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Karrieresprung

Ersatzstrumpfhosen und Smalltalk im Vorzimmer

Karrieresprung - bei FAZ.NET

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27. Juni 2008 Beim Bewerbungsgespräch zählen nicht nur große Inhalte, sondern auch kleine Förmlichkeiten. Was anziehen? Was mitnehmen? Und was wenn ich zu spät komme? FAZ.NET hat darüber mit der Bewerbungstrainerin Miriam Schenk gesprochen. Ein Interview.

Erstmal der Blick in den Kleiderschrank: Was ist die richtige Kleidung fürs Vorstellungsgespräch?

Immer gilt: Gute Kleidung drückt Wertschätzung aus. Overdressed ist immer besser als underdressed. Weiterhin sollte man sich der Branche entsprechend kleiden, sich vorher fragen, was passend ist für den Beruf, für den man sich bewirbt. Das heißt, in einem gewerblichen Beruf kommt man vielleicht nicht unbedingt im grauen Anzug mit Krawatte, sondern vielleicht eher mit Hemd, Schlips und Stoffhose. In kaufmännischen Berufen ist aber der Anzug bei Männern Pflicht. Bei Frauen gilt: Es muss nicht unbedingt ein Kostüm sein, aber mindestens eine Stoffhose mit Blazer. Für alle wichtig: Unbedingt die Schuhe putzen! Das wird leicht vergessen.

Gibt es Ausnahmen zu diesen Regeln?

Bewerbungstrainerin Miriam Schenk

Bewerbungstrainerin Miriam Schenk

Es gibt kreative Berufe, zum Beispiel in der Werbebranche - da ticken die Uhren ein bisschen anders, da kann man von den Standardregeln abweichen. Dagegen kann es in einer sehr konservativen Bank schon verkehrt sein, einen braunen Anzug zu tragen, weil dort grau und dunkelblau vorherrschen.

Also gibt es tatsächlich Farbregeln?

Ja. Man ist mit gedeckten Farben immer gut bedient. Bei Herren sind grau und dunkelblau nie verkehrt. Schwarz sollte man nicht nehmen. Schwarz ist eine so genannte Anlassfarbe, die man üblicherweise zu bestimmten Anlässen, wie Festen oder auch Beerdigungen trägt - aber besser nicht zum Bewerbungsgespräch.

Und bei Frauen?

Da ist es lockerer. Frauen sollten aber Pastelltöne, zum Beispiel rosa, lieber vermeiden. Generell können sie sich aber mehr Farbe erlauben als Männer. Frauen können auch durchaus eine Stoffhose und ein Jackett in einer anderen Farbe tragen. Wichtig ist: Auf jeden Fall eine Strumpfhose tragen, auch im Sommer. Und eine Ersatzstrumpfhose ins Handtäschchen packen - man holt sich die Laufmasche immer in den Situationen, in denen man sie am wenigsten gebrauchen kann.

Was sollte noch ins Handtäschchen?

Auf jeden Fall die Bewerbungsmappe. Das kann für einen selbst hilfreich sein, wenn man noch mal etwas nachsehen möchte. Oder wenn noch jemand beim Interview dabei ist, der die Unterlagen noch nicht hat - dann hat man die Möglichkeit sie weiterzureichen. Einen Block und einen Stift sollte man auch noch dabeihaben. Und zwar nicht irgendeinen Werbekuli, sondern ein schönes Schreibgerät. Schließlich noch das Einladungsschreiben, damit man alles findet. Minzdrops können ebenfalls nicht schaden, denn oft bekommt man vor Aufregung einen trockenen Mund oder gar schlechten Mundgeruch. Im übrigen finden es viele Chefs ganz furchtbar, wenn der Bewerber ihnen erst einmal den letzten Rest seiner gerade gerauchten Zigarette ins Gesicht pustet.

Thema Pünktlichkeit: Dass man nicht zu spät kommen sollte ist klar. Aber kann es auch schädlich sein, zu früh da zu sein?

Nein. Es sollte sogar ein bisschen zu früh sein. Damit man auch die Möglichkeit hat, kurz durchzuatmen, sich zu sammeln. Es muss jetzt nicht eine halbe Stunde früher sein, aber man muss einfach auch bestimmte Eventualitäten einplanen. Meine Faustregel ist deshalb: Genau pünktlich da zu sein, ist schon zu spät.

Und wenn trotz eines großzügigen zeitlichen Puffers etwas schief läuft?

Wenn man tatsächlich zu spät kommt, dann sollte es wirklich höhere Gewalt sein. Verschlafen zählt natürlich nicht - akzeptabel ist nichts, was man persönlich hätte im Griff haben können. Da muss es schon eine Vollsperrung der Autobahn sein oder ein Oberleitungsschaden. Einen einfachen Stau oder eine Zugverspätung dagegen muss man einplanen. Wenn etwas wirklich total Unvorhersehbares passiert, sollte man die Nummer des Empfangs und vom Sekretariat des Ansprechpartners dabeihaben und dort Bescheid sagen. Und zwar nicht erst zu dem Zeitpunkt, wo man schon da sein müßte, sondern sobald man absehen kann, dass man es nicht mehr schafft.

Bevor es mit dem Bewerbungsgespräch richtig losgeht: Worüber halte ich Smalltalk mit der Vorzimmerdame?

Über alles, was sich auch sonst für Smalltalk eignet. Übers Wetter, über die Anreise - momentan wäre sicher auch die Fußball-EM ein gutes Thema. Auf keinen Fall sollte man versuchen, schon vorher auszuforschen, wie die Person gestrickt ist, mit der man gleich spricht. Das Urteil der Sekretärin kann übrigens im Zweifelsfalle schon einmal das Tüpfelchen auf dem i sein, wenn der Vorgesetzte eine Entscheidung fällt. Oft sind Chef und Vorzimmer wie ein eingespieltes Team, wo sich der eine stark auf die Menschenkenntnis des anderen verlässt.

Nachdem der Bewerber hineingebeten wurde: Wie stellt er sich vor?

Zunächst sagt man seinen Namen, aber den Händedruck bietet der Ansprechpartner an, also die Person, die das Interview führt. Man streckt von sich aus nicht die Hand aus, da allgemein derjenige die Hand anbietet, der in der Hierarchie höher steht. Grüßen muss hingegen derjenige zuerst, der in der Hierarchie weiter unten steht. Man setzt sich natürlich nicht vor dem Interviewenden hin, sondern wartet bis er Platz nimmt, dann erst setzt man sich auch. Wenn später noch jemand zu dem Gespräch dazu kommt, dann steht man noch einmal auf - das gilt auch für Frauen.

Darf man ein angebotenes Getränk ablehnen?

Wenn einem Kaffee angeboten wird und man trinkt keinen Kaffee, dann kann man höflich sagen, nein danke, im Moment nicht. Ein Wasser dagegen würde ich eigentlich immer nehmen, schon allein deswegen, weil es wichtig ist, dass man trinkt, wenn man sich konzentrieren muss.

Wie sieht es aus mit Humor in solch einem Gespräch?

Humor ist eine ganz schwierige Geschichte, denn Humor ist regionsabhängig, länderabhängig und auch abhängig von Branchen und Personen. Witze würde ich daher vermeiden - das geht schnell schief. Das heißt natürlich nicht, dass Lachen verboten ist. Möglich ist zum Beispiel, dass man einen kleinen Scherz über sich selbst macht, vor allem um Nervosität aus dem Gespräch rauszunehmen. Witze über andere sind aber in jedem Fall tabu. Und Vorsicht mit Ironie: Die wird nicht immer verstanden - da wäre ich zurückhaltend.

Das sind ja ganz schön viele Regeln, die man da alle auf einmal im Kopf haben muss…

Eigentlich reicht schon eine einzige und ganz entscheidende Regel: Gut vorbereitet sein. Das ist die halbe Miete. Wenn ich wirklich gut vorbereitet bin, dann kommt das gute Benehmen teilweise schon von ganz allein. Dann habe ich beispielsweise schon lange vorher ein passendes Outfit ausgewählt und muss mir darüber keine Gedanken mehr machen. Dann habe ich inhaltlich alles so gut drauf, dass ich eine entspannte Körperhaltung einnehmen und dem Chef in die Augen schauen kann. Sich über das Unternehmen und die Person, die das Interview führt, zu informieren, das drückt auch Wertschätzung aus. Somit ist auch die inhaltliche Vorbereitung letztlich eine Benimmregel.

Miriam Schenk ist Diplom-Pädagogin und Kommunikationstrainerin. Ihre Firma „Seal Education“ bietet Bewerbungstraining und berufliches Coaching an. Zu ihren Kunden zählen unter anderem das Hochschulteam der Bundesagentur für Arbeit und Merrill Lynch.

Das Gespräch führte Nadine Bös



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Seal Education

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