Von Ingrid Pohl-Eckerstorfer
14. Januar 2005 Krankheitsbedingte Fehlzeiten kosten die deutschen Unternehmen jährlich rund 40 Milliarden Euro. Zu diesem Schluß kommt eine Studie, welche die krankheits- und unfallbedingten Fehlzeiten nach Ausfalltagen und Kosten in Deutschland berechnet.
Darin sind Kosten von sogenanntem Präsentismus, der verminderten krankheitsbedingten Produktivität bei Anwesenheit am Arbeitsplatz, noch gar nicht enthalten. Krankheit am Arbeitsplatz beeinflußt sowohl das Arbeitspensum als auch die Qualität der Arbeit negativ. Das Journal of the American Medical Association beziffert die Kosten von Präsentismus in einer Berechnung für die Vereinigten Staaten aus dem Jahr 2003, in der es sich vor allem auf Arbeitsbehinderung durch Depressionen und Migräne konzentriert, annähernd drei Mal so hoch wie den Produktivitätsverlust durch Fehltage.
Gesundheitsförderung greift besonders gut vor der Erkrankung
Der kranke Mensch selber ist nicht nur mit den finanziellen Belastungen durch die Krankheit konfrontiert, sondern muß zudem mit den Auswirkungen auf Status oder Image fertig werden. Das Gefühl, den allgemeinen gesellschaftlichen Normen oder dem Bild eines guten Arbeitnehmers nicht entsprechen zu können, führt nicht selten dazu, daß Mitarbeiter oft jahrelang im Stillen an ihrer Erkrankung leiden, gegenüber dem Arbeitgeber aber vorgeben, gesund zu sein - auch dann, wenn die Beeinträchtigung der Arbeitskraft durch die Krankheit ein erhebliches Ausmaß angenommen hat.
Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheit erhöhen also nicht nur die Lebensqualität der Mitarbeiter, sondern senken zugleich für die Unternehmen die krankheitsbedingten Ausfälle und die Zeiten eingeschränkter Leistungsfähigkeit. Gesundheitsförderung greift besonders gut, wenn einer Erkrankung bereits vor ihrem Ausbruch gezielt vorgebeugt werden kann. Unter anderem eröffnen Gentests diese Chance.
Gentests - ein heikles Thema für Arbeitnehmer und Arbeitgeber
Durch einen Gentest kann zum Beispiel der Ausbruch der Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose verhindert werden. Im Frühstadium dieser Krankheit ist die Behandlung noch einfach. Wird die Krankheit zu spät erkannt, droht eine Organtransplantation von Leber oder Niere. Hämochromatose läßt sich durch einen Gentest nicht nur besser behandeln, sondern kann unter Umständen sogar komplett verhindert werden. Vergleichbares gilt auch für Zivilisationskrankheiten wie Koronare Herzkrankheit, Diabetes oder Krebs.
Das Thema Gesundheitsförderung auf der Basis eines Genbefundes ist zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer allerdings sehr heikel. Dies zeigt eine Untersuchung der Universität Zürich.
Arbeitnehmer mit Interesse an freiwilligen Gentests
Unternehmen scheuen die Möglichkeit der Gesundheitsvorsorge durch Abklärung der genetischen Anlagen ihrer Mitarbeiter prinzipiell. Befragte große Pharma- und Versicherungsunternehmen lehnten es strikt ab, ihrer Belegschaft genetische Tests zur Verbesserung ihrer Gesundheit zu offerieren. Selbst wenn Mitarbeiter freiwillig zustimmen und nur sie selber Einblick in die Ergebnisse erhalten sollten, ist die Unternehmensleitung offenbar der Meinung, daß eine solche Art der Gesundheitsvorsorge von den Mitarbeitern fälschlich als Schritt zum gläsernen Mitarbeiter verstanden werden und Unsicherheit im Unternehmen entstehen könnte.
Diese Zurückhaltung steht jedoch im Widerspruch zu einer elektronischen Vorumfrage unter erwerbstätigen Personen nach ihrem Interesse an einem freiwilligen Gentest zur Gesundheitsförderung. Die Bereitschaft, freiwillige genetische Tests zur Krankheitsvorbeugung einzusetzen, ist besonders unter den 20- und 30jährigen stark ausgeprägt. Zahlen soll nach Ansicht vieler der Befragten der Arbeitgeber den Gentest. Der Befund soll jedoch ausschließlich dem Mitarbeiter zugänglich sein.
Zahlt ein Arbeitgeber den Gentest seiner Mitarbeiter selbst, wenn er keine Einsicht in die Ergebnisse bekommt, verspricht er sich dennoch gesündere und gesundheitsbewußtere Mitarbeiter. Was ist ihre Meinung aus der Sicht einer erwerbstätigen Person? Sind Sie der Meinung, daß ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern einen freiwilligen Gentest zahlen sollte, damit sie gezielt Gesundheitsförderung betreiben können? Füllen Sie dazu den Online-Fragebogen aus.
Umfrage: Gesundheit, Vorsorge und Gene der Universität Zürich
Ihren Angaben werden streng vertraulich behandelt und an der Universität Zürich ausgewertet. Ziel der Untersuchung ist es festzustellen, ob es sich bei den oben beschriebenen Ergebnissen um einen abzeichnenden Bedarf handelt beziehungsweise, ob Unternehmen mit einer neuen Art der Gesundheitsvorsorge konfrontiert werden
Ingrid Pohl-Eckerstorfer promoviert am Lehrstuhl für Human Resource Management (HRM) an der Universität Zürich. Sie betreut dort das von der Forschungskomission unterstützte Projekt: Genanalyse im HRM.
Text: @rwi
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