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Karrieresprung

Studieren mit Lohnzettel

Von Birgit Obermeier

Karrieresprung - bei FAZ.NET

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17. Oktober 2003 Eva S. hatte nach dem Abitur klare Ziele: Sie wollte im Bereich Marketing/Kommunikation arbeiten und dort etwas erreichen. Vor einem Hochschulstudium schreckte sie jedoch zurück: Zu lang und vor allem zu theoretisch, befand sie. Also bewarb sie sich bei Siemens, um dort im Rahmen einer dualen Ausbildung Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Management und Marketing zu studieren. Eva überzeugte beim Assessment Center und packte schon bald ihre Koffer - regelmäßig.

Drei Monate studierte sie an der Technischen Fachhochschule Berlin, drei Monate arbeitete sie bei Siemens in München - im ständigen Wechsel. Statt der x-ten betriebswirtschaftlichen Theorie lernte Eva verschiedene Abteilungen des Konzerns kennen. Statt monatelanger Semesterferien hatte sie nur 30 Tage Urlaub im Jahr. Aber eben auch ein regelmäßiges Einkommen.

Nach Angaben des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) Köln absolvierten im Studienjahr 2002/3 rund 45.000 Abiturienten einen von derzeit bundesweit 469 dualen Studiengängen. Die meisten davon sind im kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Bereich angesiedelt und auf sechs Semester ausgelegt. Das Grundstudium ist in der Regel recht allgemein gehalten, das Hauptstudium auf die Bedürfnisse der Arbeitgeber ausgerichtet - mit Spezialisierungen wie Touristik, Einzelhandel oder Gesundheitsmanagement. Ähnlich verhält es sich in den Fachrichtungen Ingenieurswesen, Informatik und Wirtschaftsinformatik.

Start als „Stuttgarter Modell“

Angeboten werden die dualen Studiengänge - zumindest zeitweise - von bundesweit rund 16.000 Unternehmen, darunter Konzerne wie Deutsche Bahn, IBM, Dresdner Bank und Daimler-Chrysler. Der Automobilbauer hat das Konzept vor 30 Jahren gemeinsam mit den ebenfalls in Stuttgart ansässigen Firmen Standard Electric und Robert Bosch entwickelt. Das so genannte „Stuttgarter Modell“ wurde in der Folge insbesondere vom Land Baden-Württemberg gefördert - was die starke Konzentration der Angebote in dieser Region erklärt. Längst bieten mittlerweile auch mittlere und kleinere Betriebe duale Studiengänge an.

Der Andrang seitens der Abiturienten ist groß: Nach einer IW-Umfrage unter 500 Unternehmen kommen auf einen Studienplatz derzeit durchschnittlich 48 Bewerbungen. Zeugnisnoten spielen bei der Auswahl eine Rolle, wichtiger aber ist das persönliche Gespräch. Die Hälfte der Unternehmen führt Eignungstests durch, jedes zehnte ein Assessment Center. Wer die Hürden genommen hat, erhält einen Ausbildungsvertrag und studiert in der Regel an einer Berufsakademie. Ein Teil der Firmen schickt seine Azubis zum Studium auf eine regulären Hochschule oder an eine Verwaltungs- oder Wirtschaftsakademie. Das entsprechende Kürzel - BA, FH oder VWA - führen die Absolventen nach ihrem Abschluß im Titel.

Pro Monat 770 Euro

Das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis beträgt in den meisten Ausbildungsgängen eins zu eins, ermittelte das IW Köln. Wie sich die Inhalte zeitlich verteilen, variiert je nach Studiengang: Der turnusmäßige Wechsel zwischen Studium und Praxis ist eine Option, eine dauerhafte Vier-Tage-Arbeitswoche mit regelmäßigen Abend- und Wochenendkursen eine andere. Klar ist: „Von den Teilnehmern wird im Vergleich zu normalen Auszubildenden ein deutlich höherer Einsatz erwartet“, sagt Verena Waldhausen vom IW Köln.

Die Praxisnähe scheint insbesondere Frauen zu motivieren. Ihr Anteil von 45 Prozent an allen Studienfächern liegt deutlich höher als in denselben Fachrichtungen an Hoch- und Fachhochschulen. Verglichen mit einem regulären Studium besticht die Sonderausbildung durch ihre Kürze, die bessere Betreuung und natürlich die Bezahlung: Durchschnittlich 770 Euro erhalten die Teilnehmer monatlich.

Vergleichbares Einstiegsgehalt

Der IW-Umfrage zufolge verbleiben rund 70 Prozent nach Beendigung ihrer Ausbildung im Unternehmen. Teilweise haben sie sich vertraglich dazu verpflichtet - zumindest für ein paar Jahre. Ihr Einstiegsgehalt liegt bei durchschnittlich 32.900 Euro. Zum Vergleich: Ein FH-Betriebswirt erhält der Kienbaum Vergütungsberatung zufolge zum Einstieg derzeit 35.000 Euro.

Vor ihren Akademiker-Kollegen müssen sich die dual Ausgebildeten auf dem Bewerbermarkt offensichtlich nicht fürchten. 45 Prozent der vom IW Köln befragten Unternehmen räumen ihnen sogar bessere Chancen ein als fachlich vergleichbaren FH-Absolventen. Von dem guten Image der Ausbildung profitierte auch Eva S. Als nach ihrem Abschluß in ihrer Wunschabteilung bei Siemens keine Stelle frei war, bewarb sie sich bei verschiedenen PR-Agenturen. „Der starke Praxisbezug des Studiums ist durchwegs positiv aufgenommen worden.“ Und wird von ihrer Chefin heute noch geschätzt.

Buchtip: Helmut E. Klein: Abiturientenausbildung der Wirtschaft. Deutscher Instituts-Verlag, 12,- Euro (inkl. MwSt. und Versand), ISBN 3-602-14614-6



Text: @ober

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