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Karrieresprung

Mach mal Pause - aber richtig

Von Herta Paulus

Karrieresprung - Serie bei FAZ.NET

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16. März 2007 Mittagspause? Fehlanzeige. Wie auch, wo doch so viel zu tun ist. Der Kommunikationsplan für den neuen Kunden hakt noch, die Präsentation ist auch noch nicht fertig und dann ist da noch die Pressemitteilung, die noch mit dem Kunden abgestimmt werden muss und eigentlich schon längst bei ihm auf dem Schreibtisch liegen sollte. Geregelte Arbeits- respektive Pausenzeiten kann Michaela Franke sich in ihrer Branche abschminken. Aber so ist das nun mal, wenn man in einer PR-Agentur arbeitet. Der Kunde geht vor - und schließlich will man ja auch selbst Erfolg haben.

Ein hohes Arbeitspensum und permanenter Zeitdruck sind längst kein Phänomen einzelner Branchen mehr. Rund 1,45 Milliarden bezahlte Überstunden werden in 2007 anfallen, hinzukommt eine nicht zu beziffernde Zahl unbezahlter Mehrarbeit, heißt es im jüngsten Kurzbericht des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung. „Pausen sind keine Praxis mehr, so wie auch der acht Stunden Tag längst keine mehr ist“, konstatiert Anja Gerlmaier, Arbeitsforscherin am Institut für Arbeit und Qualifikation in Gelsenkirchen. „Sobald die Arbeit selbst reguliert wird, fällt das immer mehr flach. Viele wissen dabei gar nicht, wie Pausen wirken,“ stellte sie im Rahmen eines Präventionsprojekts in der IT-Branche fest.

Qualität der Arbeit sinkt

Mach mal Pause: In seiner Kürze und Beliebigkeit ist der Brause-Slogan gelebter Alltag in der Arbeitswelt. Ein Schluck aus der Kaffeetasse, ein Biss in das Brötchen oder den Apfel zwischen zwei Telefonaten muss reichen. Durcharbeiten, möglichst mit vollem Tempo und höchster Leistung lautet die unausgesprochene Maxime.

Rund 60 Prozent der Beschäftigten machen nur unzureichend Pausen, weiß Andreas Hoff, Geschäftführer der Berliner Arbeitszeitberatungsfirma Hoff Weidinger Herrmann. „Wenn wir längere Pausen vorschlagen, laufen wir bei den Mitarbeitern keine offenen Türen ein.“ Erholung wird auf den Feierabend verschoben, ganz nach dem Motto „ein Guter hält es aus“ und „lieber früher heimgehen“ kommentiert Hoff. Dass darunter die eigene Gesundheit leidet wird ebenso ignoriert wie die Tatsache, dass die Qualität der Arbeit zwangsläufig sinken muss.

Nicht die Dauer entscheidet

Dabei hängt der Erholungswert einer Pause nicht zwingend von der Länge ab, sowenig wie die Auszeit mit Unproduktivität gleichzusetzen ist. Allenfalls als Grobrezept mag dabei Managementtrainer und Buchautor Thomas Hübner gängige Empfehlungen für Pausenzyklen akzeptieren. Alle zwei Stunden eine Kurzpause von fünf bis zehn Minuten zu machen sei ideal, hieß es etwa kürzlich in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung. „Das sind alles Anhaltspunkte. Es geht darum, selbst auszutesten, was einem gut tut“, ist Hübner indes überzeugt. Manchen reiche es, zweimal am Tag mit zehnminütigen Atemübungen den Kopf leer zu bekommen und wieder neue Energie zu tanken. Fixe Zeitvorgaben seien eher ein Hemmnis. „Umso kürzer die Zeiträume, die dafür reserviert werden müssen, desto eher sind die Menschen auch bereit, das auszuprobieren“, so seine Erfahrung.

Den eigenen Rhythmus erkennen heißt auch für Arbeitswissenschaftler Martin Braun vom Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) die wesentliche Voraussetzung für kluges Pausenmanagement. Braun: „Wir haben bei der Arbeitsorganisation noch die Denkweise aus der Industrialisierung. Aber deren Rezepte für die Effizienzsteigerung taugen nicht mehr. Nicht auf die Geschwindigkeit kommt es an, sondern auf den Rhythmus. Nur so bleibt die Leistungsfähigkeit erhalten.“

Bewusst den Pausenknopf drücken

Ganz frei von biologischen Gesetzen ist Mensch hier freilich nicht. Mehr als 70 Minuten konzentrierte geistige Arbeit geht nicht, so die Ergebnisse der Chronobiologie, da die Aktivitätszyklen des Nervensystems fest getaktet sind. Auf diese Aktivitätsphase folgt eine etwa 20-minütige passive Phase, in der die Anspannungen abgebaut, die Rhythmen neu organisiert und Ressourcen regeneriert werden. „Im Arbeitsalltag werden diese scheinbaren Tiefs zumeist ignoriert oder durch Koffeingenuss überdeckt. Dadurch verliert der Organismus allmählich seine Fähigkeit, von selbst in eine rhythmische Ordnung zurück zu finden“, erklärt Braun. 20-minütigem Nichtstun soll dabei nicht das Wort geredet werden. „Es geht um den Belastungswechsel. In dieser Zeit machen Sie eben weniger anspruchsvolle Tätigkeiten.“

Regelmäßige Pausen zu machen und zum Teil sogar wieder gemeinsam in die Mittagspause zu gehen, müssen die von Arbeitsforscherin Gerlmaier betreuten IT-Mitarbeiter erst wieder lernen. „Das Zentrale ist, dass das Gros der Kollegen mitmacht. Die Macht der Gruppe ist stärker als der beste Vorsatz,“ erklärt die Wissenschaftlerin. Symbolische Akte wie der auf den Schreibtisch gelegte Apfel oder das Einblocken von Frühstückspausen im Outlook-Tageskalender seien dabei hilfreiche Marker, um den „Pausenknopf“ im Kopf zu aktivieren.

Kreativer Büroschlaf

Mit ihrem Vorschlag, einen Raum für Entspannungsübungen und kurze Schlafpausen einzurichten, stieß sie bei der Geschäftsführung allerdings auf Granit. „Wir sind doch nicht im Sanatorium“, lautete die demonstrative Abfuhr. Anders als in den USA, Kanada oder Japan, wo Relax-Center oder Nap-Shops in Unternehmen durchaus üblich sind, tun hiesige Arbeitgeber (und auch Arbeitnehmer) sich mit dem „Büroschlaf“ schwer. „Der Mittagsschlaf ist sozial nicht anerkannt“, bestätigt Berater Hübner. Dabei ist das mittägliche Nickerchen, das längstens 20 bis 30 Minuten dauern sollte, Studien zufolge ein wahrer Leistungsbrunnen.

Die Stadtverwaltung Vechta hat den Praxistest gewagt und zusätzlich zu der gesetzlich verordneten 30-minütigen Mittagspause die Beschäftigten auf eine 20-minütige Ruhepause verpflichtet, die sie ausschließlich für Entspannungs- oder Bewegungsübungen einschließlich dem verpönten Nickerchen nutzen dürfen. Das Ergebnis: In keiner landesweit vergleichbaren Kommune ist die Arbeitsproduktivität der Mitarbeiter höher; der Krankenstand liegt deutlich unter dem Durchschnittswert deutscher Kommunalverwaltungen.

Empfehlungen für eine chronobiologische Gestaltung des Tagesablaufs

- Zu Beginn des Arbeitstages einen Überblick über die zu erledigenden Dinge verschaffen. Dies betrifft die Beschaffung von Informationen, die Terminplanung und die Ordnung auszuführender Tätigkeiten nach ihrer Wichtigkeit und Dringlichkeit.

- Die Konzentrationsfähigkeit ist vormittags gegen 11 Uhr am größten. Geistig anspruchvolle Tätigkeiten sollten auf diesen Zeitpunkt gelegt werden.

- Innerhalb eines geschlossenen Handlungszyklus sollten Arbeitsunterbrechungen weitgehend verhindert werden, um konzentriert arbeiten zu können.

- In einem Zeitraum von 90 Minuten sollen rund 75 Minuten konzentrierten Arbeitens, aber auch etwa 15 Minuten des Entspannens und Innehaltens Platz finden.

- Ab 12 Uhr lässt die Leistungsfähigkeit nach, das Mittagstief beginnt. Diese Zeit kann bevorzugt für Telefonate und kurze Besprechungen genutzt werden.

- Die Mittagspause soll regelmäßig eingehalten werden. Nach dem - nicht zu üppigen - Mittagessen empfiehlt sich eine 20-minütige Ruhepause.

- Während des Tages sollen Phasen der Müdigkeit zur Entspannung genutzt werden und nicht ohne Not durch Koffeinkonsum kompensiert werden.

- Der frühe Nachmittag ist ideal für Besprechungen und Konferenzen.

- Ab 15 Uhr beginnt das zweite Aktivitätshoch des Tages. Das Langzeitgedächtnis funktioniert besonders gut, die manuelle Geschicklichkeit ist hoch.

- Reizüberflutung durch überlange oder pausenlose Computerarbeit soll vermieden werden.

- Das Wochenende soll der Entspannung dienen, nicht dem Freizeitstress.

Quelle: Dr. Martin Braun, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), Stuttgart

Zum Weiterlesen:
Thomas Hübner: Die Kunst der Auszeit, Vom Powernapping bis zum Sabbatical, Orell Füsseli Verlag, Zürich 2006, ISBN 3-280-05171-1, 24 Euro



Text: FAZ.NET

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