05. Mai 2008 Die Anleger haben neuerdings eine weitere Wette auf ein baldiges Ende der internationalen Kreditkrise entdeckt: Es sind die Aktien der Börsenbetreiber. So legten die Titel der Deutschen Börse am Freitag schon kräftig zu. Um 8 Prozent teurer beim Kurs von 101,78 Euro ging die Aktie ins Wochenende. Daran gemessen, dass zum Beginn dieser Woche allgemein mit Gewinnmitnahmen gerechnet wurde, schlug sich die Aktie am Montag gut. Mit einem Rückgang von 0,6 Prozent auf 101,16 Euro lag der Titel am Nachmittag relativ moderat im Minus.
Am Freitag war es noch Duncan Niederauer, der Vorstandsvorsitzende des größten Börsenbetreibers der Welt Nyse Euronext, der dem Aktienkurs der Deutschen Börse nach oben half mit der Aussage, dass sich das Tempo bei der Konsolidierung der internationalen Börsenlandschaft verlangsamen werde. Davon könnte die Deutsche Börse profitieren, der als einzigem größeren Börsenbetreiber bisher keine nennenswerte Akquisition gelungen ist (Die Aktie der Deutschen Börse ist der Favorit des Tages).
Die Quartalszahlen im Blick
Am Montag richteten die Anleger schon den Blick auf die Quartalszahlen der Deutschen Börse, die am Dienstagabend nach Handelsende bekannt gegeben und den Analysten am Mittwochvormittag in einer Telefonkonferenz erläutert werden. Die Umsätze für April sind schon bekannt: Die Zahl der Kontrakte an der Terminbörse Eurex ist auf ein Rekordniveau gestiegen, die Orderbuch-Umsätze in Euro sind dagegen zurückgegangen.
Damit profitiert die Deutsche Börse im aktuellen Marktumfeld von ihrer starken Stellung, die sie dank der Eurex im Derivategeschäft hat, denn dieses ist weniger anfällig für die Launen der Anleger als der Kassahandel. Nun erwarten die Analysten überwiegend, dass die Deutsche Börse ihren Quartalsgewinn spürbar gesteigert hat. Ihre Schätzungen für das Ergebnis je Aktie haben sie zuletzt auf 1,385 Euro leicht erhöht und die Erwartung für den Gewinn ebenfalls etwas angehoben. Der Gewinn vor Steuern könnte nach der Konsensschätzung der Analysten auf rund 397 Millionen Euro kräftig steigen.
Der Derivatehandel ist stark
Die positiven Einschätzungen der Analysten beruhen vor allem auf der Eurex: Die Deutsche Börse dürfte wohl ein Rekordergebnis vorlegen, vor allem der Derivatehandel wird stark ausfallen, sagte Mamoun Tazi, Analyst bei von MF Global Securities Ltd. in London, laut Nachrichtenagentur Bloomberg. Wir erhöhen unsere Schätzungen für den Derivatemarkt, meinte auch Bernd Müller-Gerberding von Unicredit. Gleichzeitig reduzierte er jedoch seine Schätzung für den Kassamarkt.
Gerade das Derivategeschäft könnte in Zukunft noch stärker werden. Kürzlich startete die Deutsche Börse Xetra 9.0, eine neue Version ihres Computerhandelssystems zum Handel von rund 300.000 strukturierten Produkten, die bis dahin auf dem Frankfurter Börsenparkett gehandelt worden waren. Außerdem hat die Börse ihre Handelskapazität noch einmal stark erweitert, was an kritischen Börsentagen, an denen enorm viele Kauf- und Verkaufsaufträge durch die Systeme geschleust werden müssen, besonders wichtig ist.
Die Kreditkrise tut den Handelsumsätzen gut
Monatelang hatte die Furcht vor einer weiteren Ausweitung der Kreditkrise den Aktienkurs der Deutschen Börse belastet. Um 25 Prozent ist die Notierung seit Jahresbeginn gefallen, jedoch war die Aktie mit einem Kursanstieg von 95 Prozent der große Favorit des Jahres 2007 unter den deutschen Standardwerten.
Bis ins laufende Jahr hinein profitierte die Deutsche Börse von der Kreditkrise, da die jeweils neuesten Nachrichten für heftige Kursausschläge an den Finanzmärkten sorgten. Und weil die Börse bei jeder Transaktion, die über ihre Handelsplattformen abgewickelt wird, mit einer Gebühr dabei ist, liefen die Geschäfte zunächst prächtig.
Analysten erwarten Abflachung des Geschäfts
Doch als sich vom Frühjahr an die Lage zumindest vorläufig beruhigte, blieben auch die Börsenumsätze mau. Das dürfte, so zumindest die Einschätzung vieler Analysten, im weiteren Jahresverlauf auch so bleiben. Viele Aktienexperten befürchten, dass die Umsätze und die Margen im weiteren Jahresverlauf sinken. Für Xetra rechnen wir zwar noch mit einer steigenden Zahl von Transaktionen 2008, allerdings gehen wir von deutlich niedrigeren Erträgen pro Transaktion aufgrund von Preissenkungen und kleineren Orders
aus, so dass wir einen Umsatzrückgang von 3 Prozent für Xetra erwarten, rechnet Müller-Gerberding von Unicredit vor.
Zudem dürfte der härtere Wettbewerb um Marktanteile auf den unterschiedlichen Handelsplattformen auf die Marge drücken. Vor allem Großbanken wie die Deutsche Bank, Citigroup, UBS, Goldman Sachs oder Merrill Lynch drängen in das Geschäft der Börsenbetreiber und bauen unter dem Namen Turquoise eine konkurrierende Handelsplattform auf, die im September starten soll. Die seit einem Jahr bestehende Chi-X Plattform vermeldet Anfangserfolge. Denn das Betreiben von Börsengeschäften ist im Vergleich zum übrigen Wertpapiergeschäft mit überschaubaren finanziellen Risiken verbunden.
Kaufen, Halten, Verkaufen
Wie gespalten derzeit die Einschätzungen für die Deutsche Börse sind, zeigte sich am Freitag: Müller-Gerberding von Unicredit gab eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 124 Euro aus, Christoph Bossmann von der West LB hielt sich mit einem Halten und einem Kursziel von 116 Euro zurück, und Martin Peter von der Landesbank Baden-Württemberg sprach eine klare Verkaufsempfehlung mit dem Kursziel 95,50 Euro aus.
An den Perspektiven für die Deutsche Börse scheiden sich offensichtlich die Geister der Aktienexperten.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: hlr.
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| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,26 | +5,28 |
| BAYER AG INHABER - A | +1,96 | +3,63 |
| LINDE AG INHABER - A | +2,85 | +3,19 |
| MUENCHENER RUECKVERS | -8,55 | -7,34 |
| ALLIANZ SE VINK.NAME | -5,26 | -4,60 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -0,91 | -4,11 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.436,71 | -0,06 |
| TecDax | 725,17 | +0,50 |
| DowJones | 11.370,53 | +0,19 |
| Nasdaq | 2.301,05 | +0,92 |
| STOXX 50 | 3.351,13 | -0,10 |
| Nikkei 225 | 13.334,76 | -1,97 |
| S&P 500 Zert. | 12,50 | -2,34 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,11 |
| Bund Future | 110,38 | -0,50 |
| Gold | 928,40 | +0,08 |
| Öl | 125,98 | +0,80 |
