Aktienmarkt Amerika

Aktien - wie Phönix aus der Asche?

Von Sam Stovall

06. März 2007 Der Einbruch des S&P-500 um 3,46 Prozent am 27. Februar war zwar spektakulär, jedoch beileibe nicht rekordverdächtig. Streng genommen ist er lediglich Nummer 31 in der Hitliste der größten an einem Tag erzielten Kurseinbußen seit 1950. Der Einbruch am ersten Handelstag nach dem 11. September 2001 fiel heftiger aus, ebenso jener im Gefolge des Zusammenbruchs des Hedge-Fonds Long-Term Capital Management im Jahr 1998. Den Spitzenplatz unter den an einem Tag erlittenen Kursverlusten hält natürlich der Schwarze Montag am 19. Oktober 1987.

Was war der Auslöser für diesen Kursrutsch? Nach unserer Ansicht sind mehrere Faktoren zu nennen, die im Wesentlichen mit den Aussichten eines weltweiten Konjunkturrückgangs zusammenhängen. In den Vereinigten Staaten prasselte ein wahrer Hagel an wenig rosigen Wirtschaftsberichten und -kommentaren auf die Anleger ein, darunter die aktuelle Debatte um die Auswirkungen der Probleme bei zweitklassigen (Subprime) Krediten; der jüngste, höher als erwartet ausgefallene Anstieg der Kerninflationsrate; eine Warnung des ehemaligen amerikanischen Notenbankpräsidenten Alan Greenspan, dass die Wirtschaft der Vereinigten Staaten gegen Jahresende möglicherweise in eine Rezession abrutschen könnte; und die deutlich hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Zahlen der amerikanischen Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter.

Furcht vor dem Abschwung

Die Furcht vor einer deutlichen Revision der vorläufigen Zahlen des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im vierten Quartal 2006 bewahrheitete sich, als die Wachstumszahlen von 3,5 Prozent auf 2,2 Prozent nach unten revidiert wurden.

Als die Lage in China schließlich in die Investitionsentscheidungen einbezogen wurde, ging bei Anlegern die Sorge um, dass die Pfeiler, auf denen das weltweite Wirtschaftswachstum ruht, weniger stabil waren, als zuvor angenommen. Die Investoren wissen um die Versuche der chinesischen Regierung, das Wirtschaftswachstum durch Zinsanhebungen und eine Erhöhung der Mindestreserveanforderungen zu senken.

Als die Börse in Shanghai am 27. Februar jedoch um mehr als neun Prozent einbrach, wurde auf den weltweiten Handelsplätzen eine Lawine losgetreten, nachdem Anleger, wie wir glauben, von der Angst gepackt wurden, dass der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft ins Stottern geraten könnte.

Fundamentale Prognosen unverändert

Dieser starke Rückgang des Marktes sollte für Anleger indes nicht allzu überraschend kommen. Der S&P-500 verzeichnete in jedem der vergangenen acht Monate eine positive Wertentwicklung (und stand davor, dies auch im neunten Monat in Folge zu tun). Diese ununterbrochen starke Entwicklung ist weniger gewöhnlich, als Anleger gemeinhin annehmen.

Hinzu kommt, dass der S&P-500 seit dem 19. Mai 2003 keinen Rückgang um zwei Prozent an einem Tag hinnehmen musste. Er segelte 949 Tage in ruhigem Fahrwasser dahin - die längste Zeitspanne seit 1950. Auf Platz zwei folgt eine Spanne von 807 Tagen vom 21. August 1975 bis zum 30. Oktober 1978.

Zudem warnte Mark Arbeter, technischer Chefstratege bei S&P, dass seiner Analyse zufolge die drei größten amerikanischen Märkte sowie mindestens acht der zehn Sektoren des S&P-500 extrem überkauft seien und verstärkt Divergenzen ausbildeten.

Es stellt sich nun die Frage, wie lange diese Abschwächung andauern wird. Auf kurze Sicht gehen wir davon aus, dass die Antwort im technischen Verhalten des Marktes zu finden ist. Mit anderen Worten: der Markt wird seine rückläufige Entwicklung beenden, wenn ihm danach zumute ist, während wir die Zeichen seiner kurzfristigen Schwankungen deuten. Arbeter ist letztlich davon überzeugt, dass im S&P-500 eine Korrektur zwischen fünf und sieben Prozent anstehen könnte.

Chancen im Überfluss?

Auf lange Sicht geht S&P Equity Strategy jedoch davon aus, dass die Grundlagen für Aktienkurssteigerungen nach wie vor gegeben sind. Unsere Jahresendprognose für den S&P-500 bleibt unverändert bei 1.510 Punkten, was einem erwarteten Kursgewinn von 6,5 Prozent gegenüber dem Jahresschlusskurs 2006 von 1.418,30 Punkten entspricht.

S&P Economics rechnet für dieses Jahr mit einem Anstieg des amerikanischen BIP um 2,4 Prozent, dem ein erwartetes Wachstum des weltweiten BIP von 3,3 Prozent gegenübersteht. S&P-Aktienanalysten prognostizieren für 2007 nach wie vor eine achtprozentige Steigerung der operativen Gewinne des S&P-500, während die Bewertungen infolge der jüngsten Kursrückgänge nach unserer Ansicht sogar noch attraktiver sind als zuvor.

Auf Grundlage der in den zurückliegenden zwölf Monaten erzielten Gewinne wird der S&P-500 gegenwärtig 19 Prozent unter dem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) seit Beginn der Aufzeichnung operativer Gewinne des S&P gehandelt. Das KGV der für 2007 prognostizierten Gewinne beträgt nun 14,8. Auf Basis ausgewiesener Zahlen befindet sich das historische KGV 25 Prozent unter dem Durchschnitt seit 1988, während das KGV auf Basis geschätzter zukünftiger Gewinne 30 Punkte unter dem durchschnittlichen historischen KGV seit 1935 von 15,7 liegt.

Die Suche nach den Nuggets im Schlamm

Für die einen ist es Tand, für die anderen ein Schatz. Um nun einige dieser Schätze zu heben, müssen wir uns durch jene Sektoren der Branchenindizes graben, die vor kurzem als wertlos betrachtet und über Bord geworfen wurden. Alle zehn Sektoren innerhalb des S&P-1500, der die Aktienwerte des S&P-500, des S&P-MidCap 400 und des S&P-SmallCap 600 umfasst, verbuchten Abschläge, die sich noch dazu auf ähnlichem Niveau befanden. Die Rückgänge bewegten sich von minus 2,7 Prozent im Gesundheitssektor bis zu minus 4,2 Prozent im Material- und Werkstoffsektor.

Alle 138 Subindizes verzeichneten Rückgänge, von minus 1,5 Prozent bei Brauereien („Wenn es hart auf hart kommt, wenden sich die Harten dem Essen, Rauchen und Trinken zu!“) bis zu minus 6,8 Prozent bei Stahlunternehmen.

In welchen Branchen und Unternehmen wird die Erholung nun am stärksten ausgeprägt sein? Beginnen wir also mit dem Aussieben. Wir haben die zehn Branchenindizes des S&P-1500 aufgelistet (siehe Infografik), die am 27. Februar die größten Einbußen erlitten, deren Fundamentalaussichten für die kommenden zwölf Monate von den S&P-Analysten jedoch positiv bewertet werden.

Daneben enthält die Tabelle jene Unternehmen der Branchenindizes, die von den S&P-Analysten als Kaufempfehlungen eingestuft werden. Während die lange erwartete und dringend notwendige Korrektur nun eingetreten sein könnte, ist S&P davon überzeugt, dass sich ein klareres Bild lohnenswerter Kaufmöglichkeiten abzeichnet, sobald sich der Staub gelegt hat.

Sam Stovall ist Chefstratege von S&P.



Text: Business Week Online
Bildmaterial: AP Photo/HO, FAZ.NET

NamePunkteProzent
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TecDax 761,19 -4,17
DowJones 11.220,96 +0,29
Nasdaq 2.255,88 -0,14
STOXX 50 3.185,83 -2,72
Nikkei 225 12.212,23 -2,75
S&P 500 Zert. 12,28 -3,08
Euro/Dollar 1,44 +0,30
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