Aktien-Analyse

Der Chart von General Motors verheißt viel Ungemach

Aktien-Analyse: Der Chart von General Motors verheißt viel Ungemach
10. Oktober 2008 

Zuletzt wurde vor allem über die großen Schwierigkeiten der amerikanischen Banken berichtet. Die Tatsache, dass auch die amerikanischen Autobauer ums Überleben kämpfen, ging dabei etwas unter. Dabei wäre es für die amerikanische Wirtschaft fatal, wenn einer der drei großen Produzenten - General Motors, Ford oder Chrysler - pleite gehen würde.

Blickt man auf die Aktiencharts, dann ist dieses Horrorszenario inzwischen nicht mehr auszuschließen. Am schlimmsten ist es um General Motors bestellt. Hier fiel der Aktienkurs am Freitag um 31,1 Prozent auf 4,76 Dollar (die Aktien von Ford verloren 21,8 Prozent auf 2,08 Dollar). Das ist gleichbedeutend mit dem tiefsten Stand seit 58 Jahren.

Viele Gründe erklären die Kursmisere

Aktien-Analyse: Der Chart von General Motors verheißt viel Ungemach

Gründe für den Kurseinbruch gibt es neben den allgemein schwachen Börsen gleich mehrere. Kurzfristig belastet die Meldung, wonach die Ratingagentur Standard & Poor's die Herabstufung des Unternehmens auf Ramschniveau erwägt. Außerdem war am Donnerstag ein mehrtägiges Verbot von Leerverkäufen für diese Aktien ausgelaufen. Zudem haben auch die Analysten bei der Citigroup in dieser Woche sowohl für General Motors als auch für Ford Verkaufsempfehlungen ausgesprochen.

Hintergrund dafür ist unter anderem das schrumpfende Geschäft mit Neuwagen in Amerika. So rechnet J.D. Power & Associates mit einem Absatzeinbruch auf 13,6 Millionen Einheiten im laufenden und auf 13,2 Millionen Einheiten im kommenden Jahr. Im vergangenen Jahr wurden 16,2 Einheiten verkauft. Ob freiwillig oder unfreiwillig wenden sich derzeit die Käufer massiv vom amerikanischen Automarkt ab, wie J.D. Power-Autoanalyst Jeff Schuster sagt. Auf dem Weltmarkt sei für 2009 sogar nicht weniger als der Kollaps zu erwarten.

Wie schwierig die Lage ist, zeigt sich auch am Urteil der Ratingagentur Standard & Poor's. Diese stuft Ford und General Motors schon jetzt sechs Stufen unter der Güte-Kategorie „Investment Grade“ bei „B- „ ein. Zwar wird attestiert, für das laufende Jahr verfügten die Konzerne über eine ausreichende Liquidität. Doch es sei zu erwarten, dass die Herausforderungen im kommenden Jahr auf ein ernstes Niveau anwachsen. Vom negativen Ausblick betroffen ist auch die Finanztochter GMA, die zu 49 Prozent im Besitz von General Motors ist.

„Unternehmen wie Ford und General Motors werden sicher nicht förmlich bankrott gehen“, sagt der S&P-Analyst Robert Schulz in einem Gespräch mit Bloomberg News, „aber sie können zu einem Punkt gelangen, wo der Mangel an Liquidität die normale Geschäftstätigkeit unmöglich macht. Wir glauben, das kann durchaus passieren“, sagt er.

Bereits im September war der Druck auf die amerikanischen Autohersteller dramatisch gewachsen, als die Neuwagenverkäufe in Amerika um 27 Prozent einbrachen - was dem stärksten Monatsverlust seit 1991 entsprach. Kaufinteressenten werden derzeit von der
Kreditklemme ausgebremst. Angesichts der hohen Benzinpreise bleiben sie zusätzlich besonders zurückhaltend bei den in Amerika üblichen Fahrzeugen mit hohem Benzinverbrauch. Wegen rückläufiger Nachfrage wurde unlängst die Automobilproduktion an mehreren europäischen Standorten gestoppt.

Es wird wirklich eng für General Motors

Immerhin sind sich beide Unternehmen inzwischen offenbar der Zukunftsprobleme vollauf bewusst. „Wir stehen vor beispiellosen Herausforderungen durch die wachsende Unsicherheit an den globalen Finanzmärkten und sich abschwächender Konjunktur in mehreren unserer Schlüsselmärkte. Ein Bankrott ist für General Motors aber keine Option“, sagte die Unternehmenssprecherin Renee Rashid-Merem.

General Motors hat seit 2004 keinen Gesamtjahresgewinn mehr ausgewiesen und Ford seit 2005. Beide Hersteller sind mit ihrem Schwerpunkt auf schweren Geländewagen und ähnlichen Fahrzeugen nur unzureichend auf einen Wandel des Käuferverhaltens zu kleineren und effizienteren Autos vorbereitet. Der Konzern wurde in den vergangenen Jahren zudem durch steigende Gesundheitsausgaben für seine Mitarbeiter stark belastet.

Hausintern rechnet man damit, dass sich die Schwäche des amerikanischen Automobilmarktes auch in der ersten Jahreshälfte 2009 fortsetzen wird. Der Finanzvorstand will deshalb weiterhin an den Kosten und der Umsetzung eines 15 Milliarden Dollar schweren Liquiditätsplanes arbeiten. Mitte Juli hatte GM angekündigt, die Liquidität bis 2009 um Milliarden Dollar erhöhen zu wollen. Zehn Milliarden Dollar sollen durch Einsparungen generiert werden, die verbleibenden fünf Milliarden Dollar durch den Verkauf von Vermögenswerten sowie über die Kapitalmärkte.

Im Juli hatte es geheißen, GM wolle die Investitionen für das kommende Jahr auf 7,0 Milliarden Dollar von zuvor 8,5 Milliarden Dollar herunterfahren, die Dividendenzahlung aussetzen sowie Lohnkürzungen vornehmen. Zudem sollten durch den Verkauf von Geschäftsbereichen zwischen zwei und vier Milliarden Dollar in die Kassen des Automobilherstellers fließen.

Ein erfolgreicher Abschluss dieses Liquiditätsplanes ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass General Motors doch noch den Kopf aus der Schlinge ziehen kann. Doch dazu müssen auch die Wirtschaft und der Konsum mitspielen, doch konjunkturell sieht es derzeit bekanntlich alles andere als gut aus. Und wenn General Motors massenhaft Leute entlassen müsste, dann wäre das ein weiterer herber Schlag für die amerikanische Wirtschaft. Wohin man auch blickt: Derzeit ist es einfach nicht gut bestellt um Amerika und als einer der Speerspitzen auch nicht um General Motors. Dass einem Konzern wie General Motors nur noch ein Börsenwert von rund zwei Milliarden Euro zugebilligt wird, spricht für sich.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: FAZ.NET

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