie die gute Gelegenheit, ihm positiv im Gedächtnis zu bleiben - vertan.

So ein Treffen kann also auch ins Auge gehen. Das gilt besonders dann, wenn Sie den „Zufall“ selber inszenieren. Soll man das riskieren? Die etwas verschwommene Antwort lautet: Jein. Es kann sich als gewitzter Schachzug erweisen. Beispielsweise dann, wenn Sie nach guter Recherche und viel Vorbereitung „ganz zufällig“ Ihrem Chef auf seinem Lieblingsgolfplatz über den Weg laufen und dort auch wirklich eine gute Figur machen. Aber Vorsicht: Merkt er die Absicht, ist er verstimmt…

Vorsicht beim Gespräch über Havannas

Wenn Sie also nicht ein Schauspieler oder Intrigant erster Güte sind, wählen Sie lieber den direkten Weg. Sie möchten, daß ihr Chef ab und zu privat mit Ihnen plaudert oder sogar einen Teil der Freizeit mit Ihnen verbringt? Dann finden Sie am besten heraus, welche gemeinsamen Interessen sie haben und bringen das Thema bei einem echten Zufallstreffen auch zur Sprache. Im Idealfall ist er dann derjenige, der vorschlägt, einmal etwas zusammen zu unternehmen: sei es nun Golfen, eine Partie Schach, Tennis oder Skifahren.

Noch eine Warnung: Wenn Sie noch recht jung sind (oder aussehen) und erst vor kurzem die Jeans gegen den Anzug getauscht haben, sollten Sie bei bestimmten Gesprächsthemen mit dem Chef allerdings Vorsicht walten lassen. Empfehlungen oder auch nur Plaudereien über italienische Maßanzüge, empfehlenswerte Schneider, gute Zigarren und handgefertigte Schuhe führen fast alle Manager nur mit bewährten Kollegen, möglichst aus den eigenen (Hierarchie-)Reihen oder bestenfalls dicht darunter. Ein Vorstandsvorsitzender formulierte unmißverständlich: „Da muß jemand schon ein gestandenes Mannsbild sein und sich im Unternehmen bewährt haben, bevor ich mit ihm im Club über Havannas oder meinen Schneider rede.“

Ute Dorau ist freie Wirtschaftsjournalistin in München und hat ein Buch zum Thema rund ums berufliche Vorankommen verfaßt: Ute Dorau: Karrieretipps - Karrieretricks



Text: FAZ.NET

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