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Mit Chaos zum Erfolg

Karrieresprung - wöchentlich bei FAZ.NET

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25. Januar 2008 Kleben auch auf Ihrem Schreibtisch überall kleine farbige Post-Its? Und quillt er über vor bunten Stapeln, die sich jedem Ordnungssinn entziehen? Schluss damit, heißt es bei klassischen Zeitmanagement-Ratgebern, die anstelle der Zettelkultur penible, mit Zeitpunkt und Zeitbudget versehene To-do-Listen setzen.

Her mit den Post-Its, sagt indes Cordula Nussbaum, Ratgeberautorin und Trainerin für Selbst- und Teammanagement und Selbstmarketing. Ihre These: „Kreative Chaoten“, mithin Menschen, bei denen die rechte Gehirnhälfte dominiert, brauchen andere Hilfsmittel und Techniken, um den Arbeitsalltag besser in den Griff zu bekommen. Viel gewonnen ist schon mit einer anderen „Verpackung“ so die Autorin im Gespräch mit FAZ.NET.

Cordula Nussbaum

Cordula Nussbaum

Frau Nussbaum, als „chaotisch“ bezeichnet zu werden, gilt gemeinhin nicht gerade als Kompliment. Sie hingegen plädieren dafür, den Begriff positiv zu besetzen. Warum?
Das hat zwei Gründe. Zum einen ist wissenschaftlich erwiesen, dass unser Selbst- und Zeitmanagement stark damit zusammenhängen, von welcher Gehirnhälfte wir überwiegend gesteuert werden. Menschen, deren rechte Gehirnhälfte aktiver ist, gelten als eher spontan, kreativ und bildhaft. Planen ist ihnen ein Gräuel. Linkshirnige Menschen hingegen gelten als sehr logische, analytische und systematische Zeitgenossen und entsprechen damit auch der gängigen Arbeitskultur, die auf perfekte Organisation und planvolles Handeln setzt. Aber die Stärken der „Chaoten“ werden in der heutigen Arbeitswelt immer wichtiger. Heute kommt es nicht mehr in erster Linie auf Faktenwissen und lineares Denken an, sondern auf Kreativität, Flexibilität, Erfindungsreichtum, Empathie und das Verständnis von Zusammenhängen.

Warum sollten „Chaoten“ sich dann überhaupt mit Zeitmanagement beschäftigen?
Solange sie mit den Chancen und Risiken klarkommen, die ein „ungeplantes“ Leben beinhaltet und damit auch bei ihrem Umfeld nicht anecken, besteht auch kein Grund, etwas zu ändern. Ich erlebe in meinen Seminaren aber immer wieder, dass Teilnehmer hier durchaus Probleme haben. Etwa, weil das Netzwerken „aus Zeitmangel“ auf der Strecke bleibt oder es eben doch als stressig empfunden wird, Arbeiten immer erst auf den letzten Drücker und nach mehrmaligen Ermahnungen abzugeben. Es geht nicht darum, schneller zu arbeiten oder Zeit einzusparen, sondern darum zu sagen: Was ist mir wichtig und wie schaffe ich es, dass mir auch die Organisation noch Spaß bringt. Und hier kann man schon mit kleinen Tools und Tricks eine Menge erreichen.

Worin unterscheiden sich diese denn von den klassischen Zeitmanagement-Techniken?
Das Wichtigste ist, Instrumente zu finden, die Spaß machen. Und genau das machen klassische, mit dem Kalender verknüpfte To-do-Listen eben nicht. Hier regiert eher der Frust, da meist zu viele Termine und Aufgaben notiert werden, die eh nicht zu schaffen sind und dann wieder auf das nächste Kalenderblatt übertragen werden müssen. Ich führe mir mein eigenes „Versagen“ also ständig vor Augen. Dabei macht aufschreiben durchaus Sinn, aber eben mit separaten Instrumenten für Aufgaben und Termine. Hilfsmittel können beispielsweise selbst gestaltete Vordrucke sein, ein Word-Dokument, Post-it-Collagen im Notizbuch oder einfach bunte Zettel. Mit solchen „reisenden To-do-Sammlungen“ bin ich nicht mehr an den Terminkalender gebunden und kann sie wegwerfen, wenn die Aufgabe erledigt ist. Man muss auch nicht bei einem System bleiben. Sobald Langeweile aufkommt, wird gewechselt. Der Witz ist, dass wenn der Druck weg ist, es meist auch funktioniert.

Einer Ihrer Ratschläge lautet: Tauschen Sie das Wort „planen“ gegen „Konzept schreiben“ aus. Klingt ziemlich simpel...
Aber es funktioniert, genauso wie eine Verabredung zu einem ungeraden Zeitpunkt, etwa ein Meeting um 10:24 Uhr, einem Rechtshirner hilft, pünktlich zu sein. Das ist ungewöhnlich, und genau das liebt er. Ein kreativer Chaot sträubt sich gegen alles, was er tun muss, was nach rigidem Abarbeiten und nach Routine klingt. Er hat nun mal keine Lust, Prioritäten nach Schema A bis F zu setzen, weil für ihn alles spannend klingt. Wenn ich Konzept sage, beinhaltet allein schon das Wort den Freiraum für Veränderungen. In diesem Sinne hat es auch viel mit Verpackung zu tun.

Hier der kreative Chaot, der ohne nachzubestellen die letzte Patrone in den Drucker schiebt, da der strukturierte Logiker, dem darüber die Galle hochkommt. Wie kann die Zusammenarbeit im Team besser funktionieren?
Prinzipiell gilt: Wir können den anderen nicht ändern. Aber wenn ich verstehe, wie der andere tickt, fällt es wesentlich leichter gemeinsame Lösungen zu finden. Wichtig ist die gegenseitige Wertschätzung, und dann gemeinsam zu überlegen, wo können wir uns ergänzen, wo sind die Stärken, wo ist eine sprunghafte Idee gut und wo nicht. Delegieren etwa klappt so häufig nicht, weil zu wenig Gedanken darauf verwendet werden, welche Informationen der andere tatsächlich braucht, um eine Aufgabe bestmöglich zu erledigen. Je nach meiner Präferenz delegiere ich ganz anders und habe auch ganz andere Erwartungen an andere. Ein logischer Macher braucht Anweisungen, die so detailliert wie möglich sind, er will Dinge zu Ende bringen. Für einen kreativen Chaoten reicht die grobe Richtung.

Wird generell nicht das Prinzip Ordnung überschätzt?
Ich bin selber bekennende Chaotin. Mein Schreibtisch ist voll, da liegt alles in Griffweite. Aber in Maßen brauche ich Ordnung, auch für meine innere Zufriedenheit. Auch ein Chaot kann Ordnung halten, Rechtshirner sind meist Menschen mit einem sehr hohen ästhetischen Empfinden. Das Geheimnis ist: Ich investiere keine Energie in das Ordnen, sondern ich ziehe Energie daraus, indem ich Instrumente und Materialien verwende, die mir Spaß machen. Wenn der Schreibtisch schön und aufgeräumt ist, gönne ich mir auch eine Belohnung. Das ist für einen Rechtshirner immens wichtig.

Das Gespräch führte Herta Paulus



Buchtitel: Cordula Nussbaum, Organisieren Sie noch oder leben Sie schon? Zeitmanagement für kreative Chaoten, 2008, Campus Verlag, ISBN 978-3-593-38408-5, 243 Seiten 17,90 Euro. Erscheinungstermin: 14.Februar 2008.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Archiv

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