Flugzeugbau

Erholung der EADS-Aktie könnte sich fortsetzen

14. Mai 2008 Lange Zeit hat der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS nur durch Negativ-Schlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht. Nachdem die Probleme mit dem Riesenflieger A380 immer größer wurden, litten darunter auch die Geschäftsergebnisse. Bei der Restrukturierung gab es dann unerwartet Probleme, als man zuerst die Werke in Deutschland und später auch die in Frankreich nicht wie geplant verkaufen konnte. Zu allem Überfluss schockten auch noch Dokumente über Insider-Geschäfte das Management.

Da kam es doch schon zurecht, dass man Anfang März einen Auftrag des amerikanischen Militärs ergattern konnte. An diese positive Nachricht schließt das Unternehmen mit dem bericht zum ersten Quartal am Mittwoch an.

Erwartungen deutlich übertroffen

Umsatz und Gewinn stiegen deutlicher als erwartet, und der Auftragsbestand legte weiter zu. Im ersten Jahresviertel ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Goodwill-Abschreibungen und außerordentlichen Posten, bei EADS als Ebit definiert, von 88 auf 769 Millionen Euro gewachsen. Von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragte Branchenexperten hatten im Schnitt lediglich mit 411 Millionen Euro gerechnet.

Unter dem Strich kam der Konzern mit 285 Millionen Euro nach dem Verlust im Vorjahresquartal deutlicher in die schwarzen Zahlen als erwartet. Analysten hatten mit 242 Millionen Euro gerechnet, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Verlust von zehn Millionen Euro zu Buche gestanden hatte. Der Umsatz kletterte von 8,934 auf 9,853 Milliarden Euro, während die Experten im Schnitt 9,216 Milliarden erwartet hatten. Allerdings trugen fällige Wechselkursgeschäfte zum Gewinnanstieg bei und dieser Effekt dürfte sich nach Einschätzung des Managements in den kommenden Quartalen umkehren.

Auch Airbus glänzt

Erfreulich ist, dass die umsatzstärkste Tochter Airbus deutlich besser abschnitt als erwartet. Sie sprang nach ihrem operativen Verlust (Ebit) von 69 Millionen Euro im Vorjahresquartal nun ebenfalls in die schwarzen Zahlen und wies ein Plus von 628 Millionen Euro aus. Analysten hatten nur mit 302 Millionen gerechnet. Der Umsatz wuchs um sieben Prozent auf 7,057 Milliarden Euro und lag damit über der Expertenprognose von 6,455 Milliarden Euro.

Die höheren Erlöse verdankt Airbus unter anderem der Auslieferung von zwei Exemplaren des Riesenfliegers A380. Nichtsdestoweniger machten Preisdruck und ein schwacher Dollar Airbus das Leben schwer.

Auch die übrigen EADS-Sparten legten überwiegend zu. Der Bereich Militärtransporter konnte seinen Umsatz nahezu verfünffachen und verringerte den Ebit-Verlust von 13 auf 1 Million Euro. Eurocopter verbesserte den operativen Gewinn um 12 Prozent auf 37 Millionen Euro, die Raumfahrtsparte Astrium verdreifachte ihren auf 33 Millionen Euro. Die Verteidigungssparte kam mit einem Ebit von 33 Millionen Euro wieder in die schwarzen Zahlen.

Auftragseingang wächst

Weniger gut lief es in den anderen Bereichen. Im Geschäft mit Propellerflugzeugen verbuchte EADS einen Gewinnrückgang um 5 Prozent auf 19 Millionen Euro. Der Bereich Zentrale/Konsolidierung verbuchte wegen eines positiven Sondereffekts im Vorjahr einen Ebit-Rückgang von 112 auf 20 Millionen Euro.

Für 2008 hält EADS an den bestehenden Zielen fest. Der Umsatz soll auf mindestens 40 Milliarden Euro wachsen, beim Ebit fasst das Unternehmen 1,8 Milliarden Euro ins Auge. Statt „rund“ 700 Flugzeugbestellungen soll Airbus nun „über“ 700 erhalten. Die Auslieferungen sollen sich im Jahr 2008 wie gehabt auf 470 Airbus-Jets belaufen. Indes hatte man bereits am Dienstag neue Verzögerungen beim A380 angekündigt.

Positiv zu vermerken ist auch die Tatsache, dass der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 10,5 auf 39,3 Milliarden Euro wuchs. Der Auftragsbestand lag zu Ende März mit 351,5 Milliarden Euro um vier Prozent höher als drei Monate zuvor (339,5 Milliarden). Allerdings liegen bei den Verkehrsflugzeugen diesen Zahlen üblicherweise Listenpreise zugrunde, die von den tatsächlichen Verkaufpreisen jedoch zumeist weit entfernt sind.

Offene Fragen

Angesichts eher rarer überzeugender Quartalsergebnisse reagierten die Börsianer enthusiastisch und verhalfen der Aktie zu einem Kursplus von mehr als fünf Prozent. Damit ist die Aktie nunmehr mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von rund elf für das laufende und mehr als zehn für das kommende Jahr bewertete. Das erscheint nicht zu hoch, vorausgesetzt die positiven Quartalsergebnisse sind nicht nur eine vorübergehende Verbesserung, sondern zeigen einen neuen Trend. Das gilt es für EADS aber in künftigen Quartalen unter Beweis zu stellen.

Unbeantwortet sind dabei aber mehrere Fragen: Zum ersten hält EADS an der geplanten Ausgliederung von Flugzeugwerken in Deutschland und Frankreich weiter fest. Jedoch ist offen, wann und zu welchen Konditionen sich diese wird verwirklichen lassen. Immerhin sollen die Verhandlungen über die Veräußerung der Werke in Laupheim und im britischen Filton in den nächsten Wochen abgeschlossen werden.

Erholung könnte sich fortsetzen

Zum zweiten will man die fehlenden Einspareffekte, die durch den Verkauf der Werke erzielt werden sollten, durch höhere Kostensenkungen in anderen Bereichen ausgleichen. Dies muss erst einmal erreicht werden. Zum dritten sind die Wechselkurseffekte erst einmal abzuwarten und zum vierten läuft auch beim Projekt A380 offenbar immer noch nicht alles wie man es sich wünschen würde.

Nach dem dramatischen Absturz des Aktienkurses seit Beginn des Jahres 2006 bestätigen die Kursgewinne vom Mittwoch die jüngste Erholung. Diese könnte sich angesichts der günstigen Stimmung zunächst weiter fortsetzen, wobei Kurse über 19 Euro im Bereich des Möglichen liegen. Indes sind die charttechnischen Impulse nicht sonderlich ausgeprägt, so dass die Erholung auch noch einige Zeit in Anspruch nehmen könnte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.



Text: mho/pwe
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

 
NamePunkteProzent
Dax 6.387,22 -0,83
TecDax 721,17 -0,06
DowJones 11.349,28 -2,43
Nasdaq 2.280,11 -1,97
STOXX 50 3.326,60 -0,83
Nikkei 225 13.334,76 -1,97
S&P 500 Zert. 12,50 -2,34
Euro/Dollar 1,57 +0,04
Bund Future 110,76 -0,16
Gold 923,75 -0,42
Öl 124,98 -1,22
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2008

Quellen: IS.eFinance Solutions using Deutsche Börse AG, Morningstar und weitere. IS.eFinance Solutions implemented and powered by Interactive Data Managed Solutions AG, ©  1999-2007. Alle Börsendaten werden mit 15 Minuten Verzögerung dargestellt.