Karrieresprung
RSS
Alle Beiträge Aktuellster Beitrag Beitragsdatum bis

Karrieresprung

Grenzerfahrungen I - Arbeiten im Ausland

Von Jens Kemle

Karrieresprung - Serie bei FAZ.NET

Karrieresprung - Serie bei FAZ.NET

20. Oktober 2006 Der Schritt ins Ausland kommt am häufigsten durch eine Entsendung zustande. Schien sich vor einigen Jahren noch der Trend von längeren Auslandsaufenthalten hin zu Kurzzeitentsendungen zu drehen, setzen die Unternehmen mittlerweile wieder mehr auf langfristigere Auslandsaufenthalte. „Auslandserfahrung wird in typischen Aufstiegsberufen immer wichtiger“, sagt Sabine Seidler von der Bundesagentur für Arbeit. Als Mitbetreiber des European Employment Service (EURES) vermittelt die Bonner Behörde 2005 10.811. Menschen in das europäische Ausland (2004: 5.119). Das Netzwerk ist ein Marktplatz für Arbeitsplätze in Europa.

Bei einer Entsendung dauert eine Auslandsmissionen für Führungskräfte zwischen zwei und fünf Jahren. „Viele sagen: Ich will ins Ausland. Aber ganz oft wird auch jemand mit Spezial Know-how gebraucht, der dann selten eine andere Wahl hat“, weiß Brigitte Hild von der Agentur Going Global. Das Team um die Geschäftsfrau aus Kronberg betreut Unternehmen bei der Entsendung von Expatriates, Führungskräfte die für ihren Arbeitgeber im Ausland angesiedelt werden. Egal, ob Wahl oder Qual, jedes Land hat seinen Reiz. Ein Blick zu den Nachbarn zeigt, wo die Besonderheiten bei Verdienst, Branchen und Lebensqualität liegen und was Expatriates sowie Berufseinsteiger dort beachten sollten.

Österreich

Mit einer hochwertigen technischen, juristischen oder wirtschaftlichen Ausbildung sind Sie gut für Österreich präpariert. Stark sind vor allem der Automobilbau sowie die Elektro- und Hightechindustrie. Die Alpenrepublik gilt als Tor nach Osteuropa, vor allem im Vertrieb boomt die Wirtschaft derzeit. Falls Sie slawische Sprachen beherrschen und eine Affinität für Osteuropa haben, haben Sie in Österreich gute Chancen.

Der Unterschied zwischen Deutschland und Österreich ist - im Vergleich zu anderen Ländern - relativ gering, was das Eingewöhnen und Zurechtfinden besonders erleichtert. Die Nähe zur Heimat ist ein weiteres Argument, warum das Mozart-Land die zweitbeliebteste Auslandsbastion für Deutsche im Ausland ist. Beim Gehalt müssen allerdings oft Abstriche hingenommen werden, bei Fachkräften gilt die Faustformel: Zehn Prozent mehr Arbeitsstunden bei 20 Prozent weniger Lohn.

Schweiz

Die Schweizerische Eidgenossenschaft ist rein statistisch das begehrteste Land der Deutschen. Auch Expatriates tummeln sich gern in der Schweiz, vor allem in Zürich. Das reiche Land weist eine hohe Lebensqualität auf und übertrifft sogar das hohe Einkommensniveau in Deutschland nochmals um 20 Prozent und mehr. Grund: Die Schweiz hat Vollbeschäftigung (Link zu: Die Schweiz profitiert von deutschen Einwandern, 7.8.2006). Neue qualifizierte Arbeitskräfte sind deshalb nur noch schwer zu finden.

Da nach weiteren Arbeitskräften gesucht wird, haben Sie keine schlechten Chancen, eine Arbeitsgenehmigung zu erhalten. Dies gilt vor allem in den Bereichen IT/Telekommunikation, Metall- und Maschinenbauindustrie sowie in der Finanz- und Versicherungsbranche. Der Stellenmangel hat auch noch einen anderen Vorteil: Viele Unternehmen finanzieren für ihre Mitarbeiter Fortbildungsmaßnahmen.

Die Schweiz gilt bei allen paradiesischen Bedingungen allerdings auch als sehr kostspielig. Der Zusatzverdienst beim Gehalt wird wieder durch hohe Lebenshaltungskosten (20-30 Prozent höher) sowie horrende Mietkosten in den Großstädten Zürich und Bern aufgezehrt. Zum Trost können Sie aber idyllische Bergseen, Skigebiete oder Wanderressorts auf kurzen Wegen erreichen.

Frankreich

Die Grande Nation ist Deutschland in vielem ähnlich. Neben Größe, Struktur und Kultur, kämpft Frankreich ebenfalls mit wirtschaftlichen Problemen und einer hohen Arbeitslosigkeit. Für Auslandserfahrungen und wegen der berühmten Lebensart kann aber auch Frankreich eine angenehme Arbeitsalternative zu Deutschland sein. Die Wirtschaftspolitik fördert gezielt einzelne Wirtschaftszweige (Luft- und Raumfahrt, Hightech) und Regionen (Südfrankreich) und schafft für international tätige Konzerne (Daimler-Chrysler, SAP, BMW, HP) attraktive Standortbedingungen.

Für viele Deutsche ist besonders die Grenzregion zwischen Deutschland und Frankreich als Arbeitsplatz interessant. Es ist möglich, in Deutschland wohnen zu bleiben und im Elsaß als Tagespendler zu arbeiten. Außer in Paris ist das Preisniveau in Frankreich etwa gleich hoch wie in Deutschland, bei den Gehältern sind 13. und 14. Monatsgehälter üblich.

Belgien, Niederlande, Luxemburg

Die Benelux-Länder sind als Arbeitsplatz ebenfalls nah und attraktiv. Im Schatten von Deutschland und Frankreich haben sich vor allem die Niederlande und Luxemburg in den letzten Jahren zu Perlen entwickelt. Luxemburg ist wegen seinen niedrigen Steuern ein Eldorado für Banken und Versicherungen, daneben ist die Stahlbranche stark. Neben Deutsch werden auch Englisch- und Französischkenntnisse vorausgesetzt. Diese Sprachkompetenz gilt auch für Belgien. Das Land weist selbst eine relativ hohe Arbeitslosigkeit auf, deshalb ist der Berufseinstieg hier schwieriger. Gute Chancen haben Sie in den Bereichen Controlling, Finanz- und Bilanzanalyse sowie in der Technikbranche.

Die Niederlande gelten als liberal - und nicht immer deutschfreundlich. Dennoch bietet das Land an Maas und Schelde für Deutsche gute Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten. Gesucht werden Arbeitskräfte in den Wirtschaftszweigen Vertrieb, Verkauf, Controlling, Finanzanalyse sowie Ärzte und Ingenieure. In Holland ist sowohl für Berufseinsteiger als auch für die oberen Hierarchieebenen Zeitarbeit verbreitet. Neben fließend Englisch sind auch Kenntnisse in Niederländisch willkommen.

Dänemark

Beim Nachbarn im hohen Norden sind Stellen für Akademiker eher Mangelware. Ärzte, Biotechniker sowie Dienstleister melden neben der Elektroindustrie und dem Finanzsektor dennoch Bedarf an. Eine Umfrage ergab, daß die Dänen so optimistisch in die Zukunft blicken, wie noch nie: Kein Wunder, die Dänen haben ein hohes Beschäftigungsniveau. Der dänische Staat hat erfolgreich in Zukunftstechnologien (IT, Biochemie) investiert und mittlerweile die zweitniedrigste Arbeitslosenquote in der ganzen EU erreicht.

In Dänemark werden Topgehälter bezahlt. Der Durchschnittsverdienst ist in der EU sogar Spitze. Ähnlich wie in der Schweiz wird das Geld aber auch benötigt, weil die Lebenshaltungskosten und Steuern in Dänemark ebenfalls einen sehr hohen Stand haben und einen Teil des Zusatzverdienstes wieder auffressen.

Polen

Deutschlands Nachbar im Osten setzt gerade erst zum großen Sprung an. Vor allem die deutschen Unternehmen investieren massiv auf dem riesigen polnischen Markt, dem viel Potential zugetraut wird. Benötigt werden derzeit Expatriates, die Tochterunternehmen und Vertriebswege aufbauen, sowie Facharbeiter, die Produktionsanlagen installieren können. Polen selbst leidet unter einer hohen Arbeitslosigkeit, weshalb sich der Direkteinstieg bei polnischen Firmen schwierig gestaltet. Sie haben dennoch recht gute Chancen in den Bereichen Management, Finanz- und Gesundheitswesen. Auch für Deutschlehrer, Übersetzer, Informatiker, Volkswirte und Unternehmensberater gibt es Bedarf. Im Gegenzug zum „2+3-Pogramm“, über das Deutschland die Zuwanderung aus Osteuropa regelt, benötigen umgekehrt auch deutsche Arbeitnehmer für Polen eine Arbeitsgenehmigung!

Obwohl Polen das höchste Lohn- und Gehaltsniveau in Osteuropa aufweist, ist es im Vergleich zu Deutschland recht niedrig. Viele Firmen gleichen diese Differenz bei der Entsendung in der Regel aus. Die Steuersätze sind vergleichsweise gering. Für Deutsche ist die Grenznähe (Raum Posen und Breslau) von Interesse, da diese Region schon jetzt vom Ballungszentrum Berlin profitiert und deutsche Firmen ihr Know-how exportieren können. Wirtschaftsexperten gehen davon aus, daß sich das starke Wirtschaftswachstum weiter fortsetzt.

Im zweiten Teil über das Arbeiten im Ausland erweitert der Karrieresprung den Radius und stellt weitere interessante europäische Länder (Irland, Norwegen, Italien, Schottland, Spanien) vor. Zudem geht es um Umzugshilfen und die erfolgreiche Rückkehr in das Unternehmen nach dem Auslandsaufenthalt.

Externe Links:
http://europa.eu.int/eures/home.jsp?lang=de
http://www.europa.eu.int/eures
http://www.europaserviceba.de
http://www.ifim.de
http://www.germanexpats.com
http://www.justlanded.com
http://www.germanexpats.com
http://www.justlanded.com



Text: FAZ.NET

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Dax
Tec
Dow
Nas
17.12.2009 | 17:45
Dax 5.844,44
−1,00 %
 
        Vortag
17.12.2009 | 20:14
Name Kurs in %
DAX 5.844,44 −1,00%
TecDAX 815,75 −0,86%
MDAX 7.404,38 −0,33%
SDAX 3.547,55 −0,36%
REX 378,27 +0,22%
Eurostoxx 50 2.891,66 −1,19%
Dow Jones 10.342,30 −0,95%
Nasdaq 100 1.782,74 −1,00%
S&P500 1.109,18 +0,11%
Nikkei225 10.163,80 −0,13%
EUR/USD 1,4347 −1,24%
Rohöl Brent Crude 73,32 $ −1,65%
Gold 1.137,50 $ +1,38%
Bund Future 123,44 € +0,67%
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche