Karrieresprung

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MBA: Abschluss mit schwerem Stand

Von Herta Paulus

08. Februar 2008 Die Wut ist Rainer Seiter* noch immer anzumerken. Obgleich er 19 Jahre Firmenzugehörigkeit bei einem Dax-30-Unternehmen vorweisen konnte, hatte sein neuer Chef mit dem Argument „er solle sich erst noch mal bei ihm bewähren“ das Okay zur Teilnahme am berufsbegleitenden MBA-Programm Communication and Leadership der TU-München verweigert. Der 49 Jahre alte Elektronikingenieur studierte trotzdem - heimlich.

Die Studiengebühr von 32.000 Euro zahlte er aus eigener Tasche, die rund 60 Präsenztage, die Vor- und Nachbereitung und die Aufenthalte an den Partneruniversitäten Columbia in den Vereinigten Staaten und Tsinghua in China meisterte er durch einen Mix aus Überstundenausgleich, bezahlten und unbezahlten Urlaubstagen und Freizeiteinsatz. Ob sich die Investition wie bei rund 65 Prozent aller bisherigen Communicate-Absolventen als Karriereturbo erweist, muss sich erst zeigen. Noch sondiert er den Markt, wartet „was mir geboten wird.“

Vom Projektmanager zum Betriebsleiter

Alexander Post hatte mehr Glück. Sein Arbeitgeber, die Duisburger Grillo Werke AG unterstützte seinen berufsbegleitenden MBA-Abschluss an der Gisma Business School, Hannover sowohl zeitlich wie finanziell. 25 zusätzliche Urlaubstage waren ebenso wenig ein Problem wie die hälftige Finanzierung der rund 48.000 Euro teueren Kursgebühren. Als Gegenleistung verpflichtete sich der 46-jährige mindestens weitere fünf Jahre im Unternehmen zu bleiben.

Ein Jahr davon ist bereits um - Post ist inzwischen vom Projektmanager zum Betriebsleiter Frankfurt avanciert. „Ich habe eine internationale Aufgabe bekommen, sitze in vielen Gremien,“ sagt der MBA-Vorreiter. Mittlerweile steht auch ein zweiter Grillo-Mitarbeiter kurz vor dem MBA-Abschluss, Mitinhaber und Vorstandsvorsitzender Ulrich Grillo plant, auch weiteren ausgewählten Nachwuchskräften die Weiterbildungsoption EMBA anzubieten. „EMBA“ steht dabei für „Executive“ MBA, das bedeutet, dass der Abschluss berufsbegleitend erworben wird. „Die Leute kommen mit neuer Motivation und guten Ideen und bringen neue Impulse ins Unternehmen,“ ist Grillo überzeugt. „In gute Leute investieren wir gern.“

Abschluss mit Akzeptanzproblemen

Hier Ablehner, da Befürworter und dazwischen viel Grau: „Man hat mir keine Steine in den Weg gelegt, aber wirklich gefördert wird das Engagement nicht“, berichtet etwa Communicate-MBA-Anwärter Matthias Auer, Leiter Vertrieb und Marketing eines Würzburger Automobilelektronikunternehmen. Auch fast zwanzig Jahre nach Einführung des ersten Programms ist die MBA-Ausbildung noch nicht wirklich angekommen in deutschen Unternehmen. Unternehmen, wie Mittelständler Grillo oder Softwareriese SAP, der seit 2005 jährlich maximal fünf Kandidaten die Teilnahme am MBA-Programm der Mannheimer Business School sponsored, sind bislang noch die Ausnahme.

„Der MBA-Abschluss hat im deutschsprachigen Raum sicherlich noch nicht die Akzeptanz, wie er ihn im anglo-sächsischen Raum genießt,“ sagt Volker Stößel, Leiter Marketing&PR der Leipzig Graduate School of Management (HHL). Die Konsequenz daraus: Interessenten müssen in Vorkasse gehen und darauf hoffen, dass sich die Investition künftig auch auszahlt. Wie er zahle das Gros seiner Mitstudenten die Weiterqualifizierung selbst, so Auers Beobachtung. Verifizieren lässt sich diese Aussage freilich nicht; mit Statistiken über den Anteil an Selbstzahlern und teilweise oder voll unterstützten Teilnehmern halten sich die MBA-Anbieter dezent zurück. „Tendenz positiv“ heißt die unverbindliche Sprachregelung hier. „Unternehmen sind in zunehmenden Maße bereit, sich an den Kosten eines part-time MBA zu beteiligen,“ so etwa Torsten Wulf, Akademischer Direktor der HHL.

Eigeninitiative ist wichtig

„Die Leute müssen wollen. Ich halte nichts davon, Mitarbeiter mit fixen Weiterbildungsprogrammen zu überschütten“, lautet dabei die Maßgabe für Mittelständler Grillo. Mit dieser Haltung steht er nicht allein. Richtlinien, wer in den Genuss einer MBA-Weiterbildung kommen soll, existieren nur in einem Drittel aller Unternehmen. Entschieden wird meist aufgrund der Eigeninitiative des Mitarbeiters, so eine letztjährige Studie der Goethe-Business School in Frankfurt, die mit 87 teilnehmenden Unternehmen (von 1200 angeschriebenen Unternehmen) das Akzeptanzproblem der MBA-Ausbildung deutlich widerspiegelt.

Und trotz aller Aufgeschlossenheit: Mehr Gehalt oder neue Karrierewege eröffnet auch bei den Befürwortern der zusätzliche Abschluss eher selten. Nur drei von zehn Personalern fördern ihre Mitarbeiter gezielt weiter, indem sie ihnen neue Aufgaben oder Projekte übertragen. Auch bei SAP sieht man dafür keinen Anlass. „Teilnehmer haben uns bestätigt, dass sie durch das EMBA-Programm die akademische Basis erlangen für Tätigkeiten, die sie in ihrer aktuellen Rolle einnehmen. Es ist somit eher eine Verstärkung vorhandener Kompetenzen als der Erwerb von völlig neuen Inhalten,“ erklärt Pressesprecherin Alicia Lenze.

Wichtiger sei die psychologische Komponente: „Durch die Bereitschaft, beidseitig zu investieren, entsteht eine neue emotionale Bindung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer“, meint Lenze. Auch beim M&A-Berater Blue Corporate Finance, der erstmalig seit letztem Jahr fünf Mitarbeitern die Teilnahme am Leipziger berufsbegleitenden MBA-Programm ermöglicht, steht der Faktor Mitarbeiterbindung ganz oben. „Die Teilnahme ist ein Motivationsfaktor für unsere Mitarbeiter und uns. Unser Anspruch ist es, sowohl fachlich wie persönlich die optimalen Chancen und eine Perspektive zu geben“, sagt Jan Gering, Head of Strategic Consulting. Ins Blaue investiert wird freilich nicht. Gezahlt wird nur bei erfolgreichem Abschluss. „Es muss ein Anreiz da sein,“ so Gering.

Abschluss muss echten Mehrwert bieten

Loyalität zeigen und die Firma in den Entscheidungsprozess einbeziehen - das sind auch für MBA-Absolvent Hendrik Bittenbinder die Trumpfkarten, mit der MBA-Interessenten gerade bei mittelständischen Unternehmen punkten. „Wenn Sie nicht vermitteln können, dass Sie sich dem Unternehmen verpflichtet fühlen und dass Sie durch das Studium einen echten Mehrwert bringen, ist es schwer,“ weiß der Leiter einer zehnköpfigen Vertriebseinheit beim Vakuum-Technik-Hersteller J.Schmalz, Glatten.

Mit dem kurz bevorstehenden, von der Firma geförderten MBA-Abschluss an der Mannheimer Business School erfolgt zwar kein sofortiger Karrieresprung; entsprechende Gespräche mit der Geschäftsleitung sind jedoch bereits in Planung. „Man bekommt nichts geschenkt, nur weil man einen MBA hat. Speziell ein international renommierter Abschluss erhöht aber die Chancen deutlich.“ Beim Status Quo wird es wohl nicht bleiben. „Die Firma wächst und braucht Leute, die sich auf internationalem Terrain bewegen können. Hier gibt es attraktive Möglichkeiten.“

* Name von der Redaktion geändert



Text: FAZ.NET

 
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